„Social Distance“ Törn 2020

oder „eine Gourmet Tour für Hansa Segler“ — Inhalt dazu ganz unten.
Bildergal

Die situationskonforme Frontbedeckung aller fünf Beteiligten hat Kalle im Nachhinein gekonnt hinzugefügt.

Als Clubveranstaltung des SHM ist der diesjährige Distanztörn nicht zustande gekommen. Zu stark waren die vorgesehenen Teilnehmer nicht nur durch Verantwortungsbewustsein, Ängste und Verunsicherung sowie Stornierungszwänge befangen. Der Chartervertrag wurde kostenpflichtig storniert!
Bei Verfolgung des Infektionsgeschehens der Ostsee Anlieger-Länder und Regionen, zugehöriger Risikobewertung, Einbeziehung der Erfahrungen Dritter und Abwägen der Möglichkeiten auch auf einer Yacht nahe Kontakte zu meiden, entschlossen sich vier der ursprünglich sieben Hansa-Segler die Yacht doch noch zu übernehmen. Der Chartervertrag wurde wieder aktiviert.
Klar war, dass Schweden zu dieser Zeit nicht besucht werden sollte, klar war auch, dass die Besatzung nicht mehr die volle ursprüngliche Wachenstärke haben würde; unklar war, wie die seitens Dänemark eingeführte Anmelderegel für zumindest sechs Zielhäfen in der Praxis funktionieren würde.

Durch den großen Belt ´gen Nord,
den Kleinen zurück


Zwei PKW, vier Segler, deren Gepäck und einiges an Proviant machten sich am 11.7. auf den Weg nach Großenbrode, wo eine 46″ Bavaria Cruiser auf uns warten soll. (Wer die ganzen Details des 2-wöchigen abwechsungsreichen Törns inkl. des kulinarischen Anhang erfahren möchte, klicke auf ….)

Die Schiffsübernahme verzögerte sich, weil erst zwei, später vier, Mitarbeiter des Vercharterers sich bemühten, den neu eingebauten Kartenplotter zum Laufen zu bringen. Der Vorherige war von der Vor-Crew wohl demoliert worden.

Nach einiger Zeit konnte die Yacht übernommen werden – wobei sich aber erst am Folgetag zeigte, dass zwar der Plotter selbst funktionierte, die Verbindung an die anderen mit dem Plotter gekoppelten Navigationsbequemlichkeiten wie Autopilot oder etwa das wichtige Echolot noch den Dienst verweigerten. Das ließ sich mit dem Hansa „Bordingenieur“ alsbald korrigieren, wenngleich die Ausfahrt aus der Großenbroder Bucht am 12.7. ohne Echolot bei 2,10 m Tiefgang erst einmal Konzentration erforderte.
Jeder Segler konnte eine eigene Kabine beziehen und vier Nasszellen (eine davon ohne Toilette) gaben uns die nach Corona-Regeln nötigen Distanzmöglichkeiten.

12.7. Tagesziel war Spodsbjerg auf Langeland bei vorherrschend NW um 3-4 . Schön, wenn wir unter der Fehmarn Sund Brücke hätten durch fahren könnten, aber der Vercharterer meinte NEIN und die Höhenangaben der Yachtunterlagen gaben nur undifferenzierte Meterangaben, und die früher detaillierten Pegel bedingte Durchfahrthöhenanzeige an den Brückenpfeilern wurde offenbar gegen pauschal „20m“ getauscht. Also ging es nach Logge 54 sm bis zum Tagesziel um Fehmarn östlich herum.
Hafen von Spodsbjerg relativ voll. Schiff noch ungewohnt.
Frischer Seitenwind beim Anlegen. Wir bieten ein klein wenig Hafenkino. Knapp 12 Stunden auf dem Wasser, meist unter Segeln garantierten gute Bettruhe. Ausschlafen für die Nacht war angesagt.

Die Storebæltsbroen
Die Storebæltsbroen fasziniert immer wieder.

13.7. Ausschlafen (?), Frühstück und Auslaufen. Wenn da nicht das Fernziel Skagen lauerte. Die nächste Etappe sollte daher nach Kerteminde führen. 4 h Segeln gefolgt von 3,5 h Maschinenfahrt brachten 44 sm auf die Logge. Brav wurde unsere Passage der Storebæltsbroen per VHF angemeldet.

Kerteminde um 19:20: weder ein Platz im Yachthafen noch irgendwo im Päckchen im Strom der Fjordmündung. Also war Ankern angesagt. Gleich neben der Einfahrt ein Haufen gleich Gesinnter. Also entfernten wir uns von diesem Haufen und bevorzugten die ruhigere Stelle vor dem noblen Herrensitz „Lundsgaard Gods„. Anker fiel 19:50 und konnte gut /eingefahren werden.

Aufstehen und auslaufen mit der Sonne
Aufstehen und auslaufen mit der Sonne

Der nächste Schlag sollte uns nach Grenå bringen: gut 60 sm. Also wurde vereinbart, gleich mit Sonnenaufgang den Anker auf zu holen. Tatsächlich ging es um kurz nach 5 Uhr zeitgleich mit der Sonne los. Etwa die Hälfte der Strecke konnte gesegelt werden und nach ziemlich genau 13 Stunden Fahrt konnten wir im vollen Hafen von Grenå einen 4. Platz im Päckchen an der Außenmole ergattern.
Das war die gute Nachricht. Die Schlechten: der Innenlieger wollte um 5 Uhr in der Früh los und die Wetterprognosen verrieten uns, dass unser eigentlich schon relativ nah gerücktes Ziel Skagen nur mit vielen Motorstunden zu erreichen wäre, u.a. auch, weil nur wenige Häfen auf der Strecke liegen und offenbar derzeit alle überfüllt waren und auch der Rückweg unter keinem guten Wetterstern stand.
Kurz vor 5 Uhr des Folgetages haben wir uns auf einen gerade frei gewordenen Boxenplatz verholt und beschlossen erst mal auszuschlafen und dann einen Hafentag mit Stadtbesichtigung einzulegen.

Der Spaziergang in den Ort zog sich nicht gar so lange hin wie im Vorjahr, denn wir kannten nun einen netteren Weg. Unser Smut konnte sogar noch etwas für die Pantry nachkaufen. Nur schien auch dieses Mal, obwohl durchaus mehr Leben in dem Städtchen war als im Vorjahr, keine Gastronomie zu einem Nachmittags-Kaffee einzuladen. So nahmen wir mit einem Pub, der auch außen Tische hatte und auch Heißgetränke anbot, vorlieb. Für den Rückweg standen die Chancen gut, den Bus nehmen zu können.

Energieauftanken beim Abendessen

Das war uns letztes Jahr nicht gegönnt. Er kam auch pünktlich zum Busbahnhof, war bis auf einen weiteren Fahrgast leer und wie alle öffentlichen Verkehrsmittel zu dieser Corona Zeit in Dänemark kostenfrei. Er brachte uns bis zum Kattegatcenter nahe dem Yachthafen. Segler an Land verbrauchen viel Energie: die galt es Bord aufzutanken.

Der neue dem Wind geschuldete Törnplan schrieb schon wieder vor: Auslaufen gegen 5 Uhr, um frühzeitig auf der knapp 30sm entfernten, beliebten Ferieninsel Anholt zu sein. Nach gut 5 Stunden Fahrt, die auch segelnd mitten durch den 88 km2 größten Dänischen offshore Windpark mit 111 Windrädern ging, versuchten wir kurz vor 11 Uhr im vollen Hafen der „Perle mitten im Kattegat“ ein Plätzchen zu bekommen. Der freundliche Hafenmeister im RIB gab uns zu verstehen, er sei noch am „Aufräumen“ vom Vortag, wir müssten uns noch etwas gedulden. Glücklicherweise lief aber kurz darauf eine vergleichbar große Yacht aus, so dass wir mit Heckboje einen guten Platz ergattern konnten; allerdings mit weitem Fußweg .

Es sieht schlimm aus. Aber mit einem guten Platz lässt es sich ertragen

Obwohl der beliebte Hafen brechend voll war, hielten sich die Menschenmassen in in Grenzen. Ein entspannender Tag mit Spaziergängen und Baden lag vor uns.

In der 6 m breiten Schleuse schien es mit
der gut 4 m breiten Yacht eng

Der 17.7. sollte uns bis zur Halbinsel Djursland bringen. Unklar war zunächst nur, ob nach Ebeltoft oder in die mit knapp 50 sm deutlich näher gelegene Øer Maritime. Weitgehend unter Segeln dort hin gekommen, konnte nach dem Schleusen in Letzterem kurz vor 17 Uhr in der aus einer Kiesgrube entstandenen Ferienanlage festgemacht werden.

Elf Stunden auf See, davon nur zwei unter Maschine und dieses Mal nicht durch, sondern nahe vorbei am Windpark.

Die nächste einigermaßen lange Distanz ‚gen SSW ging zum Hjanø Sund. Auch an diesem Tag nur relativ wenig Maschinenfahrt. Diese war im Flachwassergebiet zwischen Tunø und Hov/Hou, in der kein Anlieger möglich war, notwendig, um nicht auf eine der Sandbänke Tunø Knob, Aschehougs Flak und Svane Grund auf zu laufen.
Nachdem wir uns vorsichtig in die Bucht NE-lich Snaptun und vorbei an den neben dem Fahrwasser installierten Fischzuchten hinein getastet hatten, fiel der Anker gegen 20 Uhr nach 9 Segelstunden und 39 sm auf gerade mal 2,3 m Wassertiefe. Wir ahnten, wie das Seesgras unsere Yacht am Kiel kitzelte.

Fischzucht am Rande des Fahrwassers

Am 19.7. dann kein Wind. Gut dass es nur 18 sm nach Bogense sind. Prompt ab dem Anlegemanöver setzte Wind ein und wir hatten beim Anlegerschluck schöne Hafenkino Atmosphäre ab 13:30. Jetzt blieb Zeit für Stadtrundgang, Einkauf und einen Imbiss.

Gerade noch einen beinahe passenden Platz erwischt

Der 20.7. wurde ein wunderbarer Segeltag mit Ziel Årøsund. Kreuzen, Wenden, Halsen, Ausweichen und der Kurshaltepflicht nachkommend bis zum Achtung-Signal geben bei NW zwischen 3 und 4 sowie reviertypischen der Geografie geschuldeten Drehern. Perfekt!
Zwar nur 7 Stunden, aber immerhin 37 sm voller Abwechslung mit den schönsten Passagen im Lillebælt. Der Hafen Årøsund war schon ziemlich voll, und für eine 46″ Yacht war kein Plätzchen mehr. So quetschten wir uns ins Päckchen neben eine 37″ Yacht, aber mit den Leinen so, dass der Nachbar keine Last tragen musste. Als die dänische Nachbarcrew zum Boot kam, entwickelten sich freundliche Gespräche.

Eis geht immer

Die vergleichsweise kurze Distanz von gut 25 sm am 21.7. nach Sønderborg durch den Alsensund benötigte unter Segeln gut 5 h und endete vor der Kong Christian den X’s Bro unmittelbar mit Beginn der langen bedienfreien Mittagspause von 2 Stunden ab 13 Uhr. So wurde beschlossen, nicht in den alten Stadthafen zu fahren, sondern an der Pier nördlich der Brücke zu bleiben und den Rest des Tages mit Flanieren, Einkaufen und einer großen Portion Eis zu genießen.

Der 22.7. sollte für Frust sorgen. Nach den Windprognosen wäre es möglich, die Strecke bis in die Kieler- oder Eckernförder-Bucht zu segeln. Immer wieder schlief er dann allerdings ein oder drehte doch auf unglückliche Richtung. Zunächst wurde gegen 14 Uhr das Ziel auf Damp2000 verkürzt, bald drauf fiel die Entscheidung Maasholm anzulaufen, statt die Eisengenua zu bemühen. Nur 24 sm auf der Logge. Um 16:15 konnten wir dann im Päckchen neben einer baugleichen Bavaria vom selben Vercharterer festmachen. Die musste allerdings nach Flensburg zur anderen Basis.
Der Spaziergang durch und um Maasholm entschädigte für die abgekürzte Segeltour des Tages.

Der 23.7. war der seglerisch unbefriedigendste Tag des ganzen Törns: Wir mussten in die Nähe Fehmarns, aber wegen unserer Masthöhe nicht auf dessen Süd-West-Seite. Somit fielen Orth, Lemkenhafen und Heiligenhafen aus, da ja die Sundbrücke keine Durchfahrthöhe für uns hatte. Der unschöne Fähr-Hafen Rødby Havn musste es werden, um am Samstag bei den vorherrschenden Winden Großenbrode rechtzeitig zu erreichen. Das war der eine Teil, der Andere die 49 sm dorthin bei kaum Wind bedeuteten: ab 7 Uhr in der Früh 25 sm unter Maschine auf See, dann ganze 8 sm mit kontinuierlich abnehmender Fahrt für 2 Stunden segeln gefolgt von weiteren knapp 16 sm unter Jockel. 16 Uhr fest in Rødby Havn. Dort gesellte sich später eine weitere baugleiche Bavaria auch aus Großenbrode stammend zu uns.

Wir verlassen dänische Gewässer

Der letzte Tag brachte bis auf die allerletzten 4 sm noch 27 sm prima Segeln. Jetzt war auch mal wirklich Ölzeug angesagt.
Anfangs Glück, dass der Wind recht drehte um Staberhuk nach anfänglichem Zweifeln doch noch ohne Kreuzen anliegen lassen zu können, mit dem späteren Pech, dass er weiter auf WSW drehte, womit Großenbrode nur noch kreuzend zu erreichen gewesen wäre.

Ein schöner Segeltag zum Abschied

Um zu großem Getümmel an der „Tankstelle“ nicht ausgeliefert zu werden, sind wir also den Rest motort und konnten gegen 15:30 tanken.

GPS Bb. ca. 5 m vor dem Spiegel


Zuvor noch ein Missgeschick: genau im Bereich der engen Stelle der Einfahrt, da wo die alte Spundwand überspült ist, löste sich ein unvorsichtig gemachter Fenderknoten und brachte noch einmal richtig Leben aufs Schiff bis das schnell in Richtung Flach und Spundwand im Wind abtreibende Teil wieder eingefangen war.
Rückgabe der Yacht problemlos. Nix kaputt, sondern eher instand gesetzt; man war sogar dankbar für die Fertigstellung der Plotterinstallation.
Fazit 450 sm mit viel Abwechslung. 2 kg habe ich zugenommen. Ursache s.u. (Ekkes)

Die Crew

Jetzt kommt das kulinarische Ende:

Hansa -Segler, -Fotografen und -Berichteschreiber werden vom Fahrtenseglerobmann immer wieder ermahnt, nicht nur beim Essen an Bord Fotografien zu machen.
Nun, in obigem Bericht gibt es auch nur einen Hinweis auf Nahrungsaufnahme. Dafür kommt es jetzt aber um so dicker:
Ausnahmslos an jedem Tag des Törn wurden wir kulinarisch von unserem Smut verwöhnt. Zum Frühstück zwar nicht immer, denn wer viel arbeitet, muß auch viel ruhen. Aber zu Mittag täglich, oft zur Kaffeezeit, natürlich zum Anleger und als Krönung immer ein Menü zum Dinner.
Alles zu beschreiben, würde den Beitrag sprengen, daher sollen ein paar Bilder sprechen. Die Sammlung stellt nur einen Auszug dar!
Von uns Allen ein riesiges Dankeschön an Dirk-Uwe; es war immer köstlich, reichlich, aber nicht völlend und immer mit Hingabe, Fachkenntnis und Perfektion zubereitet und serviert. Wir freuen uns – egal wie das Wetter wird – auf den nächsten Törn!