Geschwister Thewes auf der IDM 2023 in Kiel

Mit der Teilnahme an der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) in Kiel enden für Benita und Benedikt Thewes die großen Europe Regatten für das Jahr 2023.

Für Benedikt, der vor drei Jahren in die Bootsklasse Europe umgestiegen ist, standen im Frühjahr bereits die internationale Regatta am Circolo Vela am Gardasee, die YES in Kiel, die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft in Ribnitz, die Weltmeisterschaft (WM) in Vallensbaek/Dänemark und die Jugendeuropameisterschaft (JEM) in Ustka/Polen auf dem Programm.

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Skipper of the Day 2023

„Wenn ich ein Tretboot leihe, bin ich doch Skipper!?“ Also, was soll die Frage?

Natürlich, eine/r ist immer an Bord verantwortlich, siehe auch Wikipedia. Aber darum geht es nicht, sondern für Crewmitglieder einen Tag die Verantwortung für eine Segelyacht mit Crew zu übernehmen, um ein Gefühl zu bekommen, was Skipper-sein bedeutet. Welche Aufgaben dazu gehören, was Skipper of the Day kann und weiß (oder noch nicht). Und dann kommt noch das bekannte Unbekannte hinzu, die seglerischen bzw. seefahrerischen Überraschungen, mit denen auch Skipper of the Day rechnen muss. Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: der offizielle Skipper für den Törn auf der Yacht ist und bleibt vollverantwortlich für Boot und Besatzung und hat im Zweifelsfall das letzte Wort! So gesehen, ist Skipper of the Day eigentlich eher Wachführer*in für einen Tag.

Als ich 2022 einen Dickschifftörn machte, hörte ich auf dem Partnerboot, dass Skipper Stefan Interessierten so etwas nicht zum ersten Mal anbot. Nachdem mich seine Crewmitglieder schlau gemacht hatten, war mein Interesse geweckt. Auf unserem Boot ergriff ich flugs, mit Einverständnis von Skipper Walter, die Gelegenheit und habe (zum ersten Mal) etwas in’s Logbuch geschrieben, mich wieder etwas in Seekarten-Lesen und Kurs- bzw. Position-Bestimmen eingefuchst. Die Binnenscheinprüfung war einige Jahre her und die Halbwertzeit des Wissens… weiter äußere ich mich nicht. Am Ende der Reise fragte ich Walter, ob er das auch für Noch-Nicht-Skipper machen könne anlässlich einer nächsten Segelreise.

In diesem Jahr ergab sich die Gelegenheit auf dem Törn von Greifswald nach Bornholm. Ich hatte mir überlegt, welche Kenntnisse ausbaufähig sind, was ich mir verspreche, was mir wichtig ist. Walter hatte für uns zusammengestellt, was zum Skipper-sein dazu gehört. Das war ziemlich viel und sehr aufschlussreich, beschrieb die Liste nicht nur den nautischen Aufgabenteil, sondern auch den bootsmännischen – also alles, was für Verantwortliche dazugehört, bevor es am Morgen losgeht, während der Tagesstrecke und im Zielhafen.

Kurzum, die lange Strecke quer über das baltische Meer stand bevor und Stichwort „bevor“, bevor ich mich versah, hatte ich eine neue Großaufgabe, die ich sicherheitshalber mit Crewmitglied Martin gemeinsam bewältigen wollte; außerdem hat er einen Funkschein.

Die To-Do-Liste war lang, der Abend nach dem Essen kurz, die Müdigkeit groß und 70 sm lautete der Plan für den Folgetag. Also „frisch“ ans Werk mit den Vorbereitungen für diese Themen:

– Wie komme ich aus dem Hafen Sassnitz heraus?
– Wo muss ich danach hin?
– Was erwartet uns nach Seekarte auf der Strecke?
– Welches Wetter ist angekündigt?
– Wie sieht der Zielhafen Rønne aus?
– Wann müssen wir los, um nicht zu spät anzukommen?

Gott sei Dank war die Etappe nautisch recht einfach. Die Vor-Abstimmung mit Walter ergab kaum neue Erkenntnisse. Uff.

Am Morgen hieß es, frühzeitig aus der Koje kommen, Ablegesituation und erste Kurse rekapitulieren, Ablegemanöver planen, Wetterberichte einholen, Situation an Oberdeck begutachten, Funke an, Etappenerläuterung für die Crew, Ablegemanöverbesprechung und Aufgabenverteilung vor dem Ableger sowie währenddessen. Ist viel Zeug, aber die Crew bestand aus erfahrenen Seebär*innen, die vieles im Griff hatten.

Kurz gesagt, es klappte: wir kamen ohne Komplikationen los, und dank wenig Wind, ruhiger See und angenehmen Temperaturen genossen wir – an Steuerbord die aufgehende Sonne, an Backbord die Kreidefelsen der Insel Rügen – unser Frühstück an Deck, sogar Martin und ich. Etwas überraschend konnten wir später ein Verkehrstrennungsgebiet ohne Querverkehr geradlinig queren; das war das Einzige, was mir aufgrund der Vorjahreserfahrung südlich Lolland Sorgen bereitet hatte (man wundert sich, wie die Schiffsriesen gar nicht aufhören größer zu werden, näher zu kommen, und wir sie vielleicht doch vor uns passieren lassen oder besser hinter uns, mit oder ohne unsere Kursänderung …). Naja, selbst langsame Pötte sind doppelt so schnell wie wir, viele fahren die drei- bis vierfache und manche gar die siebenfache Geschwindigkeit (Wo kommt der denn her? Der war doch eben noch gar nicht zu sehen!).

Nach vielen, teils abwechselungsarmen Stunden kam Rønne in Sicht. Unter Deck und am Kartenplotter die Hafensituation erneut checken, wann erreichen und verlassen welche Fähren mit welchen Kursen den Zielhafen, Hafenbecken und Liegeplatz auswählen, Anlegemanöver planen und vorbereiten, Leinen fest, Boot hafenfertig machen, Hafenmeister und Sanitärgebäude besuchen, Logbucheinträge abschließen, Seekarte ausradieren, Nachbesprechung (gute Infopolitik, manchmal zu schnell im Hafen, Gastlandflagge vergessen). High five, Anlegerbier, abschalten, Abendessen, schlafen.

Das hat echt Laune gemacht, viel gebracht, war für mich weniger anstrengend und herausfordernd als gedacht und gern noch mal.

Auf der Rückfahrt gab es bald ordentlich Wind, und wir konnten richtig gut segeln. Unser Gennaker kam zum Einsatz und direkt nach dem Setzen durfte ich, Sassnitz Steuerbord querab, das bekannte Unbekannte erleben. Wir hatten zwischen 13 und 14 Knoten raumen Wind, Ballonsegel und Groß gesetzt, als aus heiterem Himmel eine Bö mit 19 Knoten heranbrauste. Die Krängung nahm stark zu, unsere Yacht luvte schlagartig an, und trotz mehr und mehr Gegenruder dauerte es einige, gefühlt viel zu lange, Sekunden, bis das halb aus dem Wasser ragende Ruder in einer größeren Welle wieder griff und das Boot gerade rechtzeitig in die gewünschte Richtung fuhr (Ich hatte einen Moment wirklich Zweifel, ob ich das Ruder zur richtigen Seite drehte). Nochmals uff! Wenn das schief gegangen wäre, hätten wir einen sog. „Sonnenschuss“ erlebt. Kurz darauf noch einmal, auch gut gegangen, diesmal mit einem anderen Rudergänger. Darauf hin holten wir das Groß ein und konnten dadurch entspannter mit immer noch 7 kn durch die 1,5 m hohen Wellen rauschen.

Fazit: jederzeit wieder Skipper of the Day, am besten ohne Beinahe-Sonnenschuss oder andere Erlebnisse der dritten Art. So schwierig ist das nicht, halt eine Menge auf einmal, davon vieles Neue. Tipp: zu zweit macht der Skipper of the Day mehr Spaß, weil man seine Überlegungen teilen und besprechen kann. Nebenbei entdeckt man seine eigenen Holzwege und kann interessierte Crewmitglieder an Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen.

Eines bleibt natürlich: Der „richtige“ Skipper ist immer dabei, greift bei Bedarf ein, und die Verantwortung für Crew und Boot bleibt erheblich. Ob ich jemals Skipper sein werde, steht in den Sternen, da mir u.a. die nötigen formalen Scheine (noch) fehlen. Wie sagte Herr Beckenbauer? „Schaun mer mal.“

Text: Hans-Christoph T.
Fotos: Crew der „Becks“

Ostseetörn 2023

Die Wetternachrichten reden von einem Gewittercluster über Süddeutschland. Ob wir davon etwas im Bereich der Ostsee abbekommen? Während des Törns sahen wir am Handy Bilder von überfluteten Flugplatzvorfeldern und U-Bahnen in Frankfurt. Doch nein, wir konnten nur ein paar Tropfen zählen, ansonsten bescherte uns das Wetter auf dem Törn eitel Sonnenschein mit blauem Himmel, leider zu oft auch keinen Wind. Die Ostsee hat ihr eigenes Wetter.

Der Freitag diente – wie so oft – zur Anreise, diesmal ging es von Münster nach Greifswald an die Ryck. Dort lagen unsere Charteryachten im Hafen und warteten auf die Besatzungen. Nach ca. 6 Stunden Autobahn und oftmals Stau kamen alle glücklich an und hofften, die Yachten zügig übernehmen zu können, aber zunächst knurrte der Magen. Also: Essen in der Gaststätte mit „gesalzenen“ Preisen; weniger macht auch satt.

Dann ab ca. 22:00 Uhr ging es los: Die Yachten „BECKS“, „FREIHET“ und die „NATURE“ waren gesäubert, und wir konnten unseren Proviant und die sonstigen schönen, auch flüssigen Dinge bunkern. Als dann noch unser privates Gepäck des Seglerlebens auf der „FREIHET“ verstaut war, waren wir glücklich, zufrieden und müde.

Am Samstag sind wir ausgelaufen und zunächst von Greifswald nach Sassnitz gesegelt. Ja, was kann schöner sein, als bei ruhiger See im Angesicht der Rügener Kreidefelsen in Ruhe im Cockpit zu frühstücken. Das könnte ewig so weiter gehen, aber dafür waren wir ja nicht unterwegs. Wir wollten trainieren und etwas lernen, und so gab es öfters kleine Einlagen wie zum Beispiel BÜB = Boje über Bord; diverse Wenden und Halsen komplettierten das Programm.

In Sassnitz angekommen, meinte die dortige Wasserschutzpolizei, man könne ja mal das arme Crewmitglied stören, das da kartoffelschälend an Deck saß. Sehr höflich, aber auch sehr bestimmt wurde uns mitgeteilt, dass die Wasserschutzpolizei prüfen möchte, ob die Vercharterer ihren Job, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit, gut gemacht hatten. So ging es fast 45 Minuten durch alle Höhen und Tiefen der Dokumentationen, bis zum Schluss das Thema Automatikwesten kam. Der Vercharterer muss alle Westen betriebsfertig übergeben, diese sind aber nur betriebsfertig, wenn die Patronen eingesetzt sind. Das war aber bei drei Westen nicht der Fall; wir waren ja auch nur 6 Personen, und die hatten alle private oder Charterwesten mit eingesetzter Patrone. Der Vercharterer bekommt wohl einen Liebesbrief, ansonsten war alles ok, und die Kartoffeln wurden danach zu Ende geschält.

Nach einer schönen Nacht setzten wir am Sonntag zum ersten großen Sprung nach Bornholm an; Zielpunkt war die Marina Rønne. Ausgedehnte „offshore Windparkprojekte“ wie Baltic Eagle, Arkona und Wikinger etc. etc. lagen auf unserem Kurs, also immer am Rand entlang erreichten wir nach vielen Stunden den Hafen von Rønne. Die Sonne schien den ganzen Tag, und erste Anzeichen von Sonnenbrand machten sich breit.

Am Montag hieß dann das Ziel Nexø. Im Hafen von Nexø hat unser Skipper Stefan Meyer mit der gesamten Crew ein Hafentraining durchgeführt; das hat wirklich etwas gebracht.

Dienstag sind wir nach Christiansø, zu den Erbseninseln zum Erbsenzählen gesegelt. Erbsen zählen? Aber nein, Christiansø entpuppte sich als ein idyllischer Ort, der auch entsprechend Zulauf bei den Seglern hatte. Liegeplätze im Viererpack scheinen dort normal zu sein. Nach einer kleinen Erkundung der Insel Christiansø fuhren wir weiter zum Hafen von Gudhjem auf Bornholm. Dort hatten wir keinen Landstrom, dafür aber sehr leckeres Eis, was durchaus Zuspruch fand.

Am Mittwoch erreichten wir unser letztes Ziel beim Törn rund um Bornholm: den Hafen von Hasle. Nach einer gemütlichen Runde an Deck wurde verkündet, das wir am nächsten Morgen ohne Frühstück um 05:00 Uhr auslaufen wollen, da wir am Donnerstag die längste Tour vor uns hatten. Schnell verbreiteten sich gewisse Schlaftöne an Bord und jeder versuchte, für den kommenden langen Tag gewappnet zu sein.

Am anderen Morgen polterte es schon weit vor 5 Uhr – schnell noch duschen und die Toilette erledigen – bevor es losging. Der Ordnungsruf des Skippers Stefan katapultierte auch die letzten beiden Duschkönige aus dem Häuschen, und ab ging es in die aufgehende Sonne hinein. Irgendwie hat uns der Wind immer gemieden, jedenfalls mussten wir ca. ¾ der Strecke unter Motor fahren, dies gepaart mit einem seitlichen heftigen Geschaukel, das für den einen oder anderen recht anstrengend wurde.

Bornholm verschwand am Horizont, die Sonne knallte von oben, der Motor lief und lief, und die Windparks kamen wieder in Sicht – alles imposant zu sehen. Und dann grüßte uns Rügen aus der Ferne, wir näherten uns langsam dem Festland. Der Hafen von Gager sollte unsere letzte Station sein. Bei der Anfahrt auf den Hafen meinte der Wind plötzlich, alles zeigen zu müssen, was er kann. In der Spitze erreichten wir 7,2 Knoten – geht doch.

Am nächsten Morgen war die Rückreise nach Greifswald angezeigt. Auf der Fahrt dahin flog noch so manche Boje über Bord, und sogar eine MÜB-Übung kam dazu. Dazu verlor ein Segelkamerad seine Mütze und diese schwamm dann rot leuchtend in der Ostsee. All hands on Deck – jetzt galt es, die Mütze wieder zu erreichen, bevor sie endgültig unterging. Hat aber alles funktioniert, und die Mütze war sauberer als vorher.

Wir hatten bis zur Brückenöffnungszeit genug Zeit eingeplant, um noch ca. 3 Stunden Hafenmanöver absolvieren zu können und ohne Stau an der Seetankstelle Kraftstoff zu bunkern. Jetzt wurde es wieder hektisch, aber das kennt man ja schon: Ausladen des Proviants und des Gepäcks, staunende Gesichter über die Menge der leeren Bierdosen („waren wir das????“). Und zu guter Letzt machte das sorgfältig ausgefüllte Logbuch der „NATURE“ vom Tisch am Oberdeck die Flatter in das kühlende Nass. Panik und Hektik wurden durch den beherzten Sprung eines mutigen Segelkameraden beendet, und das wichtige Dokument bekam wieder Luft und Sonne. Aber wie bekamen wir nun den Segelkameraden wieder aus dem Wasser? Eine kleine, aber feine Strickleiter verhalf ihm wieder an Bord. Einige waren etwas neidisch, denn es war wohl eine nette feine kleine Abkühlung, und so manch anderer wünschte sich diese wohl auch.

Was gab es sonst noch? Highlight für uns alle war sicherlich die leider zu kurze Segelstrecke mit dem Gennaker. Alle konnten ihr Wissen auffrischen, so wechselten sich Segel- und Trimmmanöver und Hafenübungen mit Leinenarbeit ab. Unser Skipper hat sogar jeden Tag ein Crewmitglied als Wachführer eingesetzt, zum Üben der Schiffsführung mit Skipper-Aufgaben, Kursbestimmung und Navigation etc. Unsere 301 nautischen Meilen mit oftmals zu wenig Wind haben uns trotzdem den Alltag vergessen lassen; bei den Temperaturen machte die „dänische Südsee“ wieder ihrem Namen alle Ehre.

Voller schöner Erinnerungen und für mich persönlich mit der Gewissheit, neue (Segel-)Freunde/ Kameraden gefunden zu haben, machten wir uns wieder auf den Heimweg. Gute 6 Stunden später waren die meisten wieder zu Hause, der Boden unter den Füßen bewegte sich noch manchmal, aber das geht vorbei.

So endete der Ostseetörn 2023; aber bekanntlich ist nach dem Törn wieder vor dem Törn.

Text: Alfred Mevenkamp
Fotos: Segelbesatzungen

Einmal Stockholm & zurück – Sommer 2023

Nachdem der Vier-Wochen-„Dänemark-Rund“-Törn“ 2022 mit Teilcrewwechsel in Skagen allen Beteiligten sehr gut gefallen hatte, wurde ein vom Anspruch ganz anderer, aber im Ablauf ähnlicher, Törn für den Sommer 2023 geplant. Die Crewzusammensetzung entsprach nur teilweise der des Vorjahres: Schiffsführer waren Ingo Mühlenhöver und sein Stellvertreter Ekkes S-Krüger. Die Crew der ersten beiden Wochen bestand aus Peter D., Richard H. und Bertram H. . In den weiteren zwei Wochen wechselten sie gegen Walter D., Markus B. und Achim R. . Stockholm mit seinen Schären war bei diesem Törn das Ziel.

Schnell hat sich als Ausgangshafen Greifswald abgezeichnet, weil mit Hinblick auf häufige Westlagen bei der Rückfahrt dann weniger Wind gegenan zu erwarten war. Die Reisedauer war erneut mit vier Wochen angesetzt und der Crewwechsel für Stockholm, mit Ausweichmöglichkeiten (Plan B und C) an der Schwedischen Ostküste, anvisiert.

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Ostseetörn 2021

1. kommt es anders & 2. als man denkt: vgl. Epilog

Eine Mitseglerin meinte noch gut drei Wochen vor Törnbeginn in felsenfestem Überzeugungston: auf der Ostsee regnet es immer!
Scheinbar war sie noch nicht so oft im Sommer im Norden auf Törn.
Tatsächlich hat nahezu ganz Deutschland mit teils katastrophalen Folgen unter gewaltigen Niederschlagsmengen gelitten – nur nicht der hohe Norden Deutschlands bis hin zum dänischen Kattegat.
Die fünf Hansasegler benötigten nur an einem einzigen Tag weniger wegen Regen ihre Segeljacken als wegen vorübergehend unerwartet kühler Brise nach 12 Tagen Sonnenschein bis zum Abwinken mit sehr hohen Temperaturen.
Aber der Reihe nach.
Prolog: Ein großer Nachteil wenn man nicht mehr am Erwerbsleben teilnimmt ist, dass man keinen Urlaub mehr bekommt. Der verbleibende Vorteil: man kann mehr und länger reisen ;-).
So haben drei Hanseaten dieser Kategorie es mit Mühe geschafft relativ kurzfristig eine betagte, aber frisch refittete 46“ Yacht ab Heiligenhafen für 4 Wochen zu chartern. Geplant war zu fünft ´gen Norden zu starten und nach zwei Wochen irgendwo in einem Hafen im Kattegat zwei Segler auszutauschen. Schwierig war es überhaupt ein Boot zu bekommen, da durch den Stornostau 2020 und die erste recht späte Freigabe für das Yachtchartern in 2021 kaum noch Schiffe in der Hochsaison ab 10. Juli zur Verfügung standen, geschweige denn für vier Wochen am Stück.

Unser kleines Ersatzschiff


Glück gehabt ? Zu früh gefreut: am 7. Juli kommt eine E-Mail, dass an der gecharterten Yacht die oberste Saling gebrochen sei und sie somit nicht seetüchtig ist. Engagiert hat der Anbieter Vertragsgemäß nach einer Alternative gesucht und konnte uns über einen anderen Anbieter für zwei Wochen eine Salona 38 vermitteln. Besser die, als ganz absagen, wo doch die Seesäcke schon gepackt und viele Einkäufe getätigt waren. Die ursprüngliche Yacht sollte dann nach 14 Tagen in Heiligenhafen übernommen werden. Weit weg vom ursprünglichen Plan, aber besser als nix.

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Ostseeflottille 2019

Von Hitze bis Dauerregen, von Flaute bis Windstärke sechs, von Ruhe bis Trara – beim diesjährigen Ostseetörn (20.-26.07.) war für jeden Geschmack etwas dabei. Mit siebzehn Hanseaten auf drei Yachten erkundeten wir die dänische Südsee und legten in sechs Tagen knapp 170 Seemeilen zurück.

Los ging es am Freitagabend (19. Juli) beim Vorabend-Check-In in Heiligenhafen, wo gerade ein Rummel stattfand, sodass wir unsere Autos mit Blick aufs Riesenrad entluden. Unsere drei Schiffe hießen Ulysses, Finnyocean und Seerose; die beiden letztgenannten waren 37 Fuß-Bavarias und baugleich bis auf eine Mikrowelle in der Kombüse der Finnyocean. Unsere Seerose ließ uns immer wieder aufs Neue staunen, wie kreativ man selbst als erfahrener Yachtbauer an den Bedürfnissen des Seglers vorbei designen kann; Seeventile an den unmöglichsten Stellen, ein Navigationstisch von der Größe eines Frühstücksbrettchens, wild im Schiff verteilte Hauptschalter und zu wenige Sitzgelegenheiten am Tisch in der Messe waren nur einige der Dinge, die im täglichen Betrieb für Kopfschütteln sorgten. Dafür waren die Festmacherleinen endlich mal lang genug.

Am Samstagvormittag ging es los in Richtung Langeland. Auf See erwarteten uns kräftiger Wind und Meterwellen, die die ungeübten Mägen gehörig auf die Probe stellten. Wir erreichten Bagenkop gerade rechtzeitig vor dem Eintreffen einer dunkelvioletten Gewitterfront und legten ruhig und konzentriert an, ohne uns von dem Mann am Kai irritieren zu lassen, der wohl der Ansicht war, unser Anlegemanöver durch lautstark gebrüllte Hinweise auf das nahende Unwetter beschleunigen zu können oder zu müssen. Vielleicht hoffte er, eine Anstellung als Nebelhorn zu ergattern – die Lautstärke wäre jedenfalls ausreichend gewesen.

Der Sonntag führte uns nach Marstal auf der Insel Aero. Im Vorjahr hatten wir Aeroskobing besucht und waren ganz begeistert gewesen von dem gemütlichen Fachwerkstädtchen; Marstal kann aber beinahe mithalten. Auch hier gibt es kleine Gassen, gemütlich aussehende niedrige Häuser, massenhaft Stockrosen und obendrein im Hafen die Bonavista, ein vor kurzem renovierter Schoner aus dem Jahr 1914. Nach dem Spaziergang durch die Stadt und den Hafen (ein Softeis durfte auch nicht fehlen) beschlossen wir den milden Abend mit gemütlichem Plaudern auf der Finnyocean.

Den meteorologischen Tiefpunkt markierte der Montag, an dem wir uns von Marstal durch den Tonnenstrich nach Svendborg vorarbeiteten. Dauernieselregen war unser Begleiter, und auch beim Stadtbummel blieb es nass. Dafür gab es in Svendborg die mit Abstand urigste Bäckerei, in der man dem Bäcker bei der Arbeit zuschauen konnte, und die obendrein die leckersten Brötchen verkaufte.

So ging es am Dienstag gut gestärkt nach Omo. Der Regen war vergessen, und die Sonnencreme kam wieder zum Einsatz. Die Hitze verlangte nach Gegenmaßnahmen, und so wurde es Zeit für die Badeplattform, von der die Kids die Füße ins Wasser halten konnten; auch der obligatorische Fenderritt – diesmal ohne fiese Quallen – durfte nicht fehlen.

Im Hafen von Omo gibt es Fischer und eine Fähre, sodass weder Nase noch Ohren geschont werden – dafür lohnte aber der Gang zum nahe gelegenen Strand, der mit einer Badeplattform und einem traumhaften Sonnenuntergang punkten konnte. Obendrein gab es in Omo kostenlose Leihfahrräder, die zur Erkundung des Inselchens genutzt werden konnten.

Spodsbjerg hieß unser Ziel für den Mittwoch. Abermals umrahmte uns ein fast wolkenloser Himmel, und mangels Wind schob uns der Motor durch die See.

Am Donnerstag brachen wir noch vor dem Frühstück auf, denn vor uns lagen stolze 47 Seemeilen bis nach Burgtiefe auf Fehmarn. Der Wind hatte wieder aufgefrischt, und so konnten wir große Teile der Strecke unter Segel fahren. An Fehmarns Südwestspitze war es damit jedoch vorbei; bei strammem Gegenwind und kräftiger Strömung warfen wir den Motor an und kamen doch nur allmählich der Fehmarnsundbrücke näher. Erst zur Abendbrotzeit erreichten wir den Yachthafen von Burgtiefe und brachen sogleich zum Abschlussessen im (sehr empfehlenswerten) Restaurant “Windrose” auf. Trotz des Schwankens, das mancher Teilnehmer angesichts des ungewohnt bewegungsarmen Mobiliars zu spüren glaubte, wurde der Abend zum würdigen Abschluss eines tollen Törns.

Nach dem obligatorischen Flottillen-Gruppenfoto war es am Freitag von Burgtiefe aus nur noch ein kurzer Schlag zurück nach Heiligenhafen, und gegen Mittag machten wir unsere Seerose in ihrer Box fest. Unser Fazit war ausnahmslos positiv: Mit bester Laune, gutem Essen, größtenteils Traumwetter und genügend Wind verlebten wir eine herrliche Woche und hatten – neben unzähligen Fotos – eine gute Portion Sonnenbräune als Souvenir im Gepäck.

(Lars)

Und wer weiß – vielleicht steht in Bagenkop auch jetzt noch der seltsame Mann wie das HB-Männchen auf dem Kai und geht bei jedem einlaufenden Schiff aufs Neue in die Luft. Dem empfehle ich unser extrem entspannendes Törnvideo:

Musik: www.bensound.com