Vorfreude

Münster, 17. August 2025

Noch sechs Tage, dann startet der nächste von mehreren Dickschifftörns, die ich dieses Jahr machen möchte. Das Manövertraining im März ist schon Geschichte, so lange ist es her. Im Sommer war ich in den Bergen mit der Familie. Das war eine schöne, ganz anders geartete Zeit der Abwechselung und Erholung.

Auch ein dieses Jahr für mich seltenes Aasee-Segeln auf einer der Jollen hat für etwas Segelfeeling gesorgt. Aber Vorfreude auf Größeres? Fehlanzeige.

Überhaupt: Vorfreude? Oder eher Vorgeschmack? Kommt so oder so gerade eher auf leisen Pfoten daher. Oder ist es noch eine andere Empfindung?

Ein Blick in den Kalender offenbart:

  • Vorvorletzte Woche: Vorbesprechung der Crew für den als erstes terminierten Ostseetörn. Wer möchte den Co-Skipper machen? „Gern“ hörte ich mich sagen. Die anderen drei Mitsegler schienen einverstanden und waren erkennbar froh, dass sich jemand anderes gemeldet hatte. Die Skipperin signalisierte Zustimmung. Damit einher gingen Absprachen über den Einkauf für die Verpflegung an Bord, Abstimmung über Checklisten, Sicherheitseinweisung und anderes, Packlisten usw. Die Sache fing an, konkreter zu werden.
  • Vorletzte Woche: Treffen mit meinem Freund. Mit ihm werde ich den übernächsten Törn machen. Die Törn-Vorbereitung ist fast abgeschlossen, für die Feinplanung war es noch viel zu früh…
  • Diese Woche: Crewtreffen Mittelmeertörn, war mehr ein Kennen-lernen, aber sehr nett
  • Morgen: „Workshop Leinenarbeit“. Da muss ich hin zur Auffrischung, zum Training – für höhere Trefferquoten. Den letzten Workshop vor einem Monat habe ich geschwänzt; es war sooo heiß, der innere Schweinehund sooo groß und die Notwendigkeit sooo weit in der Zukunft …
  • Nächsten Donnerstag: Vorbesprechung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Mittelmeertörn Ende September
  • Nächsten Freitagmorgen: Abfahrt Richtung Flensburg für den Ostseetörn
  • In knapp drei Wochen: konkrete Planung des IJsselmeer-/Waddenzee-Törns mit meinem Freund. Plan A, Plan B, Wetter- und Gezeigencheck. Einkaufsliste, Packliste usw. Kurz darauf: Einkaufen, tags drauf losfahren nach Stavoren.

Und zwischendurch? Überlegungen, ob ich mich als Co-Skipper-Interessent melden soll, falls überhaupt einer benötigt wird. Packliste aktualisieren und ausdrucken. Kenne ich alle Treffpunkte für An- und Abfahrt? Noch mal überlegen, was ich letztes Jahr so alles auf dem SKS-Trainingstörn aufgesogen hatte. Wie wohl das Wetter wird? Wer wohl mit mir an Bord sein wird und wie viele überhaupt?

Insbesondere der Mittelmeertörn macht mir Sorgen: Viel zu warmes Wasser birgt riesiges Unwetterpotenzial. Von dem ökologischen Unsinn einer solch kurzen Reise ganz zu schweigen. Naja, dieses Jahr ist alles gebucht, aber 2026 werde ich mir das mal gründlich überlegen…

Eigentlich müsste ich mir ja kaum Gedanken machen. Eineinhalb Dutzend Törns habe ich mitgemacht in den letzten Jahren. Das erscheint mir, bei allem Respekt, einigermaßen viel zu sein. Da habe ich schon vieles erlebt, fast nur Gutes. Und das weniger Gute war ungefährlich, erträglich bzw. vom jeweiligen Skipper souverän bewältigt. Trotzdem.

Mir fällt dazu etwas aus Goethes „Der Fischer“ ein: „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“. Ich glaube, der Vers beschreibt recht gut, wie es in mir und vielleicht auch in anderen Dickschifftörn-Seglerinnen und -Seglern aussieht, wenn der Startzeitpunkt langsam näher kommt. Ach so, packen muss ich ja auch noch. Bloß nicht zu viel, das ewige Kunststück.

Hans-Christoph T.