Jolle versus Dickschiff? Lanzenbruch für das Jollensegeln

Dass Fahrtensegeln auf Dickschiffen glücklich macht, ist in mindestens einem Beitrag vorgetragen worden und wird von ganz vielen Fahrtenseglern bestätigt. Aber warum soll Jollensegeln, z.B. auf dem Aasee, nicht auch glücklich machen??

Welches sind die Vorteile des Jollensegelns, wie es mit den zahlreichen, verschiedenartigen Vereinsjollen des SHM möglich ist? Aus meiner Sicht zählt zu allererst die innenstadtnahe Lage des Aasees dazu. Und sooo klein ist der nun auch nicht. Egal, ob zu Fuß, per Leeze, Bus oder Pkw, das Stadtgewässer ist nie weit entfernt. Ob ich einen Laser, einen Zugvogel, die Polyvalken „Luna“ bzw. „Stella“ oder noch einen anderen Bootstyp ausleihe, ich kann allein segeln, wenn mir danach zumute ist, oder mit einem anderen Vereinsmitglied; die größeren Boote tragen bequem bis zu vier Personen. Wenn ich sportlich segeln möchte, geeigneten Wind voraussetzt, der nicht immer mitspielt, oder eher gemütliches „Alt-Herren-Segeln“ bevorzuge, gibt es für jede Interessenlage das passende Bootsangebot am SHM-Steg und genug Mitglieder, die gern mit von der Partie sind. Oder lieber ein Bierchen trinkend vom Ufer aus zuschauen.

Die Boote sind fix segelfertig, Wertsachen in Sicherheit gebracht und los geht es – binnen einer Viertel Stunde. Auch hier gilt: es gibt Tage und Tageszeiten, an denen auf dem hinteren Aaseeteil mehr los ist und solche, an denen wir allein unterwegs sind und gelegentlich von der „Solaaris“ aus unseren Tagträumen gerissen werden. Wenn ich dann Richtung Torminbrücke segelnd auf den dahinter liegenden innenstadtnäheren Teil des Sees schaue, bin ich immer wieder froh, so viel Ruhe und Ungestörtheit genießen zu dürfen: denn dort sind oft viele rotweiße Boote der Segelschule auf dem Wasser. Wenn ich natürlich Vorfahrtsregeln üben möchte, scheitert dies doch gern an fehlenden anderen Booten… Naja, man kann nicht alles haben.

Völlig frappierend finde ich immer wieder die (Fast-)Stille auf dem Wasser. Der Autoverkehr ist kaum wahrnehmbar, bestenfalls ein leichtes Hintergrundrauschen in der Nähe der Torminbrücke, noch seltener ein Rettungsfahrzeug mit Martinshorn oder ein Helikopter unterwegs vom/zum UKM. Selbst bei geringer Fahrtgeschwindigkeit kann ich ohne Anstrengung die leise, ganz unscheinbare Bugwelle meines Bootes hören. Apropos still: gelegentlich werde ich doch tatsächlich durch die Zootiere akustisch „gestört“: Töröööh! Und die zahlreichen Schwalben, Störche und anderen Vögel sind wahre Flugakrobaten, die es mir leicht machen, ihnen immer wieder gern zuzusehen.

Noch etwas spricht für das Jollensegeln: ändert sich das Wetter, bin ich in kürzester Zeit wieder am Anleger und in Sicherheit vor Langerweile bei Flaute, Wind, Gewitter, Regen oder hereinbrechender Dämmerung. Und so lohnt auch der Ein-Stunden-Mini-Törn. Und wenn der Wind mal wieder gar nicht mehr will: wieviel kurzweilige und tiefgründige Klönschnacks habe ich schon auf dem Aasee mit meinem Segelpartner oder meiner Segelpartnerin gehalten – Abschalten leicht gemacht.

Abschließend: sehr empfehlen kann ich das Jollensegeln nach Feierabend. Hier kam ich als Berufstätiger extrem schnell auf andere Gedanken und war danach erholt zu Hause angekommen, wie nach einem Kurzurlaub.

Hans-Christoph T.

Fahrtensegeln macht glücklich!

Es ist Freitag, und ich bin eine Woche von einer weiteren Segelreise zurück. Der Reisebericht für die Webseite ist veröffentlicht, die Renonanz darauf toll, ich sitze flankiert von einer angenehmen Brise bei 29° C im Garten und hänge trotzdem noch der vergangenen Segelwoche nach. Dabei frage ich mich, warum das so ist. Und stelle fest, dass auch andere Segelveranstaltungen einen ähnlich intensiven Eindruck hinterlassen haben.

Ein Mitsegler schrieb, und ich habe seine Worte gern in meinen Bericht übernommen, dass er schon immer dafür plädiert habe, Segeln bzw. Segelurlaube auf Krankenschein zu verordnen. Als weltfremd empfinde ich den Gedanken nicht. Auch von anderen Segelreisenden habe ich gehört, dass positive Nachwirkungen über beachtliche Zeiträume andauerten.

Was verursacht also diesen bemerkenswerten Nachhall? Bei der Betrachtung setze ich voraus, dass SeglerInnen vorher wissen, dass sie mit engen Raumverhältnissen an Bord klarkommen müssen, wenig Spielraum für ausgeprägte Indivudualität haben, kaum Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind, und ja, auch „kompatibel“ sein sollten, sprich, sich einfügen können. Und natürlich: es kann auch ganz anders laufen auf Segelreisen, aber das blende ich jetzt aus.

Bei mir wirkt Segelurlaub unmittelbar: kaum an Bord, ist das sonstige Leben ausgeblendet. Geht es doch um Überlebensfragen wie: Wohin mit der ganzen Kleidung und den Monstertaschen? Ist der Kühlschrank groß genug für die empfindlichen Lebensmittel? Was ist wo an Bord und wie funktioniert das? Und nicht zuletzt, wo schlafe ich die nächsten Tage? Und mit wem als zweiter Person in der Kabine??

Sofort am ersten Bordmorgen geht es los mit 7, 8, 9. Gemeint sind die Zeiten für das Aufstehen, Frühstücken, Ablegen. Je nach Reiseplanung natürlich auch anders oder wenn die Übergabe noch bevor steht, mit einer späteren Abfahrt. Daraus resultieren so raumgreifende Überlegungen wie: ist die Bordtoilette gerade frei, lässt das Wetter eine Dusche in den Facilities an Land zu, so vorhanden, und wie schaffe ich es, in der Enge der Kabine meine Bordklamotten zu besteigen. „Wer trinkt Kaffee zum Frühstück?“, tönt es zwischendurch, man kennt sich ja noch nicht (so gut).

Wenn der erste (Eu-)Stress vorüber ist, haben Skipper, Co-Skipper und ggf. der Flottillen“admiral“ schon ernsthafte Überlegungen oder Entscheidungen getätigt zum Wo-fahren-wir-heute-hin. So geht es flottweg weiter, scheinbar plötzlich sind die Leinen los, und wir fahren mit ein paar Leuten in einer Nussschale auf dem Wasser.

Es ist wenig Zeit und Platz für Alleinsein und Stille. Eine Stunde ungestört am Mastfuß oder Bugspriet zu sitzen ist Luxus. Wenn die Besatzungsmitglieder – wie meist – zupackender Natur sind, harmonieren und gut gelaunt, stellt sich aber schnell ein scheinbar mit der Wellenbewegung synchroner Bordrhythmus ein, in dem alle ihren gelegentlich wechselnden Platz finden. Auch die Seefahrerbeine wachsen zügig und ohne weiteres Zutun.

Auf einem Segler läuft fast alles recht gemächlich ab. Eine Reisegeschwindigkeit um fünf Knoten ist normal, das Wasser ist nicht nur blau, andere Wasserfahrzeuge haben auch Ziele, Wind und Wetter bedürfen der Beobachtung, Seeluft macht hungrig, Segelmöglichkeiten wollen ausgelotet werden, Sonne bräunt oder rötet schneller als einem lieb ist, Beobachtung von Tieren, Land, Hafenein- und -ausfahrten, Fahrwasserbetonnung, schwimmenden Objekten (Fischereimarkierung, Treibgut, Vogel?) usw. fordert Aufmerksamkeit, der nicht nur Steuermann oder Skipper allein nachkommen.

Außerdem umgibt das Segelboot eine ungeahnte Lichtfülle, faszinierende Sicht bis zur Kimm und Ruhe. Nur das Wasser plätschert, der Wind macht sich akustisch in unterschiedlichen Tönen bemerkbar, gelassene Gespräche über Wichtiges und Nichtigkeiten verkürzen die Zeit. Unterbrochen wird die Entspannung durch Fragen nach Wassertiefe, Kurs oder Geschwindigkeit. Manchmal heißt es dann, kaum wahrnehmbare Aktivitäten unter und an Deck gingen voraus, Segel setzen, Segel trimmen, Segel runter und Motor an, Kursänderung. Schon wieder ist eine Viertel Stunde vorbei. Und ehe wir uns versehen, sind es nur noch drei Meilen bis zur Hafeneinfahrt. In Vorbereitung zum Anlegen und dem Danach tauchen wieder ganz neue Fragen auf.

Was ist mit dem Anlegerbier? Wer kocht heute, und wo sind die Kartoffeln verstaut? Brauchen wir wegen starken Windes zusätzliche Leinen? Wo sind Klos und Duschen („Hast du den PIN für die Tür?“), wann hat die Hafenmeisterei geöffnet, brauchen wir Landstrom (immer!) oder Frischwasser; wie sieht es mit Tanken aus? Lohnt ein Landgang bzw. ist Zeit dafür im Hellen? „Habt Ihr den tollen Strand gesehen?“ und „Schaut Euch den Sonnenuntergang an!“. Gegen halb elf kommt dann der Sandmann, eine halbe Stunde später ist meist Ruhe an Deck, gelegentliche Schnarchgeräusche ausgenommen. Und so weiter, Tag für Tag.

Ein Knüller für mich: kaum bis kein Handy-Empfang und Smartphone unter Deck, damit es nicht schwimmen lernen muss. Ich glaube, das nennt man „zeitlos“. Sogar die häuslichen und weltlichen Ereignisse und Sorgen verwischen: als uns mittags mehrere Kriegsschiffe begegnen und Militärjets akustisch aufdringlich werden, taucht die Frage auf, ob es neue Spannungen in Sachen Ukrainekrieg und umzu gäbe. Keiner weiß Näheres und schwupp ist die Frage wieder untergetaucht – wie ein Fisch oder Kormoran im Wasser. Schlauer sind wir aus temporärem Desinteresse heraus auch tags darauf nicht.

Gelassenheit macht sich breit. So ärgert zwar der dritte Versuch, beim Anlegen in die schmale Box zu kommen, im Moment, ist aber kurz darauf wieder vergessen. Andere können es ja oft auch nicht besser. Und „Hafenkino“ mit wechselnden Rollen gehört an Bord einfach zum Programm.

So dümpeln Boot und Tage vor sich hin, plötzlich und völlig unerwartet wirft der Zielhafen seinen Schatten voraus. Packen der Kleidung und der restlichen Lebensmittel, Ordnung an Bord wieder herstellen, Mängelliste vervollständigen, letzten Logbucheintrag tätigen, alle von Bord, damit Skipper und Vercharterer die Schlussübergabe machen können. Wagen packen, pinkeln, rasch-rasch. Tschüß, war toll mit euch. Dann nach Hause fahren. Das war’s.

Traumloser Tiefschlaf danach im eigenen Bett und eine bekannte Dusche am Morgen, viel mehr Platz als an Bord. Hach, das Leben zu Hause kann so schön sein! Und schneller als das Frühstück auf dem Tisch steht, geht die Routine des Alltags wieder los.

Wie schön ist es dann, einige Zeit davon ausspannen zu können und den Erinnerungen nachzuhängen. Übrigens, wo ist die Anmeldung für die nächste Segelreise?

Text: Hans-Christoph T.
Bilder: Besatzung der Yucabay 2022

Ostseetörn 2022: Segelurlaub auf Krankenschein?

Ende Juli 2022 war es so weit: das Ostsee-Flottillentraining von und nach Heiligenhafen rund Falster und Lolland startete. Elf Clubmitglieder waren auf den Booten „Neela“ und „Yucabay“ , beides Bénéteau Oceanis 38.1 Segelyachten, eine Woche unterwegs.

Um es mit den Worten eines Besatzungsmitgliedes vorweg zu nehmen: „Das war ein richtig schöner Törn. Ich bin noch ganz voll davon, und mich hat das – endlich – wieder auf andere Gedanken gebracht. … Und vielen Dank an alle für Gutmütigkeit, Hilfsbereitschaft und das unermüdliche Hervorsprudeln guter Laune!“ Vielleicht sollten unsere Krankenkassen ernsthaft überlegen, Segelurlaube auf Krankenschein zu verordnen angesichts so viel positiver Resonanz.

Garniert mit einem Foto (Wasser, geblähte Segel, Kumulanten am Himmel, Land im Hintergrund), könnte ich den Bericht nun schließen. Aber dann vermag ich meinen VÖLLIG ERNST GEMEINTEN Ländervergleich nicht darzulegen.

Verglichen werden Frankreich, Deutschland und Dänemark. Wie erwartet, sticht unser westliches Nachbarland u.a. durch Eleganz, optische Harmonie und wohlklingende Namen hervor: schön anzuschauende Segelyachten, Hingucker halt, und fließende Wörter wie „Bénéteau“ (langes und leicht nach oben gezogenes O am Ende), der Werft der gecharterten Yachten. Wie spröde klingt da doch „Bavaria“ (abgehackt, hart gesprochen, Stimme nach unten). Bei genauer Betrachtung hingegen stellt der geneigte Deutsche (m/w/d usw.) fest, dass alle Bordtüren für Menschen unter 180 cm geschaffen wurden, die Achterkabinen für zwei Personen nur in horizonaler Position geeignet sind (oh lálá) und das Umkleiden darin an die Verrenkungen der Laokoon-Gruppe erinnert. Dagegen legten die französischen Designer Wert auf große Betten, den hochgelobten Navigationstisch, eine große Vorderkabine mit Flügeltür und eine geräumige Plicht, letzte im krassen Gegensatz zur Enge der Sitzgruppe im Salon.

Unsere nordischen Nachbarn, deren Revier wir überwiegend befuhren und dort Häfen wie Gedser, Stubbeköbing, Femö, Spodsbjerg und Rödbyhavn anliefen, verstehen offensichtlich etwas anderes unter Begriffen wie „moderne Sanitäreinrichtungen“, „großzügig“ und „kräftiger Schwell der Fähren“ als unsereins. Das von uns getestete dänische Nationalgericht „Biksemad“ hingegen hat uns positiv überrascht.

Auch die Skipperkonzepte auf den Booten variierten. Auf der Yucabay war eher „in die Karten gucken lassen“ und Teilhabe an Skipper-Überlegungen angesagt. Auf der Neela hieß das Motto oft „Skipper of the Day“, will heißen, dass (fast) jeder sich einen Tag so fühlen durfte wie der wirkliche Skipper. Beide Ansätze haben etwas für sich, eine Wertung fällt mir schwer.

Völlig einig dagegen war sich die Neela-Besatzung, dass der zweite Platz bei der Ankunft im Hafen nicht erstrebenswert ist, also machte Yucabay eifrig mit beim Hase und Igel Spiel. Das Bild sagt in etwa aus: „Machen die den Anleger auch richtig? Aber bloß nicht schneller als wir!“

Das Inselhopping in der dänischen Südsee war je nach Sichtweise anstrengend oder sportlich, da sich die Meilensumme auf 213 nautische Einheiten belief. So erlebten wir Vieles unterwegs, und die Hafen(frei)zeit fiel entsprechend kürzer aus. Das Wetter war vielseitig, oft anders als noch Stunden vorher prognostiziert und des Öfteren verkehrt herum: sprich, die Windrichtung entsprach nicht den Segelwünschen, kreuzen hätte zu lange gedauert, und manchmal traf auch der Begriff Wind für die Luftbewegung nicht wirklich zu. 2,2 Knoten sind wohl eher als Hauch zu bezeichnen. Wenngleich dieses Ereignis die richtige Richtung aufwies, half auch der (nicht ganz flugs) gesetzte pinke Gennaker kaum.

Unterwegs wurden wir fleißig begleitet von Schweinswalen, Kormoranen, unzähligen schnabbelsüchtigen Schwalben in Hafennähe, Untiefen, Felsen, Fähren, Übungs- und anderen Sperrgebieten, Baustellen (Stichwort „Schweizer Käse“) mit Meldepflichten und sorgsamen, speedboat-fahrenden Baustellenwächtern (echte Kerle!!!), die der gerade an Oberdeck befindlichen weiblichen Crew äußerst charmant erläuterten, dass wir am Rand einer solchen Baumaßnahme führen, aber auf der richtigen Seite! Schwupp, waren sie wieder weg. Ich hörte noch: „Wenn bei denen ein Platz frei gewesen wäre, hätte ich ihn genommen“; und kurz darauf eine andere Stimme: „Zu spät“.

Auch zahlreiche echte Schiffe zwischen 100 und 300 m Länge, viele Segel- und das eine oder andere Sport- bzw. Fischerboot trugen stets zu wechselnden Horizonten bei. Sogar das Militär gab sich einen Tag geballt die Ehre, mit fünf großen Einheiten bis hin zum Flugzeugträger zu Wasser und einigen Kampfjets in der Luft.

Zwei heftige Unwetter sorgten in Burgstaaken für Hektik und nasse Klamotten. Einige Boote hatten weniger Glück als unser Flottillchen, das rechtzeitig festgemacht hatte. So leiteten wir einen Mayday-Ruf erfolgreich weiter und vernahmen einen weiteren, ohne wegen unverständlicher Koordinaten helfen zu können. Zwischen der Fehmarnsundbrücke und Heiligenhafen hat es zuvor einen Segler auf Legerwall an den Kiesstrand geschlagen, wo er mit 45° Schlagseite hoch auf dem Trockenen lag.

Was zählt? Viel neu erlangtes bzw. aufgefrischtes Wissen (Segelmanöver und -trimm, Gennaker setzen/bergen, An- und Ablegen, Umgang mit dem Kartenplotter, Kurse festlegen, Hindernisse erkennen und umschiffen, Logbuch schreiben, Tampenarbeit, Anlegen im Päckchen, Quer- und Fährverkehr beobachten und einschätzen), sehr viel gute Laune, trotz teils unpassender Winde viel Segelstrecke und nie Langeweile.

Text: Hans-Christoph T.
Fotos: Segelbesatzungen

Polyvalken-Segelfreizeit Koudum 2022

Weiße Segel, blauer Himmel, grünes Land

Vom 10. bis zum 13. Juni fand die Segelfreizeit in den Gewässern um Koudum/NL statt. Bekannter ist der Event als Segelfreizeit Heegermeer. Dieses Jahr gab es eine grundlegende Änderung: die Übernachtung fand nicht in Heek sondern in Koudum statt, genau gesagt im Vakantiepark de Kuilart.

Nach der Covid-bedingten Pause merkte nicht nur die Hauptorganisatorin Hedwig, wie ausgehungert viele SHM-Mitglieder nach einem Wiedersehen und Segelpraxis waren. Die gemeldete Teilnehmerzahl erreichte nie dagewesene 52 Nasen. Bei einer durchschnittlichen Besetzung der Polyvalken mit vier Segelhungrigen kann man sich die Anzahl der Boote ausrechnen: In den Kanälen glichen die Segelausflüge einer Prozession.

Das Wetter konnte besser nicht sein: Temperaturen um 20° C, Westwind mit 3 bis 4 Bft, garniert mit 5er Böen. Viel Sonne ließ die Haut trotz wirksamer Sonnenkrems fix bräunen, manchen auch zu schnell, konkurrierte doch die eine oder andere ungeschützte Hautstelle mit der Farbe der untergehenden Sonne.

Weiße Schäfchenwolken passten zur Farbe der Segel. Sattes Grün an den Ufern und auf den Grünländern entlang der Route sowie blauer Himmel rundeten den optischen Eindruck ab. Die Krönung war der Sonnenuntergang auf der Fahrt von Stavoren nach Koudum. Alte Heeker-Meer-Hasen meinten unisono, dass es noch nie sooooo tolles Segelwetter gegeben habe.

Auch das gewählte Quartier, sechs neue Häuser mit bis zu acht Personen Belegung, passte hervorragend in das Gesamtbild. Waren sie doch gut ausgestattet, großzügig geschnitten und kein bisschen abgenutzt. Einhellige Teilnehmermeinung: nächstes Jahr wieder hierher.

Die Stimmung war hervorragend, und außer zwei Motorpannen, die zunächst per Abschleppen der Boote durch Vereinskollegen geregelt wurden, gab es keine Negativmeldung. Bereits kurz nach der Ankunft am Freitag – Häuser bezogen, Lebensmittel verteilt, Ankunftsbier getrunken – waren laute Stimmen zu vernehmen: „Lasst uns jetzt die Boote ausprobieren!“ Gesagt, getan. Flugs war ein halbes Dutzend Boote mit SHM-Segelhungrigen unter geblähten Segeln unterwegs, um nach Herzenslust zu wenden, zu halsen, zu trimmen und zu kreuzen. Für einige galt es, auf der ersten diesjährigen Segeltour eingerostete Routinen zu reaktivieren.

Schnuckelige Örtchen garnierten den sportlichen Veranstaltungsteil. Mittagspausen in Balk und Elahuizen versüßten den runden Gesamteindruck nicht nur kulinarisch noch weiter. Ein Grillabend mit großer Auswahl an Festem und Flüssigem beschloss den Samstag, nachdem am Freitagabend mitgebrachte Gyros- und Spargelsuppen für gefüllte Mägen sorgten; die traditionelle Rudel-Gesangsrunde verbesserte die Stimmung weiter. Am Sonntagabend fuhren wir per Boot mit dreißig Mann (sagt man doch so!) nach Stavoren, um ins Ijsselmeer zu spucken und uns bei Schleusenblick von kompetentem Restaurantpersonal mit leckeren italienischen und niederländischen Gerichten und Getränken verwöhnen zu lassen. Am Montag ging es nach dem Frühstück – wieder auf der Terrasse – ans Klar-Schiff-machen und Packen und danach Richtung Heimat oder Folgeurlaub.

Und die Segelei? Sie konnte besser nicht sein: mit einem Reff waren wir gut bedient, ab und zu wurden auch zwei gesteckt. Zu viert auf Luv ausgeritten, wagten einzelne Boote den Segeltrip ganz ungerefft. Sportlich war’s, aber ungefährlich und für alle Manöver war trotz reichlichem Bootsverkehr, der zeitweise Autobahndichte erreichte, viel Platz und Zeit zum Üben. Auch die Vorfahrtsregeln konnten umfänglich erprobt werden.

Allen SHM-Neulingen sei gesagt, dass sich diese jährlich stattfindende Segelfreizeit ausgezeichnet für das Kennenlernen von Clubmitgliedern eignet, weil im Gegensatz zu anderen Touren in Häusern übernachtet wird. So kommt es oft vor, dass wir bei der individuellen Anfahrt mit anderen Seglern zusammen sind als in den Häusern und mit noch anderen auf den Booten. Gemeinsame Frühstücks- und Abendrunden beflügeln das ganze natürlich. Und: Trainings wie dieses sind nicht nur für erfahrene Segler*innen, sondern auch für Anfänger*innen hervorragend geeignet!

Dank an alle Teilnehmer und Organisatoren und hoffentlich auf ein Wiedersehen 2023.

Text: Hans-Christoph
Bilder: verschiedene Teilnehmer*innen

Rette sich wer kann 2022

Die Erprobung des Ernstfalls

Mensch über Bord?
Tampen in der Schraube?
Verlassen des Bootes und Einstieg in eine Rettungsinsel?
Bergung per Hubschrauber?

Diese Szenarien sind sicher für Skipper und Besatzungsmitglieder der größte anzunehmende Unfall. Wenn schlechtes Wetter, kaltes Wasser und Unfallstress hinzukommen, können auch besonnene Segler schnell die Nerven verlieren. Wie gut ist es dann, wenn man so etwas schon einmal geübt hat: z.B. im gut beheizten Aaseebad in Ibbenbüren, mit und ohne Wellen, ohne Zuschauer und in der Gewissheit, dass der rettende Beckenrand wenige Meter nah ist.

Auch hierzu gibt es im SHM regelmäßig eine Veranstaltung gleichnamigen Titels, die wieder gut besucht war. Im vorgeschalteten Themenabend haben die Teilnehmer beispielsweise gelernt, wie eine geöffnete Rettungsweste aussieht oder was in welcher Reihenfolge zu tun ist, wenn sich ein Tampen um die Schiffsschraube gewickelt hat.

Zwei Tage später trafen sich alle Teilnehmer um 8 Uhr am Wellenbad. Wir waren ausgestattet mit vollständiger Segelbekleidung, Automatikwesten, und Organisator Stephan hat Tampen, Rettungsgurte, eine Schiffsschraube an einer Stange und eine funktionsfähige Rettungsinsel mitgebracht.

Die Schwimmmeisterin ließ uns vor Beginn des Badebetriebes in’s Bad… Kurze Zeit später waren wir umgezogen und drei Übungsstationen im Wellen- und im Sprungbecken aufgebaut.

Nach der Vorbereitung wollte jede/r endlich wissen, wie es ist, wenn sich die Rettungsweste aufbläst und eine/n hoffentlich auf den Rücken dreht. Lerneffekt: nicht alle Westen blasen sich binnen fünf Sekunden auf, eine erst durch Ziehen am manuellen Auslöser und eine durch ein Missgeschick schon vorher. Schwimmübungen mit und ohne Wellen oder hineinander als „Raupe“ brachten weitere Erkenntnisse.

Dann ging es aus dem Wasser in die Rettungsinsel – gar nicht so einfach. Auch vom Beckenrand aus einem Meter Höhe als simuliertem Bootsrumpf gesprungen nicht viel einfacher. Und in der Insel: nass, extrem eng, alles durcheinander, schaukelig auch ohne Wellen.

Reihum ging es in Kleingruppen an die anderen Stationen mit dem Tampen in der Schiffsschraube (selbst im Schwimmbadwasser ohne Taucherbrille nicht zu machen) und einem am Sprungbrett montierten Flaschenzug mit Rettungsgurt zum simulierten Abbergen aus dem Wasser durch einen Hubschrauber (wir sind in voller, nasser Montur noch schwerer als üblich und die Gurte wollen so angelegt sein, dass es möglichst wenig Schmerzen gibt).

Um Viertel vor zehn hieß es: „Abbauen und anziehen!“. Eine Nachbesprechung bei einem Bäcker rundete das Erlebte nicht nur kulinarisch ab.

Ich glaube, alle waren sich einig: solche Situationen möchte man nicht im Ernstfall erleben, aber es ist gut, vorbereitet zu sein.

Hans-Christoph (hc)
Fotos: div. Teilnehmer*innen

Hafenmanöver-Flottillentraining 2022

Von Hosenträgern, Schokoladenseiten und Tellern

Die Mahlzeiten und die richtige Bekleidung spielen bei Flottillentörns und -trainings immer eine gewichtige Rolle. So auch vom 18. bis zum 20. März 2022 in Lemmer/NL. Aber dazu später mehr.

Vorbereitung

Nach der COVID-bedingten Unterbrechung im Vorjahr fanden sich wieder rund 25 Vereinsmitglieder mit sechs SHM-Skippern zum Training von Hafenmanövern ein.

Die perfekte Organisation durch Beate und die Skipper sowie obligatorische Themenabende zur Theorieauffrischung sollten die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg werden lassen. Unter 200 € pro Nase (inkl. Charter, Versicherung, Pkw-Spritkosten, Mahlzeiten, Organisation) und maximaler Lernerfolg versprachen ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Die Anreise erfolgte in Privatwagen bei strahlendem Sonnenschein, Wind (ENE, 4-5, in Böen 6), aber wenig frühlingshaften Temperaturen. Bis Sonntagmittag änderte sich am Wetter nichts grundsätzlich, bevor ein angekündigtes, aber überflüssiges Regenband durchzog und die letzten nimmersatten Besatzungen und alle Pkw-Belader einweichte.

Boote, Besatzungen und Bibbern

Die Boote wurden bei Enjoy Sailing gechartert. Es handelte sich um bestens ausgestattete 37er Bavarias, die wir in gutem Zustand vorfanden; es war ja auch der erste Einsatz der Boote in der beginnenden Saison.

Dank Bordheizungen und Heizlüftern wurden die Boote samt Besatzungen schnell warm; heißes Abendessen und das eine oder andere alkoholische Getränk führten flugs zu einer heimeligen Bordatmosphäre.

Nicht nur an Bord „meines“ Bootes Annika mit Ekkes als mit allen Wassern gewaschenem Skipper rückten die Alltagsgedanken, unterstützt durch bekannte Gesichter, großes Hallo und teils tiefgründige Gespräche über Gott und die Welt, schnell in den Hintergrund.

Nach einer kalten Nacht klingelten um 7 Uhr die Wecker. Fix aufgestanden, Katzenwäsche an Bord oder ausführlich in den Hafenanlagen, Heizlüfter für Wärme und Kondenswasserentsorgung an, Kaffee-/Teewasser aufgesetzt, üppiges Frühstück vorbereitet und eingenommen: die zwei Stunden bis zum Ablegen vergingen wie im Fluge. Schnell die mehrlagige, warme Kleidung samt Windschutz angezogen und die erste Manövervorsprechung konnte beginnen.

Üben, üben, üben

Die Annika lag quer zum Wind in einer Box, Heck zum Ufer. Ein Williger für den ersten Ableger fand sich schnell. Aber wie machen? Zig Möglichkeiten, ebenso viele Fettnäpfe, über 20 weitere übende Boote und fehlende Praxis… Nach einer halben Stunde überlegen ging es los – geschafft, wir waren raus und reihten uns zwischen den anderen Booten ein. Segel wurden aber nicht gesetzt.

Nun wurde fleißig geübt. „Essen“ und „Bekleidung“ kamen endlich auch ins Spiel, in Form von Manövern:

  • Drehen auf dem Teller
  • Rückwärts fahren
  • Gezieltes Aufstoppen
  • Längseits anlegen über Achterleine und Vorspring
  • Drehen an der luvwärtigen Achterleine
  • Boxentraining mit Rückwärts-Hosenträger bei Querwind und vorwärts mit eindampfen in die Achterleine
  • Ein- und ausparken in enge Boxen mit sehr engem Fahrwasser
  • Leinen werfen aus jeder Position
  • Fast alles mit und gegen den Wind bzw. mit Seitenwind
Einhand Anlegen mit EIndampfen in die Achterleine

Überhaupt Leinen: was alles bei der Leinenarbeit falsch gemacht werden kann, stellten wir bei fast jedem Manöver erneut fest. Die Meckerei „Unter der Reling durch!“ war nur eine von vielen…

Aus der Übungs-Gurkerei ergaben sich in den Routenaufzeichnungsprogrammen wunderschöne Wollknäuel. Apropos Wollknäuel: das Programm legte jede Besatzung natürlich selbst fest.

Für die vollständige Aufzeichnng auch zum Reinzoomen lohnt ein Klick auf das Bild

Wenig überraschend hörten die Rudergänger als Manöverchefs und die Besatzungen reichlich „Meckereien“ unserer Skipper: Wieder Ruder losgelassen. Mehr Gas, weniger Gas. Ruder rum. Nicht so… Nein, Leine anders. Bootshaken unklar. Leine schneller einholen. Und so weiter. Es stellte sich im Nachhinein die Frage, wer sich eigentlich von wem erholen müsse: wir vom Skipper oder anders herum?

Auch die Schokolade kam nicht zu kurz, nach dem Abendessen, aber vor allem während der Fahrt durch die Kanäle. Sahen wir doch vom Boot aus und anders als üblich die Schokoladenseiten der Häuser mit ihren Anlegern vor den Gärten und Panoramafenstern. Noch ein Satz zu LEMMER: die ersten OsterLÄMMER tobten völlig unbeeindruckt von uns neben den Kanälen im frischen Grün herum (Määh).

Sowohl die weniger Erfahrenen als auch die Routiniers unter uns lernten extrem viel in kurzer Zeit. Wir waren uns einig: Übung lässt ich nur durch Übung ersetzen, und daraus erwächst die nötige Erfahrung.

Fazit

Hut ab vor den Organisatoren! Der Autor hat bei der Vorbereitung der Backschaft mitbekommen, wie viel Zeit allein diese Teilaufgabe verschlang. Für wenig Geld haben wir viel gelernt bzw. aufgefrischt, ohne Standardprogrammabwicklung. Tolle Leute an Bord, klasse Stimmung, gutes Wetter. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell und Gott sei Dank gab es bis auf kleine Rempler keine Unfälle.

Das Hafenmanövertraining ist ein heißer Tipp für jeden aktiven SHM-Hanseaten! Wir sehen uns, spätestens beim nächsten Hafenmanövertrainung…

Text: Hans-Christoph T. (hc)
Fotos: div. Teilnehmer

Sweden meets Greece, oder: Höhepunkt eines Flottillentörns 2021

Vorab: alle Teilnehmer hatten eine oder zwei tolle Wochen in Griechenland und einige sind noch eine weitere Woche zwischen den Sporaden-Inseln unterwegs (https://www.segelclub-hansa.de/#post-9337). Wind gab es reichlich, besonders in der zweiten Woche aber auch Regen und niedrige Temperaturen. Die Stimmung auf den drei Booten war dennoch hervorragend und für den Autor war es die beste Segelwoche: ich sage nur: 9,1 kn mit einem Dickschiff. Gestern sind wir wohlbehalten in Münster und Umgebung angekommen; den Seglern der dritten Woche wünschen wir Mast- und Schotbruch sowie eine sichere Heimreise.

Der Höhepunkt: Denkwürdige Ereignisse versüßten der Besatzung der „Nimertis“, einer 44-Fuß-Yacht, im Oktober anlässlich des Mittelmeer-Flottillentörns die ohnehin ungewöhnlich abwechselungsreise Reise. Aber ganz von vorn:

Bereits Wochen vor der Reise munkelten das halbe Worldwide-Web und die „Tagesthemen“, die besonders der Ü-50-Generation gut bekannte schwedische Popgruppe ABBA suche ihre damaligen Mitglieder für die Neuaufnahme eines Albums.

Völlig unerwartet traf unsere Crew die weiblichen ABBA-Popdiven Anni-Frid und Agnetha auf der verzweifelten Suche nach ihren männlichen Pendants. Ihre rat- und rastlosen Gesichter sprachen Bände, als sie durch die Straßen von Skíathos irrten. Ist DAS Björn oder DER da Benny oder doch nur wieder irgendein Passant?

Agnetha und Anni-Frid auf der Suche nach Benny und Björn

Nach längerer Recherche schienen die ABBA-Sängerinnen aber erfolgreich gewesen zu sein. Denn nicht lange vor der Einfahrt in den Hafen von Skópelos auf der gleichnamigen Insel wurde an Steuerbord DIE Kirche gesichtet, welche in dem ABBA-Film und -Musical „Mamma Mia“ eine gewisse Rolle spielte (https://reisemagazin.itravel.de/aus-aller-welt/reiseziele-attraktionen/die-mamma-mia-drehorte-in-griechenland-auf-den-spuren-des-kultfilms/). Passend zu der Passage der sog. Mamma-Mia-Kirche (39° 10,489′ N, 23° 39,089′ E) tauchte an Bord der „Nimertis“ ein bis dato unveröffentlichtes Video des neu vertonten Songs „Dancing Queen“ auf. Interessanterweise war auch die besagte Kirche auf den Aufnahmen im Hintergrund zu sehen.

Das neue vor Skópelos gedrehte Video des ABBA-Songs „Dancing Queen“

Nach Momenten der Verwunderung über diesen Zufall verfielen alle Crew-Mitglieder (das jüngste hat gerade einmal zarte 51 Lebensjahre absolviert) in einen kollektiven ABBA-Rausch. Nur wenig später wurde das unautorisiert aufgenommene Bildermaterial auch anderswo im Netz gesichtet.

Wenige Stunden nach der rasanten Verbreitung des Videostreams sichtete unsere Crew die nun völlig entspannten ABBA-Frauen Anni-Frid und Agnetha nach ihrem denkwürdigen Gig erneut, dieses Mal in der Hafenstadt Skópelos. Bereitwillig ließen sie sich ablichten, vermutlich um der Neuaufnahme zu einer schnellen Verbreitung zu verhelfen. Sie hatten offensichtlich gefunden, wonach sie suchten.

Agnetha und Anni-Frid auf Skópelos nach endlich erfolgreicher Suche

Hans-Christoph (hc)