Jolle versus Dickschiff? Lanzenbruch für das Jollensegeln

Dass Fahrtensegeln auf Dickschiffen glücklich macht, ist in mindestens einem Beitrag vorgetragen worden und wird von ganz vielen Fahrtenseglern bestätigt. Aber warum soll Jollensegeln, z.B. auf dem Aasee, nicht auch glücklich machen??

Welches sind die Vorteile des Jollensegelns, wie es mit den zahlreichen, verschiedenartigen Vereinsjollen des SHM möglich ist? Aus meiner Sicht zählt zu allererst die innenstadtnahe Lage des Aasees dazu. Und sooo klein ist der nun auch nicht. Egal, ob zu Fuß, per Leeze, Bus oder Pkw, das Stadtgewässer ist nie weit entfernt. Ob ich einen Laser, einen Zugvogel, die Polyvalken „Luna“ bzw. „Stella“ oder noch einen anderen Bootstyp ausleihe, ich kann allein segeln, wenn mir danach zumute ist, oder mit einem anderen Vereinsmitglied; die größeren Boote tragen bequem bis zu vier Personen. Wenn ich sportlich segeln möchte, geeigneten Wind voraussetzt, der nicht immer mitspielt, oder eher gemütliches „Alt-Herren-Segeln“ bevorzuge, gibt es für jede Interessenlage das passende Bootsangebot am SHM-Steg und genug Mitglieder, die gern mit von der Partie sind. Oder lieber ein Bierchen trinkend vom Ufer aus zuschauen.

Die Boote sind fix segelfertig, Wertsachen in Sicherheit gebracht und los geht es – binnen einer Viertel Stunde. Auch hier gilt: es gibt Tage und Tageszeiten, an denen auf dem hinteren Aaseeteil mehr los ist und solche, an denen wir allein unterwegs sind und gelegentlich von der „Solaaris“ aus unseren Tagträumen gerissen werden. Wenn ich dann Richtung Torminbrücke segelnd auf den dahinter liegenden innenstadtnäheren Teil des Sees schaue, bin ich immer wieder froh, so viel Ruhe und Ungestörtheit genießen zu dürfen: denn dort sind oft viele rotweiße Boote der Segelschule auf dem Wasser. Wenn ich natürlich Vorfahrtsregeln üben möchte, scheitert dies doch gern an fehlenden anderen Booten… Naja, man kann nicht alles haben.

Völlig frappierend finde ich immer wieder die (Fast-)Stille auf dem Wasser. Der Autoverkehr ist kaum wahrnehmbar, bestenfalls ein leichtes Hintergrundrauschen in der Nähe der Torminbrücke, noch seltener ein Rettungsfahrzeug mit Martinshorn oder ein Helikopter unterwegs vom/zum UKM. Selbst bei geringer Fahrtgeschwindigkeit kann ich ohne Anstrengung die leise, ganz unscheinbare Bugwelle meines Bootes hören. Apropos still: gelegentlich werde ich doch tatsächlich durch die Zootiere akustisch „gestört“: Töröööh! Und die zahlreichen Schwalben, Störche und anderen Vögel sind wahre Flugakrobaten, die es mir leicht machen, ihnen immer wieder gern zuzusehen.

Noch etwas spricht für das Jollensegeln: ändert sich das Wetter, bin ich in kürzester Zeit wieder am Anleger und in Sicherheit vor Langerweile bei Flaute, Wind, Gewitter, Regen oder hereinbrechender Dämmerung. Und so lohnt auch der Ein-Stunden-Mini-Törn. Und wenn der Wind mal wieder gar nicht mehr will: wieviel kurzweilige und tiefgründige Klönschnacks habe ich schon auf dem Aasee mit meinem Segelpartner oder meiner Segelpartnerin gehalten – Abschalten leicht gemacht.

Abschließend: sehr empfehlen kann ich das Jollensegeln nach Feierabend. Hier kam ich als Berufstätiger extrem schnell auf andere Gedanken und war danach erholt zu Hause angekommen, wie nach einem Kurzurlaub.

Hans-Christoph T.