Auf dem Weg zum 2. Bundesliga Event in Starnberg

Starnberg, 1. bis 3. Mai 2026
Neue Rolle, neue Abläufe und eine wahnsinnige Lernkurve in erstaunlich kurzer Zeit

Es ist Anfang Mai, meine erste Bundesliga-Regatta, direkt als Steuerfrau, liegt hinter mir. Damit einher ging auch ein ziemlich deutlicher Rollenwechsel vom Pirat zur Kommandozentrale als Steuermann in der J/70. Ich bin neu ins Team gekommen, weil genau diese Position dringend gesucht wurde. Klingt erstmal nach „Setz dich hin und fahr los, kannst ja steuern.“, fühlte sich dann aber doch deutlich anders an als auf dem Pirat, auf dem ich sonst sowohl Steuer als auch Schotte [die Begriffe Steuer und Schotte sind bei den Piraten üblich; mit „Schotte“ ist der/die Vorschoter/in gemeint; Anm. der Redaktion] und mit meinen Segelpartnern jeweils ziemlich blind eingespielt bin.

Denn: Nicht nur die J/70 bewegt sich anders als der Pirat, auch das ganze Drumherum funktioniert komplett neu. Statt zwei Leuten, die sich wortlos verstehen und nur noch Taktik bereden, hat man plötzlich ein ganzes Team mit klar verteilten Rollen, die koordiniert werden wollen. Kommunikation ist absolute Voraussetzung dafür, dass überhaupt irgendwas halbwegs gleichzeitig passiert. Besonders gewöhnungsbedürftig: das Runterzählen vor einer Wende. Fühlt sich erstmal leicht albern an – ist aber leider auch ziemlich notwendig.

Entsprechend habe ich seit Anfang Februar viele Trainings mitgenommen, um genau das reinzubekommen. Rückblickend definitiv eine gute Entscheidung, denn so langsam fluppt es meist ganz ordentlich, vor allem im Kontrast zum Beginn der Saison.

Am ersten Mai-Wochenende stand dann das erste Bundesliga-Event am Starnberger See an. Unser Team: Crispin als Taktiker, Luka als Trimmer, Susann auf dem Vorschiff und ich am Steuer. Die ersten beiden Rennen verfolgten wir noch entspannt vom Land und vom Motorboot aus – eine Mischung aus Zuschauen, Lernen und sich selbst ein bisschen (mehr) nervös machen.

Beim dritten Rennen waren wir dann dran. Unser Boot wurde allerdings noch repariert, sodass das 3-Minuten-Ankündigungssignal fiel, während wir noch auf dem Motorboot standen. Also mit Affenzahn rüber zur Linie, irgendwie alles gleichzeitig machen und trotzdem im Kopf halbwegs sortiert bleiben. Überraschenderweise klappte der Start dann sogar ziemlich ordentlich. Die Probleme kamen danach.

Da wir seit vier Wochen keine einzige Wende mehr gefahren waren, würde es eher ein Trainingsrennen unter Wettfahrtbedingungen werden. Die Wenden holprig, das Teamgewicht eher so „kreativ verteilt“, die Pinne nicht immer so entschlossen in die Wende gedrückt, wie sie es gebraucht hätte. Und trotzdem schafften wir es, an der Luvtonne noch in einer ganz guten Position anzukommen. Welche? Keine Ahnung, Hauptsache die Windbändsel wehen vernünftig.

„2, 1, Set“, abfallen Richtung Lee-Gate, genug Druck im Gennaker, lief!

Bis zur ersten Aktion, die uns dann ein paar Plätze kostete: Schmetterling, Gennaker runter und gleichzeitig Tonne runden. Alles auf einmal, alles ein bisschen anders als im Training durchgespielt. Ergebnis: Gennaker noch halb (oder ganz?) oben, während ich eigentlich schon anluven musste. Also kurzer Schlenker auf Halbwind, Chaos sortieren und die gute Platzierung war dahin.

Im nächsten Lauf wurde dann klar, dass nicht nur die Manöver das Thema waren. Das eigentliche Grundproblem war ganz klassisch die Kommunikation. Die Stimmung war zwar durchweg gut, aber gerade zwischen Crispin und mir lief der Austausch noch nicht so rund, wie er zwischen Taktik und Steuer laufen sollte. Wer sagt wann was, was meinst du mit Ja, warum reden wir nicht so über unseren Plan, wie ich das gewohnt bin.

Zum Glück gab es danach eine Landpause, die wir genau dafür genutzt haben: Probleme ansprechen, diskutieren, Lösungen finden. Alles konstruktiv und mit viel Motivation. Find ich gut, denn nur so fühl ich mich wohl.

Die Mühe wurde mit Erfolg belohnt. Der nächste Lauf endete mit einem 5. Platz – deutlich stabiler. Direkt danach ein 2. Platz, und plötzlich fühlten sich nicht nur das Steuern angenehmer an, sondern auch die Abläufe im Team. Kommunikation funktionierte, Entscheidungen kamen rechtzeitig, und insgesamt hatte man zum ersten Mal das Gefühl, mit einem Plan unterwegs zu sein.

Noch ein solider 4. Platz folgte, bevor sich langsam bemerkbar machte, dass alle inzwischen einige Stunden auf dem Wasser waren. Die Konzentration ließ nach, Fehler schlichen sich wieder ein, und so kam am Ende noch ein 6. Platz dazu, der uns in der Tabelle gleich wieder ein paar Positionen nach hinten warf. Etwas ärgerlich, vor allem, weil wir erst danach erfuhren, dass das bereits der letzte Lauf des Tages gewesen war. Aber nach rund acht Stunden auf dem Wasser auch irgendwie nachvollziehbar.

Der nächste Tag begann dann deutlich ruhiger mit viel Flaute. Statt Rennen gab es Tischtennis-Rundlauf mit den anderen Teams, Kicker und Eis. Am Abend wurde nochmal in Ruhe über die erkannten Probleme gesprochen, die Abläufe durchgegangen und mit der Erwartung auf segelbaren Leichtwind am Sonntag ging es motiviert früh ins Bett.

Sonntag um 9 Uhr standen wir bereit. Der Wind leider nicht. Schade. Damit blieb uns leider nichts anderes übrig, als die gesammelten Erfahrungen vom ersten Tag erstmal nur im Kopf mitzunehmen, statt sie direkt weiter auf dem Wasser umzusetzen. Ein bisschen schade, weil sich alles deutlich besser angefühlt hatte und vermutlich noch mehr drin gewesen wäre.

So bleibt am Ende ein Saisonstart mit steiler Lernkurve, ersten echten Erfolgsmomenten und dem Gefühl, dass da noch einiges geht. Auf dem Papier sieht man das dann hoffentlich beim nächsten gesegelten Event.

Text: Melina T.
Alle Bilder: © DSBL / SailTracks