Katamarantraining

Am etwas verlängerten Wochenende 19. bis 21. 6. trainierten sieben Hanseaten ausgibt alles um Manöver mit einem Fahrtenkatamarn – gut 12 Meter Länge war für die erfahrenen Dickschiffsegler nichts Ungewohntes, aber 7 Meter Breite und zwei Rümpfe? ….

SHM – Skippertraining – Katamaran (19. – 21. 6. 2015)

KumariAm Abend des 18.6.2015 traf eine verschwore Truppe von altgedienten Dickschiff-Seglern/Skippern des SHM in Eckernförde zusammen. Angeführt von Commodore Klaus waren Bernhard, Christopher, Ekkes, Jürgen, Thomas und Volker aufgebrochen, um sich in der etwas anderen Art des Segelns mit einem Katamaran unterweisen zu lassen. Das Objekt, die KUMARI, ist kein Schiff aus einer Serienfertigung, sondern ein Einzelstück mit 12,30 m Länge, 6,80 m Breite, 1,20 m Tiefgang, einem Gewicht von 7 Tonnen, 4 Doppelkabinen mit WC, 2 Dieselmotoren à 18 PS und bestückt mit einem Latten-Groß (47m²), einer Rollgenua (40m²) und einer Sturmfock (16m²), die am Kutterstag angeschlagen wird. Das Innere eines Zwei-Rumpf-Schiffes ist vom Platzangebot deutlich üppiger als bei einem Ein-Rumpf-Schiff, aber an einigen Stellen wurde es mit acht Personen ab und zu selbst hier etwas eng.
tellerdrehenAm 19. ging es nach dem Frühstück dann zur Sache. Skipper Christoph, einer der drei Eigner der KUMARI, besprach mit uns das Ablegemanöver aus der Box und Thomas war der erste von uns, der als Steuermann antrat. Mit vereinten Kräften kamen wir aus der Box und unter der geöffneten Klappbrücke durch, um im Vorhafen direkt mit dem Manövertraining loszulegen. Alle Sieben kamen der Reihe nach an den Steuerstand um ein erstes Gefühl für das Schiff unter Motor zu bekommen. BojeGeradeausfahrt vorwärts, rückwärts, auf dem Teller drehen nur unter Maschinen, dann mit Einsatz des Steuerrades waren die ersten Aufgaben, gefolgt von längsseits an- und ablegen. Da beide Maschinen gleich drehende Schrauben haben, war auch hier ein leichter Radeffekt zu beachten, der aber durch geschickten Einsatz der beiden Maschinen mal vorwärts und mal rückwärts ausgeglichen werden konnte. Weiter ging es in einen benachbarten Yachthafen, um dort in den Gassen die eben geübten Manöver anzuwenden. Bei dem kräftigen Wind, der uns jetzt von der Seite traf, war das schon nicht mehr so einfach wie auf der freien Fläche im Vorhafen. Und schon stand die nächste Übung an, Bojenfelder nutzen. Theorie ist das eine, die Praxis das andere, es war nicht einfach, sich an der Boje ordnungsgemäß festzumachen.
10 KnotenNach etwa drei Stunden Übungen unter Maschine machten wir ein kleines Päuschen, stärkten uns ein wenig und dann kamen die Segel zu ihrem Recht. Wind NW mit rund 5 Bft, etwa 1 bis 1,5 m Welle, Groß und Genua in ganzer Pracht gesetzt – und keine Krängung. Jetzt wunderten wir uns nicht mehr darüber, dass Bücher und ähnliche Kleinteile ungesichert auf den Tischen liegen bleiben können. Aber es ging ja um Manöver, und die folgten auf dem Fuß: 2. Reff ins Großsegel, Genua bergen, Sturmfock anschlagen und heißen, und ständiger Wechsel am Steuerstand, damit wir alle jetzt den Katamaran unter Segeln erfühlen konnten; trotz frischer Temperaturen war niemandem kalt! Krängung war zwar keine da, auch nicht bei einer Wende oder Halse, aber durch die Welle bedingt fing der Kat auf eine besondere Art an zu stampfen, da mussten wir uns erst mal dran gewöhnen. Und was unter Motor sehr hilfreich war, die hydraulische Funktion des Steuerrades, war unter Segeln ein ungewohntes Gefühl, es gab keinen sich ändernden Druck auf dem Ruderblatt, das Rad arbeitet mit stets gleichem Kraftaufwand.
Belohnt wurden wir mit mehr als 10 Knoten Fahrt, da geht die Post ab! In die Schleimündung fuhren wir aber deutlich langsamer ein und verbrachten dann die Nacht am Steg im Hafen von Maasholm.
AnlegenDas Training am 20.6. begann wieder mit Hafenmanövern, aber jetzt in Maasholm. Dabei kam auch das Ablegen bei auflandigem Wind (Legerwall) zum Zuge; das Bergen einer hängengebliebenen Leine war eigentlich nicht geplant gewesen. Und weiter ging es zum Ankermanöver, bei dem ein Hanepot gesteckt werden sollte, um den Zug der Ankerkette auf beide Kufen zu verteilen und um zu verhindern, dass beim Schwojen die Kette unter einem der beiden Rümpfe scheuert. Auf der Ostsee begann dann die zweite Phase der Segelmanöver, z.B. segeln eines Manöverkreises und das Boje über Bord Manöver. Wind und Welle waren ähnlich wie am Vortag aber weder einige Sécuritee noch ein von Rescue Bremen abgesetzter PAN PAN Funkspruch über eine manövrierunfähige Yacht konnten unseren Eifer bremsen. Die Ereignisse lagen außerhalb unserer Erreichbarkeit.
Die letzte Nacht an Bord verbrachten wir in der Bucht von Maasholm vor Anker liegend. BoxFür das nächste Hafenmanövertraining verlegten wir uns in den ehemaligen Marinestützpunkt Olpenitz. Hier stand schwerpunktmäßig das An- und Ablegen an einem Schwimmsteg auf dem Programm. Der Rückweg nach Eckernförde musste anschließend unter Motoreinsatz absolviert werden, der Wind hatte uns zum ersten Mal im Stich gelassen und die Klappbrücke in Eckernförde hat ihre definierten Öffnungszeiten. Aber auch das haben wir gemeinsam hinbekommen und konnten die KUMARI termingerecht gegen 16:00 Uhr in ihrer Box festmachen. Diese drei Tage haben die Überschrift Manöver-Training wirklich verdient. Wir alle konnten unser Wissen über das Führen von Yachten ordentlich erweitern und sind, was Katamaran-Segeln angeht, zumindest keine Grünschnäbel mehr. Skipper Christoph meinte, er hätte über das Handling von normalen Dickschiffen bei uns sicher ebensoviel gelernt wie wir bei ihm über das Handling eines Katamarans, er hätte viel Freude mit uns an diesem Skipper-Training gehabt.
SeglerAusdrücklicher Dank gebührt an dieser Stelle Ekkes, der einerseits ein Großteil der Organisation vorab gestemmt hat und andererseits während des Trainings als excellenter Smutje für unser aller Wohlbefinden sorgte. Übrigens, mit einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren kann auch diese Truppe zu den „Wilden Alten“ des SHM gezählt werden! Jürgen M.