Ostseetörn 2021

1. kommt es anders & 2. als man denkt: vgl. Epilog

Eine Mitseglerin meinte noch gut drei Wochen vor Törnbeginn in felsenfestem Überzeugungston: auf der Ostsee regnet es immer!
Scheinbar war sie noch nicht so oft im Sommer im Norden auf Törn.
Tatsächlich hat nahezu ganz Deutschland mit teils katastrophalen Folgen unter gewaltigen Niederschlagsmengen gelitten – nur nicht der hohe Norden Deutschlands bis hin zum dänischen Kattegat.
Die fünf Hansasegler benötigten nur an einem einzigen Tag weniger wegen Regen ihre Segeljacken als wegen vorübergehend unerwartet kühler Brise nach 12 Tagen Sonnenschein bis zum Abwinken mit sehr hohen Temperaturen.
Aber der Reihe nach.
Prolog: Ein großer Nachteil wenn man nicht mehr am Erwerbsleben teilnimmt ist, dass man keinen Urlaub mehr bekommt. Der verbleibende Vorteil: man kann mehr und länger reisen ;-).
So haben drei Hanseaten dieser Kategorie es mit Mühe geschafft relativ kurzfristig eine betagte, aber frisch refitttete 46“ Yacht ab Heiligenhafen für 4 Wochen zu chartern. Geplant war zu fünft ´gen Norden zu starten und nach zwei Wochen irgendwo in einem Hafen im Kattegat zwei Segler auszutauschen. Schwierig war es überhaupt ein Boot zu bekommen, da durch den Stornostau 2020 und die erste recht späte Freigabe für das Yachtchartern in 2021 kaum noch Schiffe in der Hochsaison ab 10. Juli zur Verfügung standen, geschweige denn für vier Wochen am Stück.

Unser kleines Ersatzschiff


Glück gehabt ? Zu früh gefreut: am 7. Juli kommt eine E-Mail, dass an der gecharterten Yacht die oberste Saling gebrochen sei und sie somit nicht seetüchtig ist. Engagiert hat der Anbieter Vertragsgemäß nach einer Alternative gesucht und konnte uns über einen anderen Anbieter für zwei Wochen eine Salona 38 vermitteln. Besser die, als ganz absagen, wo doch die Seesäcke schon gepackt und viele Einkäufe getätigt waren. Die ursprüngliche Yacht sollte dann nach 14 Tagen in Heiligenhafen übernommen werden. Weit weg vom ursprünglichen Plan, aber besser als nix.

Beschauliches Segeln


10.7. Anfahrt Münster-Heiligenhafen entspannt, Yachtübernahme perfekt, Stauen abgeschlossen, Sicherheitseinweisung vollzogen und das Ganze mit einem (Schnell-) Restaurant abschließen. Letzteres gehörte zum einzig negativen Erlebnis des Tages.

11.7. Mehrere mögliche Tagesziele in Betracht gezogen, dem Wetterbericht und den noch unbekannten Eigenschaften der Yacht geschuldet. Auslaufen und das Schiff kennenlernen. Alle Technik funktioniert, manches gewöhnungsbedürftig, herkömmliches Großsegel mit Mastrutschern, die einzufädeln sind, und ohne Lazybag oder auch nur Lazyjacks benötigt beim Setzen und Bergen richtigen Crew-Einsatz. Dafür belohnt die Salona mit sehr guten Segeleigenschaften. Am Nachmittag schlief der Wind allerdings ein und das Plan B Ziel Maasholm musste nach Kurswechsel angelaufen werden. Immerhin knapp 50 sm, 2/3 davon unter Segeln war die Bilanz.

Sonnenuntergang in Assens an unserem „riesigen“ Cockpittisch


12.7. Frische Brise um 4 Bft., ein Reff im Groß und ab geht die Post. Die mittlere Geschwindigkeit pendelt sich rasch bei 7,5 kn ein. Ab 13 Uhr muss das Reff raus, um wenigsten über 7 kn zu bleiben.
Assens wird nach erneut knapp 50 sm mit nur weniger als 3 davon unter Maschine (Tribut an Schlei-Ausfahrt gegen Wind un etwas Strom) erreicht.


13.7. Heute zeigt sich, dass unsere Salona gerne gut Höhe läuft. Viele andere Yachten müssen Holeschläge machen oder nutzen immer wieder den Motor – wir nicht. Middelfart NyHavn 1, der direkt am Kulturzentrum Kulturøen und mit Blick auf die beiden Beltbrücken liegt, wird nach 20 sm erneut mit nur wenigem Maschinen-Einsatz zum Schluss erreicht.

Grillabend in Snaptun


14.7. NE 3-4 sind die Vorhersagen. Wir wollen aber zunächst sehen, wie der Wind wirklich nach Verlassen der nördlichen Öffnung des kleinen Belt
sein wird.
Der Tag wird vom Kreuzen bestimmt; die Crew ist eingespielt, die Salona spielt mit. Gerne hätten wir eine größere Genua gehabt.
Der niedliche, fast familiäre Hafen von Snaptun nimmt uns nach 35 sm mit nur 3 unter Motor auf. Es sind noch einige Boxen frei. Nach und nach füllt sich das Hafenbecken Heute gibt es Rindersteaks vom Holzkohlengrill.

Schwachwindsegeln bei Sonne pur


15.7. Schwach windig, zeitweilig N 3 sollen es heute werden. Ersteres wird sich bewahrheiten, das Zweite nicht: eher ein 2er Wind aus NE. So werden von den 28 sm nach Ballen auf Samsø nur gut die Hälfte gesegelt. Zu spät wollen wir nicht einlaufen.
Der Hafen ist schon recht voll, wir finden nur als 3. im Päckchen neben einer noblen, privaten ca. 20m Ketsch an der Einfahrtmole Platz, und bekommen bald noch weitere zwei Nachbarn. Zum Wochenende soll es noch voller werden heißt es.

Abkühlung tut Not


16.7. Die vom DWD und Anderen Seewetterdiensten angesagten Prognosen lauten: NW 3, später zunehmend. Am Wind Segeln bis zur Passage zwischen Lindh und Vejrø nahe des Nordzipfels Samsø . Hier kurz die Eisengenua zu Hilfe genommen und anschließend einen Holeschlag ´gen WSW. Dann nochmals 5 sm am Wind. Angesagte NW stimmt bis da, dann Flaute. Die restlichen 7 sm bis Øer Maritim hinter der Schleuse zum Ferienpark musste leider die die Maschine laufen. Eine zwischenzeitlich eingelegte Badepause wurde mit Sichten einer Schnellfähre abrupt beendet.
Øer war erfreulicherweise nicht so überfüllt wie die anderen dänischen Häfen – Eher halb leer.

Segelfreude pur


17.7. Neuer „Vorschlag“ der Seewetterberichte: WNW 3-4 langsam zunehmend 5 bis 6, See 1,5 bis 2 m. Weiter im Norden sollen es „umlaufend 5 – 6 Bft.“ sein.
Nicht gut für eine Planung. Daher geht es jetzt auf Südkurs. Dass muss ein guter Ritt werden! Mit einem Reff im Groß liegt unsere Messlatte bei 7,5 kn, die es nicht zu unterschreiten gilt. Das gelingt auch bis kurz vor die Höhe, besser geografischer Breite, der Landzunge von Korshavn. Entgegen der Prognose nimmt der Wind ab, das Reff muss raus und wir arbeiten uns wieder an die 8 kn Fahrt ran. Das klappt bis gut 2 sm vor Kerteminde, aber bei jetzt wieder auffrischendem Wind und Kurswechsel auf WSW ist kein Anlieger mehr möglich. Die Befürchtungen vor zu vollem Hafen lässt uns den Rest motoren. Gut 46 sm davon nur 3 unter Maschine ist auch ok.

Der „Experte“ von der Stadt mit dem „digitalen“ Messgerät: Prüflampe geht nicht!


18.7. ist ein sonniger und windiger Hafentag. Faulenzen, durch die Stadt Flanieren, Duschen bis zum Abwinken, Nachbunkern und eine gemütliche Kaffeetafel reichen uns als Aktivitäten. Nicht zu vergessen die Sache mit der defekten Strombox, dem städtischen „Experten“ dazu und den x-Verlängerungskabeln mit unregelmäßigen Sicherungsauslösungen.


19.7. Bei angekündigten NW 4 bis 5 Bft. und tatsächlichen N 3 abnehmend bis 2-1 ist auch unsere Salona nicht in Bestleistung. Dem bis zu 3 kn süd Strom im Bereich der Beltbrücke ist ein Großteil der FüG zu verdanken. Später sind die restlichen 7 der insgesamt 31 sm zu motoren.
Lundeborg ist übervoll für eine Yacht unserer Größe. Ein kurzer, mangels Landgangmöglichkeit erfolgloser Versuch quer vor die Heckpfähle, bringt uns dazu nördlich des Hafens auf 4 m zu Ankern.

Blick vom 6er Päckchen in Svendborg


20.7. Die angesagten WNW 4-5 sind im Schutz von Fyn für uns angenehme NW 3-4. Wir machen wieder gut Fahrt unter Segeln und sind schon kurz nach Mittag dabei die letzten 4 von insgesamt 16 sm ab Middelgrund / Grønneodde durch den östlichen Svendborgsund bis in den Hafen zu dieseln.
Wir werden von einer dänischen Familie als 4. im Päckchen eingeladen, später bekommen wir noch zwei weitere Nachbarn. Weitere Landleinen sind nötig. Es ist eng in der Hochsaison.
Mineralwasser und weitere Lebensmittel Bunkern ist angesagt. Lifemusik am Abend von Nachbaryachten.

Kuschelig eng in Marstal


21.7. Heute ist Tonnenstrich- und Rinnensegeln angesagt. Jezt kommt es drauf an wie die prognostizierten NWW 3-4 in Realität zwischen den Inselchen der dänische Südsee aussehen. Nach 3 sm ab Ranzhausminde, quasi der west Einfahrt zum Svendburgsund, ist erst Segeln möglich. Den Højestene Løb, die Rinne die etwa Richtung Æroskøbing pailt, ist mit unseren üblichen 7 kn als Rennstrecke mit vielen im Kielwasser gelassenen Opfern zu bezeichnen. Für die betonnte Naturrinne Mørkedyb Richtung Marstall nehmen wir das Groß wegen, da der jetzt achterliche Wind unsere Manövrierfähigkeit sonst einschränkt. Mit beschaulichen 4 kn geht es bis nur nördlichen Marstalrinne, ab der motort werden muss. ¾ Segeln zu ¼ motoren ist noch brauchbare Bilanz. In Marstal wie üblich Gedränge an der Stegenden.


22.7. Die angesagten W 3 realisieren sich an Bord zu anfangs W 2-3, später SWW 3, vereinzelt etwas mehr. Wieder so ein schneller Ritt nachdem wir aus der Abdeckung von Ærø raus und dann an der Südspitze Langelands de Snekkegrund passiert haben.
Die 9 kn Marke ist heute nicht das Problem. Nein, heute liegt die Höchstmarke bei 9,9 – ohne Schiebestrom. Des Skippers lang gehegter Wunsch nach „zweistellig“ wird allerdings nicht entsprochen. Ab Flüggesand ist der Rausch vorbei und ab Burgtiefe 1 wird bis Burgstaaken nicht mehr gesegelt. Von 42 sm nur 2 unter Maschine.
Dinieren im Goldenen Anker am reservierten Tisch rundet den tollen Tag ab.


23.7. Die kurze Distanz zurück nach Heiligenhafen von gerade mal 11 sm bei umlaufend schwach windig unter Maschine ist geprägt vom Aufhübschen der Großsegels am Baum, dem vorbereitendem Packen und fast 30 Minuten Wartezeit an der Tankstelle in Heiligenhafen. Insgesamt 38 Liter war der Verbrauch in den 2 Wochen. Das Ausräumen dauert wie üblich länger als das Einräumen. Rückgabe der Yacht Problemlos.

Die Crew der „Punta D`oro“


Epilog: Das waren alles gute Nachrichten. Verschwiegen habe ich, dass uns am Abend des 19.7. vor Anker liegend die E-Mail übermittelt wurde, dass unsere 46“ für die zweiten 14 Tage wegen Falschlieferung durch die Fa. Selden doch nicht rechtzeitig wieder hergestellt ist. Fazit: da trotz intensiveren Suchen von mehreren Seiten keine Yacht mehr zu bekommen ist, Abbruch des Törns mit der Folge, dass die beiden für die zweite Hälfte vorgesehenen Segler gar nicht zum Segeln kamen. Eine traurige Bilanz.
(Ekkes)