Flottille Mittelmeer 2019 – Sardinien – 1. Woche

Hansa Herbsttörn – eine Institution!
Kielwasser der „Bartok“

Eigentlich alles wie (fast) immer? Zwei Wochen Mittelmeer, eine vor, eine in den Herbstferien. Fünf Yachten um die 50 Teilnehmer. Wechselnde Reviere. Top Organisation, gute Laune, abwechslungsreiche Segelverhältnisse.
Dieses mal ging es von DUS nach OLB per Flugzeug, also Olbia südlich der Costa Smeralda und des Maddalenen Archipels auf Sardinien. Dort eine Flotte von vier Dufour 460GL und einer Sun Odyssey 449 übernommen.
Traditionell berichten „Ersttäter“ von ihren Eindrücken des Törns. Hier zur ersten Woche von Ellen und Michael auf der „Bartok“. Sie ist eine der Dufours, die gut 90sm im Kielwasser gelassen hat, weil ja auch viel Zeit für’s Land übrig blieb ….

Fünf Crews auf zwei Yachten zum Gruppenfoto

Samstag, 5.10.19 – Ankunft

Da ich noch nie bei einem Törn dabei war, auch noch nie auf einer Yacht (außer auf der Bootsmesse in Düsseldorf), war ich schon sehr gespannt, auf das, was da kommen wird.
In Olbia auf dem Flughafen angekommen, gab es erstmal etwas Unruhe, da nicht so ganz klar war, wo wir hin müssen. Es stellte sich heraus, dass die fünf Schiffe in einem anderen Hafen lagen, als noch eine Woche vorher mitgeteilt worden war.

Weder Gepäck noch Crews durfen frühzeitig an Bord.

Die Taxen brachten uns dann zum richtigen Hafen. Dass wir noch viel zu früh waren, war uns allerdings klar, denn erst um fünf Uhr konnten wir die Schiffe übernehmen.
Für die fünf Skipper wartete erst mal Arbeit, Formalia waren zu klären, die Kaution zu hinterlegen und die Übergabe der Boote stand an.
Wir sind zu zweit mal auf den Steg gegangen, um schon mal einen Blick auf unsere Yacht werfen zu können, leider wurden wir gleich wieder von dem Vercharterer verscheucht. Also noch etwas in Geduld üben, aber dann war es soweit -sogar noch vor fünf Uhr -, wir durften an Bord.

Die Kabinenaufteilung ergab sich sehr schnell, dass es wenig Platz haben wird, war mir ja schon vorher klar gewesen, aber so eng? Was mir nicht klar war, dass jeder Toilettengang und jedes Händewaschen mit dem lauten Gebrumme von Pumpen begleitet wird. Ein Crewmitglied nannte das Getöse die „Variationen in WC-Mol“. Und die gab es natürlich leider auch in der Nacht. Praktischerweise konnten so die nächtlichen Toilettengänge synchronisiert werden, da nach dem ersten Toilettengang ja sowieso alle wach waren.

Sonntag, 6.10.19 – der 1. Schlag

Am Sonntag ging‘s dann endlich richtig los, nach dem Ablegemanöver fuhren wir unter Motor aus der Bucht von Olbia. Da für Montag starker Wind vorhergesagt war, hatte die Skipperbesprechung des Vortages beschlossen, am Sonntagnachmittag in den Hafen von La Maddalena einzulaufen, um dort den Montag geschützt verbringen zu können. Leider hatte dies zu Folge, dass wir am Sonntag trotz Segelwindes kaum segeln konnten, es hätte gegenan kreuzend zu lange gedauert. So sind wir den Großteil der Strecke unter Motor gefahren. Aber auch das konnte ich sehr genießen, wie die Küste mit ihren Buchten und Inseln an uns vorbeigezogen ist, das klare, blaue Wasser, der Wind, andere Boote, herrlich.

Eigentlich kein Unterschied eine Yacht oder eine Jolle zu segeln …

Auf’s Segeln war ich ja sehr gespannt, wie macht sich das auf so einem großen Boot? Es zeigte sich dann, dass das Segeln selbst nicht viel anders ist, als mit der Jolle, die Segelstellung zum Wind ist das Entscheidende. Allerdings ist alles mit X malzunehmen. Die Segel sind größer, das Tauwerk ist stärker, der Baum und der Mast sind länger, die Kräfte sind stärker, der Aufwand für jede Veränderung ist größer. Was nicht ganz stimmt, das Setzen der Rollfock ist schneller geschehen, als das Setzen der Fock bei der C55, das muss erst mal aus der Segelkammer geholt werden. Deutlich anders als bei der Jolle sind die Anlege- und Ablegemanöver und das Ankern, da ist doch schon einiges an Erfahrung nötig, um diese gut hinzubekommen.

Blick über Maddalena ins Archipel

Sonntagnachmittag sind wir dann in La Maddalena angekommen, abgesprochen war der erste Hafen, zwei Schiffe fuhren dann allerdings in den zweiten Hafen, aus Gründen, die mir nicht bekannt wurden. Der zweite Hafen war teurer, der Weg zu Toiletten und Duschen deutlich länger, – mir sollte es recht sein, wir waren im ersten Hafen. Für die Kommunikation unter den fünf Booten war es kein Problem, die Häfen sind nicht so weit voneinander entfernt.
Spannend war das erste Anlegemanöver, nun wurde mir auch die Funktion der Muringleine deutlich, diese hatte sich mir in den Videos vorher noch nicht erschlossen. Damit lagen wir dann sicher im Hafen, was auch nötig war, denn der nächste Tag – ein Starkwind-Tag – war dann der erste Hafentag.

Montag, 7.10.19 – La Maddalena

Dieser begann mit einem ausführlichen Frühstück an Bord, mit allem was das Herz begehrt. Unsere für diese Aufgabe erkorene Fachfrau ließ sich nicht lumpen und zog alle Register. Mit Bummeln durch die Stadt, einem größeren Spaziergang, Busrundreise über die Insel und abendlichem Essengehen verflog der Tag sehr schnell.
Die Skipper Besprechung am Montagabend beschloss für den nächsten Tag die Überfahrt nach Korsika, nach Bonifacio. Da von dem gerade vergangenen Starkwindtag in der Straße von Bonifacio noch mit einer alten großen Welle gerechnet wurde, wurde auch beschlossen, dass alle Schiffe wieder umdrehen würden, wenn es einer Besatzung mit der Dünung zu viel werden würde. Also der nächste Tag würde der erste Tag mit größerem Geschaukel werden, ich war gespannt.

Dienstag, 8.10.19 – Straße von Binifacio

Der nächste Tag versprach ein schöner Tag zu werden, Sonnenschein, Wind, ein gutes Frühstück, ein gelungenes Ablegemanöver. Wir konnten auch schon bald die Segel setzen, erstmal zwischen den Inseln waren die Schiffsbewegungen kein Problem. Dabei blieb es auch, denn die Dünung war eine großräumige, die keine Bootsbewegungen erzeugte, die sonderlich seekrankheitsaffin waren. Mit Halbwind von Steuerbord konnten wir in einem Schlag hinüber nach Korsika segeln, herrlich. Unterwegs trafen wir zwei große schnelle Fähren. Ich dachte zu erst, dass wir locker noch vor ihnen den Weg kreuzen könnten, sie kamen aber dann doch so schnell, dass wir unseren Kurs kaum ändern mussten und hinter ihnen dann unsere Bahn zogen.

Langsam wurde die Steilküste immer deutlicher, immer klarer wurde mit der Zeit dann auch, dass auf der Steilküste eine Ortschaft thront, Bonifacio. Nur, wo ist da der Hafen? Erst als wir ziemlich nahe waren, wurde ein Einschnitt in der Steilküste deutlich, die Einfahrt zu dem Hafen. Es stellte sich heraus, dass Bonifacio oben auf einer Halbinsel liegt, denn nicht nur vorne zum Meer gibt es die Steilküste, sondern auch nach hinten zum Hafen hin, der damit gut geschützt und früher auch gut bewacht war, denn alte militärische Anlagen waren noch viele zu erkennen.
So gegen drei Uhr sind wir in den Hafen eingelaufen, so dass noch genug Zeit blieb, die Stadt, die Anlagen und die Umgebung zu erkunden und abends lecker essen zu gehen, was leider dann doch nicht für alle acht so lecker wurde.
Es war ein toller Tag, er hatte morgens nicht zu viel versprochen.

Mittwoch, 9.10.19 – Rückfahrt nach Sardinien

Wieder ein hervorragendes Frühstück nach einer weniger hervorragenden Nacht, na ja, eine normale Nacht, wie weiter oben schon beschrieben wurde. Aber nun saßen wir wieder alle zusammen, tranken Kaffee/Tee und aßen Brötchen und hatten wie jeden Morgen Obstsalat, Joghurt und Müsli auf dem Tisch und (aus Platzmangel) ringsherum stehen.
Bei der Skipper Besprechung, bei der auch jedes Mal als stiller Beisitzer ein anderes Crewmitglied teilnehmen konnte, wurde für heute geplant, dass es zurück in Richtung Sardinien gehen sollte. Für morgen war starker Wind angemeldet. Deshalb planten wir, einen sicheren Hafen anzusteuern, um dort den nächsten Tag, in Sicherheit zu verbringen. Palau wäre schön; auf dem Festland Sardiniens gelegen, gegenüber dem Archipel La Maddalena und durch Fähren mit diesem verbunden.
Unter Segel, bei gutem Wind war es uns möglich, einige Manöver zu fahren und auch Boje-über-Bord-Manöver (BÜB) zu üben. Zwei PET-Flaschen mit einem Tampen am Flaschenhals verbunden waren unsere Boje, der Tampen sollte das Bergen mit dem Schiffshaken erleichtern. „Boje über Bord an Steuerbord!“ „Fier auf die Schot auf Raumen Wind! Zwei halten die Boje in Sicht!…..“ Leichter Seegang und gleißend helles Sonnenlicht führten trotz konzentrierter Beobachtung innerhalb kurzer Zeit dazu, dass wir unsere Boje (zum Glück nur eine Boje!) aus dem Blickfeld verloren. Eine Erkenntnis, die sich in unserer Erinnerung fest verankert hat. Durch weitere Suche und Orientierung an Landmarken konnten wir nach einiger Zeit die völlig erschöpfte und unterkühlte Boje retten! Wir waren froh und zufrieden, diese Übung doch noch mit Erfolg beendet zu haben.
Weiter ging es unter Segel zu einer mit der restlichen Flottille vereinbarten Ankerbucht, um das klare, sonnige Wetter noch für eine Pause zum Schwimmen zu nutzen. Wir steuerten die Isola Spargi an, eine zum Archipel gehörende Insel, westlich von der Hauptinsel La Maddalena gelegen. In einer Bucht dieser Insel, der Cala Corsara, nutzten einige die doch recht erfrischende Möglichkeit, einige Runden zu schwimmen, oder anderen Booten einen kleinen Besuch abzustatten.

Das Ankern ist auch ein interessantes Manöver. Zum guten Gelingen ist eine deutliche und ausreichend laute Kommunikation (na, eigentlich ja immer!) zwischen den Crewmitgliedern vorne am Anker und dem Rudergänger, bzw. Skipper zwingend erforderlich. Mit Ruhe und Feingefühl kann ein guter Ankerplatz gefunden werden und der Anker sicher im Meeresgrund ausgelegt werden. Zur Überprüfung der Festigkeit wird durch Rückwärtsfahrt unter Motor, bei recht hoher Drehzahl beobachtet, ob sich der Liegeplatz des Bootes zu einer gewählten Landmarke verändert. Ausreichender Tiefgang und ausreichende Entfernung zu anderen Booten sind dabei mit zu berücksichtigen.
Nach dieser Erfrischung ging es weiter nach Palau, wie am Morgen vereinbart. Die große Überraschung: durch den anstehenden Sturmtag hatten viele die gleiche Idee und im Hafen von Palau war nur noch ein Platz für ein Boot unserer Größe. Über Funk und Handy wurde vereinbart, erneut La Maddalena anzufahren, dieses Mal wollten alle gemeinsam in den zweiten Hafen fahren, um dort den ganzen nächsten Tag zu verbringen. Aus mir bislang nicht erschließbaren Gründen, fuhren trotz der klaren Vereinbarung zwei Schiffe unserer Flottille in den ersten Hafen ein und machten dort fest. Na, mir soll es Recht sein, den zweiten Hafen kannten wir noch nicht und wir lagen vor dem aufkommenden Sturm dort gut geschützt.
Die kommende Nacht machte die Kraft der stürmischen See deutlich: der Wind blies laut, Leinen klapperten und der Mast mit seinen Löchern wurde wie eine Pfeife angeblasen. Es entstand eine Melodie aus Quinten und Quarten, die für mich eine unverkennbare Melodie des Sturmes wurde.

Donnerstag, 10.10.19 – Hafentag in La Maddalena

Nach dieser lauten Nacht, in der ich mich in unserer Kajüte fühlte, wie in einer Babywiege, die sanft hin und her geschaukelt wird, gab es wieder ein köstliches Frühstück. Ein grundsätzlich herzliches Dankeschön an dieser Stelle an unsere(n) Smutje dafür. Unterschiedliche Ideen wurden entwickelt, wie dieser stürmische Tag verbracht werden kann. Alle gemeinsam haben jedenfalls einen festen Termin am Abend: das Flottillen-Abschiedsessen der ersten Woche. Wir würden uns abends oberhalb der Marina in einer großen Pizzeria treffen.
Einige wollten tagsüber eine Busfahrt über die Insel unternehmen, andere mit der Fähre nach Palau übersetzen, wir, die beiden Protokollanten, entschieden uns, E-Bikes auszuleihen und entlang der Küste die Insel zu umrunden. Der Sturm war so stark, dass wir auf einer abschüssigen Straße durch den uns entgegen blasenden Wind zum Stehen gebracht wurden und wir stellenweise Sorge hatten, seitlich in Gräben versetzt zu werden. An einer Bucht mit starken Wellen, die auf das Land aufschlugen, machten wir Pause und sprangen in die Wogen, was große Freude bereitete. Anschließend setzten wir unsere Tour fort und kamen unversehrt an unserem Boot an, um uns noch für ein Gruppenfoto und das Abendessen frisch machen zu können. Der Abend klang mit dem Abschiedsessen dann leicht wehmütig aus, weil die erste Woche damit nun fast vollendet war.

Freitag, 11.10.19 – Fahrt zum „Wechselhafen“ Cannigione

Der letzte Schlag vor dem Wechseltag

Heute gab es erneut viele Möglichkeiten zu segeln. Der Wind war gut, eine alte Dünung vom Vortag führte zu einigem, aber erträglichem Wellengang. Unseren Motor benötigten wir an diesem Tag lediglich für die anstehenden Manöver. Eines davon war wieder das Ankern. Es ergab sich die Möglichkeit, eine Bucht anzusteuern, in der wir den Anker werfen konnten und einige die Gelegenheit nutzten, ins Wasser zu springen. Es war einfach herrlich und ich versuchte, mir die Eindrücke zu bewahren, um mir im Alltag nach dem Törn, diese Gefühle wieder ins Gedächtnis rufen zu können. (Rückwirkend kann ich bestätigen, dass es funktioniert! ; ) Und weiter ging’s an die Nord-Ostküste von Sardinien. Entlang von verschiedenen Inseln in den tiefen Landeinschnitt von Cannigione hinein. Dort legten wir im Hafen an und gingen abends noch einmal mit der Crew von unserem Boot zusammen essen.

Samstag, den 12.10.19 – Abschied

Das letze Bild mit HC, der seine Koje auf der Bartok für den Nachfolger in Woche zwei frei macht.

Am frühen Morgen des nächsten Tages verabschiedeten wir unsere Crewmitglieder der ersten Woche. Auf unserem Schiff war es nur eine Person, auf anderen Booten wechselte fast die gesamte Crew. Nach unserem gemeinsamen Frühstück ordneten wir unser Schiff, Bettzeug wurde für unser neues Mitglied erneuert und dann warteten wir auf unseren Zuwachs. Dieser ließ wie so manches Mal im „richtigen Leben“ auf sich warten, kam dann aber doch. Es gab offensichtlich Schwierigkeiten mit dem Taxi, dass den Transfer vom Flughafen Olbia nach Cannigione sicherstellen sollte. Nun waren wir für die zweite Woche wieder komplett.

(Ellen & Michael)