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SEGELCLUB HANSA MÜNSTER e.V.
Seesegeln - AGLAIA Törn 2017
SHM Bildchen



AGLAIA "Astro" Törn mit RumRegatta
Mit der AGLAIA von Lübeck nach Flensburg
19. bis 27. Mai 2017

Es ist schon lange her, dass unsere Häfen ein Wald von hölzernen Masten und Rahen waren und Fischer auf den Kais ihre Netze und Fässer hatten. Der Geruch von Fisch, Öl und Dampf ist Geschichte. Heute ziehen Diesel- oder Espresso-Düfte über das Wasser und die Fallen schlagen hell gegen Alu-Masten. Doch es gibt Orte und Gelegenheiten für die Rückbesinnung auf vergangene Zeiten. Und es sind keineswegs nur ältere Nostalgiker, sondern viele junge Menschen, die nachfühlen wollen, wie früher das seemännische Leben mit und auf dem Wasser war. Die jährliche Flensburger RumRegatta, das internationale Treffen segelnder historischer Berufsfahrzeuge, ist dafür eine Gelegenheit.
AGLAIA Wie schon in den Jahren zuvor, hat die Aglaia auch 2017 wieder an der nun 38. RumRegatta teilgenommen, die als größtes nordeuropäisches Gaffelrigger-Treffen gilt. Dieses Mal allerdings mit einer Mannschaft des SHM. Aber berichten wir der Reihe nach.
FischessenEine mehrstündige Anreise über nasse und volle Wochenend-Autobahnen führt uns zu Aglaias ständigem Liegeplatz im Lübecker Museumshafen am Wenditzufer nahe der historischen Drehbrücke – ein Ort der Ruhe und Gelassenheit. Nachdem wir Gepäck und Proviant an Bord verstaut sind, bringt uns ein spätes Abendessen im einmaligen Gastraum der 1401 gegründeten Schiffergesellschaft den alten Zeiten der Seeschiffahrt ein wenig näher.

Am nächsten Tag verlassen wir dann Lübeck mit Ziel Fehmarn, nicht ohne einen Halt in Travemünde für ein fantastisches Fischbrötchen und sauberen Diesel. Im Hafen kaufen wir noch einen fangfrischen, ganzen Seelachs direkt vom Kutter, den unser Skipper Heiko dann später auf See zubereitet. In der Mecklenburger Bucht können wir dann zum ersten Mal Segel setzen.
Von ObenArbeit mit dem SextantenDie nächsten beiden Tage sind nahezu windstill, weshalb die Schläge von Burgstaaken nach Marstal und Bagenkop unter Motor absolviert werden.
Sonnenuntergang bei bagenkopDie ruhigen Tage erlauben aber auch Zeit- und Winkelmessungen zur Sonne für die Astronavigation, einige Decksarbeiten wie Spleißen passend großer Augen in unsere neuen Festmacher und Fotograf Rudi experimentiert mit neuen Aufnahmetechniken. In Bagenkop lässt Skipper Heiko - für Neulinge an Bord ganz unerwartet - seine besonderen Fähigkeiten als "Event-Planer" erkennen. Denn dort haben wir ihm nicht nur wieder einmal ein perfektes Anlegemanöver zu verdanken, sondern dank seiner überragenden Zeitplanung und raffinierten Auswahl eines wunderbaren Liegeplatzes auch einen erstklassigen Logenplatz für großes Hafenkino und einen einmaligen Sonnenuntergang.
ActionIn Eckernförde wird die Besatzung der Aglaia dann regatta-mäßig ausgebildet und durch weitere Segler des SHM ergänzt. Ein Manövertraining in der Eckernförder Bucht mit Wenden und Halsen macht uns Mut für die bevorstehenden drei Regatten am Himmelfahrtswochenende mit der RumRegatta als krönendem Abschluss.
Sonderborgnacht Am 25.5. führt dann die "Heringsregatta" von Schleimünde nach Sønderborg, am 26.5. die "Flensburg Fjord Regatta" von Sønderborg in die Flensburger Förde. In beiden Wettfahrten können wir die Aglaia in die vordere Hälfte fahren.
Bereits vor Schleimünde sind sehr viele Traditionssegler am Start, und es beeindruckend, sie alle abends im Stadthafen von Sønderborg wiederzusehen, wo wir mit acht, neun Booten im Päckchen liegen – meistens, aber nicht immer freundlich begrüßt. "Wir fahren morgen früh um fünf!" - lautet ein Zuruf beim Festmachen, was dann aber doch nicht wahr gemacht wird.
Am nächsten Morgen ist der Start unterhalb von Dybbøl Mølle (Düppeler Mühle) bei nur wenig Wind und großem Gedränge aufregender als die anschließende Fahrt bei nur wenig Wind. Wir haben Zeit zum Studium anderer Schiffstypen, für angeregte Gespräche zwischen den Manövern und sogar die Angeln wurden – erfolglos – ausgeworfen!
Hölzerne Skyline in FlensburgAls wir Aglaia wieder im Päckchen – vis-à-vis der legendären "Dagmar Aaen" – am Gastseglerkai von Flensburg zwischen Museumshafen und Dampferbrücke festmachen, ist der sogenannte Gaffelmarkt vor der Stadt ein großes Erlebnis. VikingerMehr noch aber das Mit- und Nebeneinander der Traditionssegler! Mit ihnen erhält der Flensburger Stadthafen wieder ein Bild, wie es wohl früher auch gewesen sein muss: ein Gewirr von hölzernen Masten und Leinen. Das heisere Pfeifen des kohlebefeuerten Salondampfers Alexandra ist die dazu passende akustische Kulisse. Und die Aglaia mit ihrer österreichischen Nationale mittendrin! Viele Menschen sind offenbar gekommen um dieses besondere Flair zu erleben.
Am nächsten Morgen heißt es Leinen los zur RumRegatta! Sie führt von Flensburg mit Start ab Tonne 13 in der Kobbermølle Bugt ca. 5 Seemeilen bis rund um die Tonne 12 nahe der Engstelle Brenstoft Hage in der Förde und zurück. Das Bild der teilnehmenden Gaffelrigger in allen Größen vor blauem Himmel bei Sonnenschein ist ein Erlebnis! Es nehmen über 130 Schiffe teil.
Verfolgr Besonders schön sind die kleinen, flinken "Smakkejollen" mit ihrer Sprit-Takelage und dem typischen Schweitzervierkantigen Segel. Kenner wissen, dass die RumRegatta eine "Regatta verkehrt" ist: nicht der erste, sondern der zweite erhält beiPreisvergeudung der sogenannten "Preisvergeudung" eine Magnum-Flasche Rum. Eine besondere Herausforderung für die Taktiker und Steuerleute! Wir können Aglaia in der Klasse CII ("Besonders schnelle, modifizierte Repliken") auf Platz 3 von 11 fahren. Nach dem Zieleinlauf fahren wir noch ein wenig die Förde auf und ab, aus Spaß, zum Training und in der Absicht noch einige Treffer mit unseren bunten Wasserbomben zu landen. Abends liegen wir dann wieder im Päckchen, diesmal neben einem Schweizer – womit zwei alpenländische Boote nebeneinander Skipper-Party und Förde grüßen.
Hansawimpel auf der AGLAIADer Abschied von Aglaia und Skipper Heiko am nächsten Morgen fällt allen nicht leicht: "Auf Wiedersehen, Aglaia!". (Oliver K.)