Vom Aasee zu Hochseeregatten

Vielen dürfte Anika als begeisternde Trainerin bei Optitrainings, Regattabegleitungen, vom Sommercamp oder als Organisatorin des Jugendtörns bekannt sein. Hier berichtet sie in einem Brief an den Verein von einer ganz anderen Seite ihres Segelns, Hochseeregatten auf dem Atlantik, und das auch noch sehr erfolgreich! Der HVS (Hamburgischer Verein Seefahrt e.V.) ermöglicht Jugendlichen und Jungen Erwachsenen, die Mitglied in einem DSV Verein sind, zusätzlich die Teilnahme an Hochseeregatten. Aber lest selbst…

Moin Ihr!

Im Januar dieses Jahres fand, wie alle drei Jahre, die Regatta Cape2Rio statt. Das traditionsreiche Rennen wird seit 1971 vom Royal Cape Yacht Club ausgerichtet. Auch in diesem Jahr war mit uns wieder ein deutsches Team am Start. Zusammen mit 11 weiteren Seglern durfte ich dieses Abenteuer mit der Haspa Hamburg bestreiten.

Aktuell hat der HVS zwei ca. 50ft. Schiffe, meist irgendwo in der Ost- oder Nordsee. Regelmäßig finden dann größere Regatten und Touren statt, wie Transatlantik oder auch mal die Southern Ocean Challenge auf den Pazifik. Ziel ist es, intern Wissen über mehrere Generationen weiterzugeben, junge Skipper auszubilden sowie Verantwortung und Teamgeist zu schulen. Die Schiffe werden jeden Winter durch die Segler wieder fit gemacht, sodass auch technisches Wissen bei allen vorhanden ist und Kosten für Werftarbeiten gespart werden. So wird das Mitsegeln für jeden auch finanziell ermöglicht und in Notsituationen oder bei technischen Problemen, weiß jeder was zu tun ist.  

Die Vorbereitungen haben bereits 1,5 Jahre vor dem Start begonnen und nachdem im Februar 2019 die Crew feststand, ging die Arbeit richtig los. Ein Qualifier von 500 Meilen wurde im Juni absolviert und ab August stand das Schiff für die anstehenden Arbeiten in der Werft. Im November wurde das Schiff auf einem Frachter nach Kapstadt verladen, wo zwei Teamkollegen und ich es dann Anfang Dezember empfangen haben. Der Dezember war dann geprägt durch das Aufbauen und Stellen des 30m hohen Mastes sowie weiteren Schiffsarbeiten. Kurz vor Silvester kam der Rest der Crew an. Ab dann startete das Training in den Wachen und mit den neuen Segeln, sodass wir gut vorbereitet in das Rennen starten konnten.

Am 11. Januar 2020 sind wir dann endlich hochmotiviert nach Rio gestartet und hatten ein sehr angenehmes Rennen mit hauptsächlich achterlichen Winden, sodass wir meist unter Gennaker Richtung Westen segeln konnten. Mit der Zeit wurde es immer wärmer, der Wind blieb meist konstant zwischen 10 und 20 Knoten und wir machten ordentlich Strecke. Kurz vor Brasilien erwartete uns das erste und einzige Tief mit bis zu 42 Knoten Wind, dass wir nach längerer Beobachtung und einer internen Absprache als südlichstes Schiff mitgenommen haben. Ganz zu unserem Vorteil, sodass wir am Ende weniger lang in der Flaute hingen und gewannen die Line Honors als schnellster Monohull. Am 28 Januar nach knapp 17 Tagen kamen wir sicher und überglücklich in Rio an. Mit dem Erfolg hatten wir nicht gerechnet. Nach der Berechnung sind wir am Ende mit einem guten 4. Platz auf der Siegerehrung begrüßt worden.

David, unser Mediabeauftragter, aber auch sehr guter Segler aus dem Team, hat die Regatta in einem Film mit Interviews von uns zusammengeschnitten. Anbei findet ihr den Link zum Youtube – Video. Auf dem Kanal sind auch noch weitere Filme aus der Vorbereitungszeit und von anderen Regatten.

Viele Liebe Grüße von Anika