Zurück aus der Karibik 2016

Nach langer Vorbereitungszeit machten sich zwei Wochen vor Ostern 23 Hanseaten auf den Weg in die Karibik, genauer zu den Windward Islands. Mit Zwischenlandung in Paris ging es im Direktflug nach Martinique, wo drei Lagoon 450 für uns bereitlagen.
Tobago Cays Mit etwas Verzögerung ging es bereits am nächsten Tag mit 8-9 Knoten Fahrt nach St. Lucia südlich von Martinique, später dann über St. Vincent in das Archipel der Grenadinen mit dem Highlight der Tabogo Cays.
Dauerhaft gutes Wetter mit Temperaturen um die 27 Grad, entsprechenden Wassertemperaturen und warmen Wind aus Osten, sorgten bei den Segler/innen für pure Urlaubsstimmung. Ausführlichere Bildberichte
:


SHM – Karibik – 2016

Am Anfang ist der Traum: Flottillensegeln mit „seinen“ Hanseaten in der Karibik. Mit dem Katamaran. „Träumer“ Klaus M. überzeugt, begeistert, organisiert. Drei Kats 45 Fuß werden gechartert für je acht Crewmitglieder.
Am 12. 3. starten 23 Segelfreunde über DUS / Paris Charles de Gaulle / Paris Orly nach Martinique. Unser Ideengeber Klaus fährt derweil ins Krankenhaus, eine Herzoperation lässt all seine Träume zerplatzen. Wir fühlen mit ihm und denken während des Törns oft an ihn.
Martinique, die französische Karibikinsel, bietet einen großen Vorteil: Einkäufe werden in Euro beglichen und das Angeibot ist umfassen!
St. AnneDen Nachteil merken wir am eigentlichen Beginn des Törns (den 2. Tag verbringen wir zwecks Test des Materials in der Nähe der Marina Le Marin): Es ist viel weites Wasser zwischen Martinique und unserem nächsten Ziel, St. Lucia. Das bedeutet viel Segelzeit.
Festmacher CocktailEine eigenständige Verwaltung, Zoll, Einwanderungs­gesetze werden unseren Skipper Christopher nun ständig begleiten beim obligatorischen Ein- und Ausklarieren. Zum Glück konnten sich die folgenden Inseln der Grenadinen wenigstens auf eine gemeinsame Währung, den „East Caribbean Dollar“ kurz XCD einigen. Wie üblich müssen wir die bürokratischen Vorgaben üppig bezahlen.
DelphinDen Vorteil des langen Schlags über den Canale St Lucia: eine Gruppe von Delfinen begleitet uns eine Weile, tanzt um uns, spielt mit uns, schwimmt zwischen den beiden Rümpfen. Wir können unser Glück kaum fassen.
OupsEin Wort zu unserer alten Lady OUPS (unser Cat heißt wirklich so, der Name steht sogar jetzt in unseren Pässen). Es ist ein recht abgetakeltes Schiff -obwohl „abgetakelt“ in der Segelei ja etwas anders bedeutet.
Am MastDas Groß mit dem Lazy-Bag beult vor sich hin, die Genua hat Falten wie Omma. Und erst das gesamte Tauwerk: vom vielen Führen durch die Klemmen und nicht mehr rollenden Blöcken zersplissen und zerbröselt. Schlagen & TakelnDas lange Festmachertau ist aufgedröselt.
Ekkes schlägt es neu und takelt es dann gekonnt zu einem wieder festen Ende.
Das Innere hat auch schon bessere Tage gesehen. Die beiden Kühlschränke und die Kältebox in der Pantry sind oft überfordert (irgendwas mit der Batterie), die Feststell – Klemmen für den Herd sind kaputt, in den Bädern zeigt sich Schimmel – aber segeln kann der Cat, wenn das auch nach Meinung unserer Profis nicht mit einem Dickschiff vergleichbar ist.
In Rodney Bay, unserer ersten Bucht auf St. Lucia wird am nächsten Morgen erst mal Geld gewechselt, bevor es an der grünen Karibikküste, bei angenehmen Winden, vorbei an schönen Buchten und den berühmten „Pitons“, zum alten Industriehafen Vieux Fort am Südzipfel der Insel geht.
Pitons
In den nächsten Tagen können wir das Segeln der unterschiedlich langen Strecken in verschiedene Kategorien einordnen: ruhige Schläge, heftiges Stampfen, Schlingern, Berg- und Talfahrten, heftige Wasserböen bis in die Pantry, dumpfe Schläge von unten beanspruchen Kreislauf und Gleichgewichtssinn unserer Crew ganz unterschiedlich. Gastlandsflsagge un Q
Spannend wird es immer beim „Landen“:
Mooring

Fasst der Anker? Sitzt der Hahnepot? Sind die Anweisungen der Helfer beim Mooring verständlich?
Zum Glück sind viele helfende (auch junge) Hände – ebenfalls für andere seglerische Tätigkeiten – an Bord.
Jede unabhängige Insel hat eine eigene Hoheitsflagge. Wer über die Grenze segelt, muss Flagge zeigen. Also regelmäßig Gastlandsflaggenwechsel. Bei heftigem Wind und / oder den obligatorischen Regengüssen verlangt das von unseren Skippern oft viel ab.
Über Stopps in St Vincent (Chateaubelair), Bequia (Port Elizabeth mit der Admirality Bay), ist endlich der Sehnsuchtsort aller Karibiksegler erreicht:Strand bei den Tobago Cays die Tobago Cays am Horseshoes Reef. Schildkröten tummeln sich im türkisfarbenen Wasser, laden zum Schnorchelbesuch ein. Leider müssen wir bald an den Rückweg denken. RumpunschMan weiß ja nie, welche Wind- und Wetterverhältnisse noch vorherrschen werden.
In der „Blue Lagoon“ auf St. Vincent sitzt noch ein Landgang drin: Besuch von Kingstown (für die einen) und Fahrt zu einem privaten Botanischen Garten im Landesinneren, durch fruchtbares Ackerland und an tropischen Bäumen vorbei (für die anderen). Wieder in der Chateaubelairbucht werden wir fast wie alte Bekannte begrüßt.
Marigot BaySoufriere, das Städtchen an den beiden Pitons von St. Lucia vermittelt noch einmal ein wenig „städtisches“ Karibikflair, muss aber auf einen Abendbesuch von uns verzichten. Selbst kochen ist angesagt, die Vorräte müssen langsam weg.
An den letzten Tagen bestimmen Sicherheitsüberlegungen unsere Streckenplanung. Wo kann man ein- / ausklarieren, schaffen wir (alle 3 Boote!) bis zu der und der Zeit die Ankerbucht… Schade, so können wir die berühmte „Dr. Doolittle“ – Marigot Bay nur mit einem Sightseeing Schlenker besuchen.
Flybridge Viele Eindrücke werden noch lange im Gedächtnis bleiben.
Die uns begleitenden Tiere (fliegende Fische, mehrfach Delfine, Fregattvögel und andere elegante Flieger, Schildkröten zu Wasser und zu Land, Warane, Krebse, Rochen und und und….
SunblockerZum Glück konnten Antibrumm, Nobite, Moskitonetz und Co im Schrank bleiben, auch der Killerbaum ließ uns in Ruhe. Nur der Sonnenmilchverbrauch schwoll in gewaltige Höhe… Wir konnten unser aller Traum leben – auch für den Organisator mit. (Was ihm ein schwacher Trost sein dürfte.)
WartenOstermontag: Nach einem typischen – Regen und Sonne im Wechsel – Tag auf der Oups (danke, liebe Vercharterer, dass wir nach der Abnahme noch bis zum Bustransfer an Bord bleiben dürfen) treten wir die entspannten Rückflüge nach DUS an.
Währenddessen fährt Klaus nach der OP zur Reha. (Brigitte)

Aufgezeichneter Track


Katamaran – SHM – Karibik – 2016

Der SHM ist bekannt dafür, dass er Dickschiff-Training in der Flottille seit vielen Jahren anbietet. Bislang waren dafür die Ostsee und das Mittelmeer die Standardreviere. 2015 wurde eine Idee aufgegriffen, die schon länger in einigen Köpfen schlummerte, aber bislang nicht ernsthaft durchdacht worden war. Unterm KatWie wäre es mit einem Training der besonderen Art an einem besonderen Ort? Zum Beispiel Katamaran statt Einrumpf und wenn schon, dann bitte doch im entsprechenden Revier, der Karibik.
Nach vielen Pros und Kontras ging es an die Vorbereitung wobei ein besonderer Punkt die Qualifizierung der potentiellen Skipper und Co-Skipper war, bislang hatte noch niemand aus dem Kreis einen Katamaran gesteuert. So fand vom 19. bis 21.06.2015 ein Katamarantraining auf der Ostsee statt, an dem sieben Hanseaten teilnahmen. Sechs davon kamen in der Karibik auf drei gecharterten Katamaranen zum Einsatz. Commodore Klaus, der Dickschiff-Obmann und Chef-Organisator musste sich leider in der Zeit einer nicht aufschiebbaren Operation unterziehen.

Samstag, 12.03.2016

Früh um 5:00 Uhr ging es vom Hansa Hafen am oberen Teil des Aasees mit dem Bus los nach Düsseldorf. Orley Der erste Flug brachte uns nach Paris, zum Flughafen Charles de Gaulle, der am Nordrand der Metropole liegt. Der zweite Flug, nach Martinique, startete leider vom anderen Pariser Großflughafen, von Orly im Süden der Stadt. Für Air France Flieger gibt es einen kostenlosen Transit per Bus, aber einen Schalter zu finden, der die Buskarten ausstellte, war nicht so einfach. Zumal wir unser gesamtes Gepäck ebenfalls mitnehmen mussten. Es hat geklappt, aber es verging viel Zeit von den fast fünf Stunden, die zwischen den Flügen lagen. Erneutes Einchecken und dann, mit 30 Minuten Verspätung, der Start Richtung Karibik, Windward-Islands, Martinique, eine zu Frankreich gehörende Insel, auf der die drei gecharterten Katamarane auf uns warteten. Einschließlich des Zeitversatzes von 5 Stunden kamen wir gegen 20:00 h dort an und konnten gegen 22:00 h die Lagoon 450 Segelkatamarane in der Marina von Le Marin entern. Zum Teil war der vorbestellte Proviant bereits an Bord, zum Teil wurde sich beim Nachbarn für den ersten Abend etwas ausgeliehen.

Sonntag, 13.03.2016

Nach der langen Sitzerei im Flieger am Vortag war jetzt Betriebsamkeit angesagt. Die Kats wurden richtig in Augenschein genommen, die Übergabe vorbereitet, die Vorräte vervollständigt und die Skipper mussten offiziell ausklarieren, da die Route südwärts uns zu eigenständigen Inseln führte, die nicht mehr zu Europa gehören. Und die auch nicht mehr den Euro als Zahlungsmittel annahmen, sondern die ihre Waren und Dienstleistungen in US-Dollar oder der Landeswährung, dem East-Caribbean-Dollar, bezahlt haben wollten.
Regenbogen
Für die Kassenwarte war das eine ganz andere Situation als auf dem Mittelmeer vor der griechischen oder der italienischen oder der spanischen Küste. Nach der offiziellen Übergabe ging es für die ANGELA und die OUPS auf den ersten kleinen Schlag zum Antesten der Kats, die PARZIFAL konnte wegen technischer Defekte noch nicht auslaufen.
OnnenuntergangEs gelang am ersten Tag nicht, die Segel einmal voll zu setzen, da die noch gesteckten Reffs sich weigerten, das Groß vernünftig freizugeben. Die Single-Line Reffeinrichtung lief nicht überall über Rollen sondern an manchen Stellen einfach durch Ösen, was einen erhöhten Reibungswiderstand zur Folge hatte. Wir ankerten in der Bucht von Santa Anna, einem beliebten Badestrand etwa vier bis fünf Meilen von der Marina entfernt. Dort wurden die Reffleinen ordentlich gefiert und auch andere kleine, bereits entdeckten Spitzfindigkeiten aufgeklart.

Montag, 14.03.2016
Vollzeug
Der erste längere Schlag stand an. Thomas hatte über Funk mitgeteilt, die Technik sei jetzt in Ordnung und er käme bei uns vorbei – so konnten alle drei Kats den St. Lucia Channel unter die Rümpfe nehmen. Der Passat war mit 4 bis 5 Bft aus Ost vorhergesagt, aber an den Kapps der Inseln mussten wir mit deutlich stärkeren Böen rechnen. Wir steckten deshalb – in dem jetzt gut laufenden Groß – das erste Reff, die Fock wurde zu 100% ausgepackt und ab ging die Post.Ankern - Flagge Q
Für das Reffen gibt es Tabellen, bei welchen Windstärken welche Reffs im Groß und / oder in der Fock gesteckt werden müssen. Der Rudergänger hat wegen der fehlenden Krängung und der hydraulischen Kraftübertragung nicht den unmittelbaren Kontakt zu den Steuerrudern und ist deshalb auf diese Refftabellen angewiesen.
Mit halbem Wind, manchmal auch raumschots, ging es rüber nach St. Lucia in die Rodney Bay, die wir als nächsten Ankerplatz ausgesucht hatten. Dabei wurden schon mal deutlich mehr als 8 Knoten an der Logge festgestellt, die Kats sind offensichtlich etwas schneller als die gewohnten Dickschiffe.
Boatboy 2Nach dem Anker­manöver – das Stecken des vorbereiteten Hahnepot war kein Problem – war wieder der Skipper dran. Die gelbe Flagge „Q“ hing unter der Länder­flagge, das offizielle Zeichen dafür, dass wir noch nicht einklariert waren. Also auf zu Customs und Immigration, langwieriges Ausfüllen von Formularen mit Daten des Kat und der Crew, bezahlen für diesen Verwaltungsakt und dann? Ein Platz im Büro war verweist, der gute Mann nicht da, also: “ … kommen Sie morgen früh wieder her.“
Boatboy 1Wir haben dennoch die gelbe Flagge eingeholt, fühlten uns einklariert, aber meine Crew hatte keine Lust auf einen Landgang. Dafür wurde, wie fast an jedem Tag, in dem klaren, etwa 25° warmen Wasser des karibischen Meeres ausgiebig gebadet. Außerdem hatten wir hier den ersten Kontakt zu den sogenannten Boat-People, Einheimischen, die mit ihren kleinen Holzbooten an die Yachten fahren und allerlei Obst, Gemüse und Dienstleistungen anbieten. Dabei hinterlassen sie in der Regel Farbspuren an den Rümpfen der angefahrenen Dickschiffe.

Dienstag, 15.03.2016
Nach dem erneuten Besuch des Immigration Büros hatten wir offiziell ein- und zugleich auch ausklariert. Innerhalb von 72 Stunden mussten wir die Insel wieder verlassen, aber das war so vorgesehen. Bei den Ankermanövern unter Maschine stellten wir fest, dass bei Rückwärtsfahrt das Steuerruder stramm festgehalten werden musste, es rappelte extrem. Rausche FahrtEin Blick unter die Rümpfe klärte uns auf: der Propeller lag hinter dem Ruderblatt und nicht davor, wieder waren wir schlauer geworden.
Die Vorhersage lag bei 3 bis 4 Bft aus Ost, der Kurs zum Ort Vieux Fort an der Südspitze verlief weitgehend unter Landabdeckung; wir fuhren unter Segeln das erste Mal mit vollem Tuch, Groß und Fock waren zu 100% gesetzt. Es frischte auf, kurzzeitig wurden 10 Knoten Fahrt angezeigt und ein Blick auf den Windmesser sagte: Reffen! Im Groß war das 1. und das 2. Reff als Single-Line definiert, in der Fock markierten 3 eingefärbte Punkte das 1., 2. und 3. Reff. Ein drittes Reff im Groß musste, falls erforderlich, von Hand eingebunden werden. Die Windrichtung änderte sich, der Kurs ebenfalls, und so mussten wir ein paar Schläge kreuzen. Die Erkenntnis, dass der Wendewinkel unserer Kats bei etwa 160 Grad lag, trug nicht zur Erheiterung bei sondern eher zu der Erkenntnis, dass hin und wieder die Maschine mitlaufen musste, um noch bei Tageslicht den Anker werfen zu können.
Sandy BeachWir gingen an Land (das heißt natürlich wir fuhren mit dem Dinghy an Land), kauften fangfrischen Fisch und aßen in einem Lokal direkt am auf der Ostseite der insel gelegenen Strand, zu dem uns eine etwas abenteuerliche Taxifahrt gebracht hatte. Federung, Beleuchtung, Platzangebot waren der eine Teil der Medaille, Wegebeschaffenheit, tiefe Kanalgräben und Linksverkehr der andere Teil.

Mittwoch, 16.03.2016

Heute morgen ließ uns ein Blick auf die Elektrik nachdenklich werden. Die Ankündigung des Vercharterers, das Sonnenpaneel brächte so viel Energie, dass die Batterien einen eingeschalteten Kühlschrank über Nacht halten könnten, erwies sich als nicht korrekt. Die Spannung lag morgens bei etwa 10 Volt, obwohl uns abends ein Ladezustand von 100% angezeigt worden war. Für einen Hafentag vor Mooring oder Anker hieß das, die Maschine musste ein bis zwei Stunden im Leerlauf dafür sorgen, dass die Batterien nicht völlig schlapp machten.
Julian - Wassertaxi zu Custooms und ImmigrationWir bereiteten uns bei einer Vorhersage von 3 bis 4 Bft aus Ost vor für den Schlag über den St. Vincent Channel, Generalkurs 220°, volles Tuch, Ziel: die Bucht von Chateaubelair, vor 10 Jahren noch eine Drogenhochburg, heute sollte sie sicher sein. In der Nähe des nördlichen Kapps von St. Vincent mussten doch wieder beide Segel gerefft werden, unter der folgenden Landabdeckung war dann praktisch gar kein Wind mehr und wir sind die letzte Stunde unter Motor gefahren.
Ein offizieller Wasser-Taxi Fahrer „Julian“ mit Lichtbildausweis wies uns einen Ankerplatz zu und brachte die Skipper auch zum Einklarieren an Land, während die unvermeidlichen Boat-People wieder ihre Dienste und Waren anboten. Einklariert In dieser Bucht fiel uns zum ersten Mal auf, wie weit doch die Fotos in diversen Führern von der Realität mit krassen sozialen Gegensätzen, viel Not und Elend auf den Straßen und wohl auch in manchen Wellblechhütten, voneinander abwichen. Daran konnte auch die lautstarke Musik, die bis etwa 03:00 Uhr andauerte, nichts ändern. Leider war die Musik – auch in der noch kommenden Zeit – sehr stark verwestlicht und hatte wenig mit Merenge oder Steel-Bands zu tun.

Donnerstag, 17.03.2016
Die Vorhersage von 4 bis 5 Bft, in Böen deutlich darüber, ließ uns mit Blick auf die Refftabelle von Anfang an das 2. Reff ins Groß und das 1. Reff in die Fock stecken.Success Es ging auf die nördlichste Insel der Grenadines, Bequia, in die Admiralty Bay nach Port Elizabeth. Dort erwartete uns bestes Wetter und wir konnten einen Schaden am Großsegel ausmachen, der am Tag zuvor noch unklar war. Ein Stahlbolzen, der als Main-Sail-Batten-Holder das Groß mit den Mastrutschern verbindet, war gebrochen und hatte für ein unsauberes Vorliek im obersten Teil des Segels gesorgt. Diesen Schaden konnten wir mit Bordmitteln nicht beheben. Wasserknappheit: der erste von zwei Tanks mit angesagten jeweils 450 Litern war leer! Beim Abendessen an Land vermischten wir uns mit der Crew der PARZIFAL und tauschten unsere bisherigen Erfahrungen und Eindrücke aus. Der nächste Tag sollte unser erster Hafentag werden.

Freitag, 18.03.2016
Wasser bunkern
Es gab einiges zu tun: Gunda feierte ihren Fünfzigsten, ein Landspaziergang war angesagt, bedeutend angenehmer als in Chateaubelair, Wasser musste gebunkert und das Groß sollte repariert werden. Und dann gab es ja noch den Tank für den Außenborder am Dinghy, der auch immer leerer wurde. Bequia MRKT Eine ungewöhnliche Einrichtung in Port Elizabeth, eine Art Versorgungsschiff, löste das Wasserproblem. Ein abgesägter Kat mit einem großen Wasser- und einem noch größeren Dieseltank kam nach Anruf längsseits und füllte die Wassertanks wieder auf, 0,65 EC$ pro Gallone. Ein Anruf beim Vercharterer führte dazu, dass ein ortsansässiger Monteur zu uns kam, das defekte Teil mitnahm und rund vier Stunden später mit einem neuen, passenden Teil wieder auftauchte und es montierte, Klasse. 200 EC$ wechselten den Besitzer; das Geld bekamen wir am Ende vom Vercharterer erstattet, allerdings zu einem Kurs, der etwa der Hälfte des offiziellen Kurses entsprach. Zwischendurch musste trotz Solarpaneels der Motor für die Elektrik laufen, unangenehm, aber wir waren bei weitem nicht die Einzigen! Sprit für den Außenborder mussten wir allerdings an der Autotankstelle im Ort holen, den hatte der Versorger nicht zu bieten. Gundas Geburtstags Abendessen an Land war ganz große Klasse!

Samstag, 19.03.2016
Tobago Cays
Die Tobago Cays, die Lagune oder das Riff in den Grenadines schlechthin, das Paradies der Karibik wie die Einheimischen sagen – das war das Ziel von heute. Delphin Wieder waren um 5 Bft angesagt, Warnung vor Böen, wir starteten mit dem 2. Reff im Groß und dem 3. Reff in der Fock. Zur eigentlichen Ansteuerung hatten wir die Segel gestrichen und Volker brachte uns excellent an den Riffen und kleinen Inselchen vorbei zum Ankerplatz. Hatten wir vorher schon Delphine und Stachelrochen gesehen, so kamen jetzt eine Menge Schildkröten und kleinere Korallenfische dazu. Janine, unsere Unterwasserfotografin, war fast pausenlos im Einsatz.Schildkroete So kann man es sich wirklich im Paradies vorstellen, das Wasser vor Wellen geschützt durch das Horseshoe Reef, der Wind konnte ungehindert darüber hinweg, vorgelagert noch das Worlds End Reef und Petit Tabac, ein palmenbestandenes Inselchen als Kontrast zu den Riffs, wir waren einfach hin und weg.
Die Skipperbesprechung hatte zur Folge, dass wir Union Islands nicht mehr anlaufen wollten sondern hier unseren südlichsten Punkt des Törns erreicht hatten und am folgenden Tag Richtung Mustique die Rückreise antraten. 12°37,8′ N – 061°21,3′ W; in etwa der Punkt der Umkehr.

Sonntag, 20.03.2016
Royal Clipper  Zum Frühstück kam die Royal Clipper der Star-Clippers-Reederei außerhalb der Riffs vorbeigesegelt, der einzige zur Zeit fahrende echte Fünfmaster (Kreuzfahrtschiff). Dinghydock
Bei vorhergesagten 5 Bft aus Ost starteten wir den Rückweg mit dem 2. Reff in beiden Segeln. Jetzt ging es nicht mehr mit halbem Wind oder raumschots, jetzt waren die kommenden Kurse am Wind, hoch am Wind, gegenan – es wurde anspruchsvoller.
Basisl BarZiel war die Insel Mustique, auch die Insel der Reichen und manchmal Schönen genannt, auf der Leute wie Prinzessin Margret von Großbritannien, Mick Jagger von den Stones und andere wohlbetuchte Leute ihre Feriendomizile haben, die sie manchmal für ein paar Tage im Jahr auch besuchen.
Basils Bar ist ein Anlaufpunkt auch für Leute wie uns, nette Atmosphäre, aber eigentlich doch nicht so etwas besonderes – abgesehen von den Preisen. Wenn einmal im Jahr dort das große Jazz und Blues Festival steigt, dürfte erheblich mehr los sein als jetzt. Immerhin gab es Life Musik von einem singenden Keyborder und seiner Saxophon spielenden Gefährtin.

Montag, 21.03.2016
Weiter ging es Richtung Norden, auf der Atlantikseite von Bequia entlang bei 5 Bft, beide Segel im 2. Reff, etwa 2 m Welle, lange Atlantikdünung, gut, dass wir die Handhabung des Kat ordentlich geübt hatten, bis zur Südspitze von St. Vincent in die Blue Lagoon.
Blue Lagoon
Auch hier eine etwas knibbelige Passage, die Co-Skipper Hermann assistiert von Navigator Hermann mit Unterstützung der Augapfelnavigation durch Jürgen, Rainer und Volker hervorragend meisterte. Eine sehr schöne Lagune mit ansprechender Marina-Bebauung, aber sonst nicht viel. Gut geeignet für einen Ausflug in die Landeshauptstadt Kingstown, deshalb wurde der zweite Hafentag angepeilt. Die Elektrik Probleme blieben, der erste Wassertank war wieder leer, aber es gab keinen Service wie in Port Elizabeth. Wir lagen an einer Mooring und holten einige Gallonen Wasser in 5-L-Kanistern zum Nachfüllen an Bord.

Dienstag, 22.03.2016

Botanischer Garten Kingstown  Hafentag, Besuch von Kingstown, wo es den ältesten botanischen Garten der westlichen Hemisphäre geben soll. Unser Höhepunkt war eigentlich Phyllis, “ … the first woman Taxi Driver in St. Vincent ever …“, eine liebenswürdige, charmante Frau, deren Kinder in den USA lebten und die die Fahrt in die Hauptstadt gleich zu einer Sight-Seeing-Tour machte. In der Stadt selber, durch die wir nach dem Besuch des botanischen Gartens bummelten, waren wir froh, als Gruppe da zu sein. Die Gegensätze waren hier eine Potenz stärker als in Chateaubelair und die Bettelei deutlich aggressiver, aber es gab auch so etwas wie die Tafel bei uns, die ganz Armen wurden dort beköstigt und die waren sehr zurückhaltend und überhaupt nicht aggressiv. Schuluniformen, unterschiedlich von Schule zu Schule prägten das Aussehen der Jüngeren, Anzug und Krawatte das der Geschäftsleute und die am unteren Ende der Skala trugen das, was gerade da war. Kingstown Die meisten Menschen sahen aber, egal was sie anhatten, nicht unbedingt unglücklich aus, es war eine zwiespältige Empfindung oder strange, wie einer von uns sagte. Wir konnten Vorräte bunkern und riefen Phyllis per Telefon, die uns dann auch noch zu den Läden brachte, bei denen sie selber einkaufte und dort war alles ein wenig preiswerter aber sicher von mindestens gleicher Qualität. Abends bekamen wir – per Schlauchboot – Besuch von der Crew der PARZIFAl und konnten mal wieder auf westfälische Art miteinander tratschen.

Mittwoch, 23.03.2016
Volles Tuch Da es in St. Vincent eine 72-Stunden Regelung für das Ausklarieren gibt, haben wir Skipper das direkt erledigt, es kostete nicht einmal Geld – nur Zeit, denn statt um 08:00 wie angesagt erschien der Meister der Stempel erst kurz vor neun, aber so ist das nun mal in der Karibik.
5 Bft aus Ost, Schauer, und in jedem Schauer stecken Böen. Mit vollem Tuch fuhren wir los, mussten jedoch mit der Zeit mal ein Reff stecken, mal wieder herausnehmen, wie der Wind und die Richtung es eben so vorgaben.
Für ein Fotoshooting kreisten wir durch die Bucht von Wallilabou, in der große Teile vom Fluch der Karibik gedreht worden waren. Zwei Wochen vor unserem Törn ist dort nachts eine Yacht überfallen worden, bei der deutschen Besatzung gab es einen Toten und mehrere Verletzte, wir gingen für die Nacht lieber wieder nach Chateaubelaire, auch auf die Gefahr hin, erneut mit lauter Musik konfrontiert zu werden.
Wir konnten hier den örtlichen Fischern direkt neben unseren Kats bei ihrer Arbeit mit dem Stellnetz zusehen, erst verstanden wir wenig, dann immer mehr. Fischer Drei Taucher suchten in der Bucht offensichtlich Schwärme, gaben Bescheid und dann ruderten 8 Mann in einem Boot los, warfen das Netz aus und zogen es immer enger, die geschätzte Länge des Netzes war etwa 200 bis 300 Meter. Das liest sich schnell, dauerte aber alles in allem mehrere Stunden. Am nächsten Tag wurde der Fang am Steg an die Bevölkerung des Ortes (gegen Geld?) weitergegeben.
Da der Wind kurz vor Vollmond immer kräftiger blies, steckte die Crew von Hand das dritte Reff für den nächsten Tag, der mit 5 bis 6 Bft und etwa 2 m Welle angesagt war.

Donnerstag, 24.03.2016
Als Ziel war für heute nach der Passage des St. Vincent Channel die Bucht bei Soufrière angegeben, direkt bei den charakteristischen Zuckerhüten von St. Lucia, dem Petit Piton (743 m hoch aber dünn) und dem Gros Piton (620 m hoch aber mächtig).
Pitons
Unter Segeln kamen wir bis auf wenige Meilen an unseren Mooringplatz, den Rest schafften die zwei äußerst sparsamen Yanmar mit ihren jeweils 40 PS. Ein Städtchen, das an vielen Wegen pittoresk, an anderen Stellen aber wieder sehr bedrückend aussieht. Wir konnten hier ein- und ausklarieren, wenn wir zum rechten Zeitpunkt bei den Behörden waren. Es haben nicht alle drei geschafft. Die OUPS musst in Rodney Bay ausklarieren – warum auch immer – und somit stand das Ziel für den kommenden Tag fest. Hier in Soufrière sorgte unsere Kampfschwimmerin Janine dafür, dass unser Kaffeevorrat ergänzt wurde. Sie schwamm eh die beiden anderen Kats fast jeden Morgen an und brachte diesmal schwimmend eine Packung Kaffee mit.

Freitag, 25.03.2016

Marigot Bay  Nach wie vor mit dem dritten Reff im Groß ging es bei angesagten 5 bis 6 Bft in Lee der Küste Richtung Norden weiter.
Bei der Marigot Bay, einer herrlichen Ankerbucht, drehten wir eine kleine Runde zum Fotografieren und hatten am Eingang der Bucht die zweite Begegnung mit der ROYAL CLIPPER, die dort vor Anker lag und auf ihre Passagiere wartete, die mit den Begleitbooten in der Bucht unterwegs waren.
Als wir weitersegelten Richtung Norden konnten wir noch sehen, wie auf der ROYAL die Segel gesetzt wurden und sie ihre Fahrt Richtung Süden aufnahm. In der Rodney Bay lagen wir zum letzten Mal vor Anker und wurden nachts von sehr stürmischen Winden daran gehindert, vernünftig durchschlafen zu können.

Samstag, 26.03.2016
Reff 3  Vorhersage 6 Bft aus ENE, in Böen bis 8, Welle bis 3 m, das waren die Ankündigungen für den letzten Tag auf dem Wasser, die Passage des St. Lucia Channel zurück nach Martinique.Seegang
Alle Leinen wurden noch einmal über­prüft, das Reff kontrolliert und dann ging es mit 3. Reff in beiden Segeln los. Erst recht harmlos, dann doller, dann Kap­effekte, dann Atlantik­welle, dann Regen­fronten mit vielen Böen drin, Rasmus wollte offensichtlich von uns sehen, was wir alle in den zwei Wochen gelernt hatten. Die Welle stieg auf etwa 4 Meter, der Wind pendelte sich bei etwa 7 Bft ein, einzelne Böen hatten Werte von 9 Bft, der Mannschaft wurde einiges abverlangt!
Nach gut fünf Stunden war es geschafft, die Land­abdeckung von Martinique brachte ruhigeres Wasser, weniger Wind und Zeit zum Verschnaufen. Anmelden beim Vercharterer, ansteuern des Tankstellenpiers, Diesel und Sprit für den Außenborder bunkern und schon kam Jean-Marc, um die ANGELA eigenhändig an ihren Stammplatz zu manövrieren; nach rund 300 Seemeilen lag der Kat wieder fest. AbschlussdinerAnlegerAbends war das traditionellen Flottillen-Abschiedsessen angesagt bei dem alle 23 Hanseatinnen und Hanseaten beisammen saßen. „Der Alte“ der Flottille hielt eine kurze Rede, in der er besonders die Verdienste von Dickschiff-Obmann Klaus und seiner Hintergrundmannschaft hervorhob, ohne die dieser Törn nicht zustande gekommen wäre. Da wir nun an einem Steg festgemacht waren, gab es keine Probleme mehr mit der direkten Kontaktaufnahme der drei Crews untereinander was auch fleißig genutzt wurde.

Sonntag, 27.03.2016

Strand von St. AnneMitbringsel zu erstehen, einen Ausflug zur Hauptstadt Fort de France oder den Strand von St. Anne zu machen oder schon die Tasche zu packen. Die Kats wurden grob gesäubert, die Skipper durften ein letztes Mal zum Einklarieren bei der Capitainerie auflaufen; es gab Wasser und Strom in Hülle und Fülle und nun zeigte sich auch, wie gut das Bunkern geklappt hatte oder wie wenig Vorräte am Ende noch vorhanden waren.
Am Abend hatte die Crew der OUPS zum Absacker eingeladen, kein Problem, 23 Leute auf einem 450er Katamaran unterzubringen! Bier, Cola, rumhaltige Cocktails, Knabberkram, es war fast schon so wie auf dem offiziellen Nachtreffen, das sicher im Sommer kommen wird.
Oups Party

Montag, 28.03.2016

Schiffsübergabe an den Vercharterer, Rückzahlung der Kaution und die Zusage, bis zur Abfahrt des Busses um 15:30 h an Bord bleiben zu dürfen, da blieb schon ein wenig Zeit zum ersten Sinnieren über die Ereignisse der vergangenen Wochen, von denen jeder von uns seine individuellen Eindrücke verarbeiten wird….
Der Bus erschien pünktlich, am Flughafen ging es auch relativ flott. Toll für uns war, dass wir hier sofort unseren Busfahrschein für den Transfer in Paris bekamen, denn dort mussten wir wieder quer durch die Stadt, von Orly nach CDG.

Dienstag, 29.03.2016
Nachtflug   Nachtflug, Zeitsprung inklusiv der europäischen Sommerzeit 6 Stunden, ein paar Luftlöcher, Europa hat uns wieder. Um zu unserem Abflug Terminal in CDG zu gelangen, mussten wir diesmal sogar zwei Buslinien benutzen, aber es hat in der zur Verfügung stehenden Zeit geklappt. In Düsseldorf wartete bereits der Münsteraner Bus, der uns zum Hansa Hafen brachte und damit war die Reise definitiv beendet.
Um die Erlebnisse dieses außergewöhnlichen Törns richtig zu würdigen, ist noch nicht genug Zeit für die Aufarbeitung gewesen. Missweisung Was die Schiffsführung anging, so konnten alle Funktionen – abgesehen vom Skipper und seinem Co – von jedem Crewmitglied wahrgenommen und ausprobiert werden, sei es die Navigation mit einer Missweisung von –15 Grad, das Hantieren an den Reffleinen und Schoten, das Tarieren des Travellers, das Rudergehen und dabei die Arbeit mit zwei Maschinen, die Kontrolle der Elektrik und der Seeventile, die Ankermanöver mit Hahnepot, die Arbeit in der Kombüse, eben alles, was so anfällt. Es scheint, als wäre ein erstes Fazit etwa so: Toll, diese Erfahrung in einem fantastischen Revier mit einem Katamaran gemacht zu haben, aber für das richtige Segeln bleibe ich – bei allen Komfortvorteilen – doch lieber bei einer normalen Segelyacht. (Jürgen von der ANGELA)
Ende

 

Katamarantraining

Am etwas verlängerten Wochenende 19. bis 21. 6. trainierten sieben Hanseaten ausgibt alles um Manöver mit einem Fahrtenkatamarn – gut 12 Meter Länge war für die erfahrenen Dickschiffsegler nichts Ungewohntes, aber 7 Meter Breite und zwei Rümpfe? ….

SHM – Skippertraining – Katamaran (19. – 21. 6. 2015)

KumariAm Abend des 18.6.2015 traf eine verschwore Truppe von altgedienten Dickschiff-Seglern/Skippern des SHM in Eckernförde zusammen. Angeführt von Commodore Klaus waren Bernhard, Christopher, Ekkes, Jürgen, Thomas und Volker aufgebrochen, um sich in der etwas anderen Art des Segelns mit einem Katamaran unterweisen zu lassen. Das Objekt, die KUMARI, ist kein Schiff aus einer Serienfertigung, sondern ein Einzelstück mit 12,30 m Länge, 6,80 m Breite, 1,20 m Tiefgang, einem Gewicht von 7 Tonnen, 4 Doppelkabinen mit WC, 2 Dieselmotoren à 18 PS und bestückt mit einem Latten-Groß (47m²), einer Rollgenua (40m²) und einer Sturmfock (16m²), die am Kutterstag angeschlagen wird. Das Innere eines Zwei-Rumpf-Schiffes ist vom Platzangebot deutlich üppiger als bei einem Ein-Rumpf-Schiff, aber an einigen Stellen wurde es mit acht Personen ab und zu selbst hier etwas eng.
tellerdrehenAm 19. ging es nach dem Frühstück dann zur Sache. Skipper Christoph, einer der drei Eigner der KUMARI, besprach mit uns das Ablegemanöver aus der Box und Thomas war der erste von uns, der als Steuermann antrat. Mit vereinten Kräften kamen wir aus der Box und unter der geöffneten Klappbrücke durch, um im Vorhafen direkt mit dem Manövertraining loszulegen. Alle Sieben kamen der Reihe nach an den Steuerstand um ein erstes Gefühl für das Schiff unter Motor zu bekommen. BojeGeradeausfahrt vorwärts, rückwärts, auf dem Teller drehen nur unter Maschinen, dann mit Einsatz des Steuerrades waren die ersten Aufgaben, gefolgt von längsseits an- und ablegen. Da beide Maschinen gleich drehende Schrauben haben, war auch hier ein leichter Radeffekt zu beachten, der aber durch geschickten Einsatz der beiden Maschinen mal vorwärts und mal rückwärts ausgeglichen werden konnte. Weiter ging es in einen benachbarten Yachthafen, um dort in den Gassen die eben geübten Manöver anzuwenden. Bei dem kräftigen Wind, der uns jetzt von der Seite traf, war das schon nicht mehr so einfach wie auf der freien Fläche im Vorhafen. Und schon stand die nächste Übung an, Bojenfelder nutzen. Theorie ist das eine, die Praxis das andere, es war nicht einfach, sich an der Boje ordnungsgemäß festzumachen.
10 KnotenNach etwa drei Stunden Übungen unter Maschine machten wir ein kleines Päuschen, stärkten uns ein wenig und dann kamen die Segel zu ihrem Recht. Wind NW mit rund 5 Bft, etwa 1 bis 1,5 m Welle, Groß und Genua in ganzer Pracht gesetzt – und keine Krängung. Jetzt wunderten wir uns nicht mehr darüber, dass Bücher und ähnliche Kleinteile ungesichert auf den Tischen liegen bleiben können. Aber es ging ja um Manöver, und die folgten auf dem Fuß: 2. Reff ins Großsegel, Genua bergen, Sturmfock anschlagen und heißen, und ständiger Wechsel am Steuerstand, damit wir alle jetzt den Katamaran unter Segeln erfühlen konnten; trotz frischer Temperaturen war niemandem kalt! Krängung war zwar keine da, auch nicht bei einer Wende oder Halse, aber durch die Welle bedingt fing der Kat auf eine besondere Art an zu stampfen, da mussten wir uns erst mal dran gewöhnen. Und was unter Motor sehr hilfreich war, die hydraulische Funktion des Steuerrades, war unter Segeln ein ungewohntes Gefühl, es gab keinen sich ändernden Druck auf dem Ruderblatt, das Rad arbeitet mit stets gleichem Kraftaufwand.
Belohnt wurden wir mit mehr als 10 Knoten Fahrt, da geht die Post ab! In die Schleimündung fuhren wir aber deutlich langsamer ein und verbrachten dann die Nacht am Steg im Hafen von Maasholm.
AnlegenDas Training am 20.6. begann wieder mit Hafenmanövern, aber jetzt in Maasholm. Dabei kam auch das Ablegen bei auflandigem Wind (Legerwall) zum Zuge; das Bergen einer hängengebliebenen Leine war eigentlich nicht geplant gewesen. Und weiter ging es zum Ankermanöver, bei dem ein Hanepot gesteckt werden sollte, um den Zug der Ankerkette auf beide Kufen zu verteilen und um zu verhindern, dass beim Schwojen die Kette unter einem der beiden Rümpfe scheuert. Auf der Ostsee begann dann die zweite Phase der Segelmanöver, z.B. segeln eines Manöverkreises und das Boje über Bord Manöver. Wind und Welle waren ähnlich wie am Vortag aber weder einige Sécuritee noch ein von Rescue Bremen abgesetzter PAN PAN Funkspruch über eine manövrierunfähige Yacht konnten unseren Eifer bremsen. Die Ereignisse lagen außerhalb unserer Erreichbarkeit.
Die letzte Nacht an Bord verbrachten wir in der Bucht von Maasholm vor Anker liegend. BoxFür das nächste Hafenmanövertraining verlegten wir uns in den ehemaligen Marinestützpunkt Olpenitz. Hier stand schwerpunktmäßig das An- und Ablegen an einem Schwimmsteg auf dem Programm. Der Rückweg nach Eckernförde musste anschließend unter Motoreinsatz absolviert werden, der Wind hatte uns zum ersten Mal im Stich gelassen und die Klappbrücke in Eckernförde hat ihre definierten Öffnungszeiten. Aber auch das haben wir gemeinsam hinbekommen und konnten die KUMARI termingerecht gegen 16:00 Uhr in ihrer Box festmachen. Diese drei Tage haben die Überschrift Manöver-Training wirklich verdient. Wir alle konnten unser Wissen über das Führen von Yachten ordentlich erweitern und sind, was Katamaran-Segeln angeht, zumindest keine Grünschnäbel mehr. Skipper Christoph meinte, er hätte über das Handling von normalen Dickschiffen bei uns sicher ebensoviel gelernt wie wir bei ihm über das Handling eines Katamarans, er hätte viel Freude mit uns an diesem Skipper-Training gehabt.
SeglerAusdrücklicher Dank gebührt an dieser Stelle Ekkes, der einerseits ein Großteil der Organisation vorab gestemmt hat und andererseits während des Trainings als excellenter Smutje für unser aller Wohlbefinden sorgte. Übrigens, mit einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren kann auch diese Truppe zu den „Wilden Alten“ des SHM gezählt werden! Jürgen M.