Jugendtörn Friesland 2018

Am 10.05.2018 starteten 15 junge Segler zum Jugendtörn in Friesland.

Um 11 Uhr starteten wir mit unseren Teamern in Heeg den zweiten Jugendtörn, der noch einige Überraschungen bereithalten sollte. Die erste schon am späten Nachmittag dieses Tages. Anas hatte die Idee, ein paar Leute auszutricksen. Die einen sollten herusfinden, was die anderen kaufen. Das andere Team tat aber nur so. Ganz geklappt hat das nicht, denn mein Team (das was „einkaufen“ sollte) wollte mit Anas funken, doch wir bekamen keine Signale von ihm. Als wir schließlich zurück am Hafen waren, wussten wir auch warum: Anas hatte das Funkgerät versenkt. Nach ein paar Versuchen mit unterschiedlichen Tricks holte er es wieder hoch. Das war das erste Tauchen.

Am Morgen dess 11.05. war unser Boot von innen feucht. Losgefahren sind wir dann in anderer Konstellation als wir geschlafen haben. Später sind wir auch alleine auf einem Boot gefahren. Am Festland, wo wir uns um halb vier festmachten, trafen wir Olivier. Hier gab es ein Bauernhoffest, bei dem man Vla umsonst bekam. Außerdem gab es dort ein Trampolin, auf dem wir gesprungen sind. Nach guten anderthalb Stunden Aufenthalt dort fuhren wir gegen viertel nach fünf weiter in Richtung einer Insel. Auf der gleichen Insel waren wir letztes Jahr auch. Aber dieses Jahr brannte es dort nicht. Also besser gesagt, nicht so wie letztes Jahr. Dieses Jahr machten wir dort ein Lagerfeuer. Dafür mussten wir durch Dornen laufen, um uns Holz zu holen, aber dafür hatten wir es an dem Abend warm.

Am 12.05. musste schon wieder getaucht werden, denn wir hatten einen Topf versenkt. Dieses Mal ist aber Jan tauchen gegangen. An diesem Tag fuhren wir eine längere Strecke durch einen Kanal. Im Hafen, in dem wir einliefen, wurde wieder etwas versenkt: Linus versenkte sein Portemonnaie. Jan konnte es erfolgreich bergen. Danach wurde Anas in einem Bootsmannstuhl hochgezogen. Danach klingelte auch schon wieder die Alarmglocke der Taucher: Noch ein Portemonnaie versenkt von jemand anderem in diesem Hafen.

Am nächsten Tag fuhren wir dann Richtung Starthafen. Dabei fuhren wir an einem halb versunkenen Polyvalken vorbei. Im Hafen konnten wir dann unsere Schiffe heile übergeben. Nur das Funkgerät sagte nichts mehr.

Die vier Tage haben viel Spaß gemacht, und ich freue mich schon aufs nächste Jahr!

(Lucas)

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Baldenopti 2018

…oder „Verflixte Schot am Baldeneysee“

Die Regatta Baldenopti am Baldeneysee in Essen wurde vom SKEH von Samstag bis Sonntag vom 11. bis zum 12. Mai 2018 ausgetragen.

Ich war schon am am Donnerstag und Freitag vorher am Baldeneysee im Nachbarverein und hatte Training mit meiner SV-NRW Fördergruppe. Am Donnerstag hatten wir sehr gute Windverhältnisse und konnten sowohl am Morgen als auch am Nachmittag segeln und uns auf die Regatta vorbereiten. Am Freitag gab es nur sehr wenig Wind, da hatten wir wenig gesegelt, aber dafür einen intensiven Theorietag gehabt. Wir machten Trainingsregatten mit einer anderen Trainingsgruppe, die sich auch auf die Baldenopti-Regatta vorbereitete. Bei den Trainingsregatten hatte ich mehrmals sehr gute Ergebnisse. Ich fühlte mich auf die Regatta gut vorbereitet und hoffte auf eine gute Platzierung.

Als am Samstag die Regatta begann, fehlte jedoch der Wind. Es gab einen Wettlauf um 14:00 Uhr und einen weiteren um 15:00 Uhr. Da der Wind nicht anhielt, wurden beide Läufe abgebrochen. Wir wurden zum Hafen geschickt. Wir segelten später noch mal, aber es kam kein Start zu Stande. Am Sonntag fanden dann drei Läufe bei etwa drei Windstärken statt.

Beim ersten Lauf hatte ich einen schlechten Start. Ich begann als drittletzter, konnte zwar viele andere Segler später noch überholen, wurde nur 13.. Ich ärgerte mich über den schlechten Start und wollte beim nächsten Lauf besser starten. Beim zweiten Lauf war mein Start in Ordnung, aber ich bekam kurz nach dem Start Probleme mit meiner Schot. Meine Schot verdrehte sich im Schotblock, so dass ich sie nicht mehr ziehen konnte. Alle Kinder segelten an mir vorbei, da ich nicht vom Platz kam. Irgendwann hatte ich die Schot entwirrt und konnte weiter segeln. Der Abstand zwischen mir und dem letzten Segler war von der L-Tonne bis zur W-Tonne. Dieser Lauf war für mich gelaufen. Ich schaffte es noch den letzten Segler einzuholen und wurde somit 25. und von 26 Kindern.

Da ich meine Schot entwirrt hatte, ging ich mit viel Hoffnung in den dritten Lauf. Diesen Lauf startete ich gut, ich war im ersten Viertel. Aber nach kurzer Stand Zeit stand ich erneut mit meinem Boot, weil sich meine Schot wieder in Schotblock fest verdreht hatte. Auch dieses Mal konnte ich die Schot entwirren, habe aber dabei viel Zeit und meine Position verloren. Ich habe den dritten und letzten Lauf als 13. beendet. Auf Platz 18 war ich insgesamt. Zufrieden bin ich mit dem Ergebnis nicht, aber ich habe trotz der Probleme immer weiter gesegelt und versucht das Beste zu machen. Warum die verflixte Schot sich so verdreht hat, weiß ich nicht, aber ich habe sie am nächsten Tag ausgewechselt und werde sie nicht mehr benutzen.
Der SKEH war ein guter Gastgeber und die Regatta war sehr gut organisiert.

(Demir T. Onay)

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Black Swan Opticup 2018

Spaß am Aasee

Am letzten Wochenende vom 05. bis zum 06. Mai war beim SCM Black Swan. Ich bin zum ersten Mal gekentert und habe dafür bei der Preisverleihung ein Handtuch gewonnen. Es gab Brötchen am Morgen und Kuchen am Mittag. Ich fand es blöd, dass die eine Tonne in einem Windloch lag. Insgesamt sind wir vier Wettfahrten gesegelt, von denen man eine streichen konnte. Gut fand ich, dass ich Dritte geworden bin, weil ich noch nie so eine gute Platzierung hatte. Außerdem fand ich gut, dass der SHM insgesamt so weit vorne lag und dass Nikolas so ein guter Trainer war.

Beim Zurücksegeln ist Max einmal extra gekentert und viele andere sind auch ins Wasser gesprungen und haben Quatsch gemacht. Jonah musste gezogen werden, weil beim Lossegeln sein Ruder gebrochen ist.

Und zum Schluss sind alle im Hansahafen ins Wasser gesprungen. Ich fand es insgesamt ein tolles Wochenende, weil genau mein Wind war.

(Jule Heiny)


Am 5. und 6.5.2018 fand am Aasee die Black Swan vom SCM statt. Mit 7 Startern in C und 12 Startern in B ging es am Samstag los. In der 3. Wettfahrt auf dem Vorwindkurs kam dann mehr Wind, und darauf wollte ich mit dem Ellbogen die Wassertemperatur messen, dann kam eine Böe und ich bin rückwärts aus dem Boot gefallen. Darauf folgend ist Jule Heiny gekentert und ein anderer vom SCM auch.
Die Tretboote haben ziemlich gestört und auch eine Tonne versetzt. Am Sonntag ging es dann etwas früher los.
Das war die erste Black Swan Regatta mit so viel Wind und Sonne.

(Julia Woehl)

Die Platzierungen gibt es bei Raceoffice (Opti B / Opti C).

Bildergalerie

Opti-Sparkassen-Cup Kemnader See 2018

Zur diesjährigen Opti B Regatta waren wir als SC Hansa mit fünf Mitgliedern stark vertreten.

Es gab schönen Sonnenschein aber leider etwas wenig Wind, doch das Hansa Team schaffte es, sich bis zur Spitze durchzukämpfen. Auf den zweiten Platz kämpfte sich Julia Woehl, auf dem fünften Platz folgte Lucas Woehl, auf dem siebten Finn Petzold, auf dem neunten Benedikt Thewes und auf dem sechzehnten Platz Demir Toran Onay. Zwischendurch konnten sich die Eltern Kuchen oder eine Bratwurst abholen.

Außerdem gab es eine schöne Siegerehrung mit tollen Preisen, die man sich aussuchen konnte. Und die drei Ersten kriegten ein Sparschwein mit etwas drin.

Finn Petzold

Die vollständige Ergebnisliste gibt es bei Raceoffice; auf der Website des Hattinger Segelclubs gibt es eine umfangreiche Bildergalerie.

Ausleger ins Wasser

 Der See ist noch von Eis bedeckt. Hansasegler hält das nicht auf. Unter der Leitung von Klaus Veelker haben heute warm angezogene Aktive die Ausleger in den Hafen gelegt. Die Aktion begann um 11:00, Ulrich R. hatte schon sein Transportgerät bereitgestellt.

Gegen 14:00 war es nach reichlich Kaffee und Kuchen geschafft. Die Gruppe der Helfer war groß, nicht alle sind auf dem Foto zu sehen. Bleibt nur der Wunsch nach wärmeren Temperaturen am 16. und 17. März bei „Boote ins Wasser“.

(Helmut H.)

Die neue Homepage geht an den Start!

Willkommen auf der brandneuen Homepage des Segelclubs Hansa-Münster!
Wir haben im vergangenen Dreivierteljahr eine völlig neue Seite aufgebaut, die wir anlässlich der Mitglieder­versammlung am 10. Februar 2018 in Betrieb genommen haben.

Vielen Dank an Ekkes, der die bisherige Seite mehr als ein Jahrzehnt lang aufgebaut, betrieben und gepflegt hat! Wir haben einen riesigen Schatz an Informationen vorgefunden, den wir in die neue Seite übertragen haben. Über die neue Suchfunktion lässt sich nun so manches alte Schätzchen wiederfinden, und durch die Schlagwörter gelangt man zu verwandten Inhalten und kann sich stundenlang in alten Geschichten verlieren…
Danke auch an alle, die zur neuen Seite beigetragen haben, sei es durch Fotos, Texte, Informationen oder Anregungen!

Mit dem Start der neuen Seite ändern sich ein paar Dinge: So wird es zum Beispiel viel einfacher, neue Informationen ins Netz zu stellen, da unser Basis-System WordPress hierfür eine leicht zu bedienende Oberfläche bereitstellt. Wer sich nicht scheut, kann also selbst als Autor für neue Beiträge aktiv werden und entlastet dadurch uns als Administratoren. Für Interessierte wird es in Kürze eine Einweisung als Sonder-Themenabend geben; Details hierzu geben wir per e-Hanseat bekannt.
Neue Termine, die im Hansa-Terminkalender angezeigt werden sollen, nehmen Katharina und Anas entgegen. Diesen Kalender kann man sich auch in den eigenen Kalender (Smartphone oder PC) einbinden; die URLs dazu gibt es auf der Kalender-Seite.

So eine Homepage lebt davon, dass sie immer informativ und aktuell ist, und um das zu erreichen, brauchen wir Eure Hilfe! Wir brauchen Eure Berichte über alle Events, Regatten, Törns, Feste, Workshops…, die im Hansa stattfinden. Wir brauchen Eure Fotos. Wir brauchen Euren Input, wenn es neue Informationen gibt (Neuer Obmann? Neues Boot? Neuer Theoriekurs?). Wir brauchen Eure wachsamen Augen, die Fehler auf der Seite entdecken. All diese Informationen könnt Ihr uns künftig ganz einfach per Mail zukommen lassen, und zwar an webmaster@segelclub-hansa.de. Weitere Kontaktmöglichkeiten sind in Planung; mehr dazu in Kürze.

Wir wünschen Euch viel Spaß mit der neuen Seite und freuen uns auf Eure Rückmeldungen!

Eure Webmaster
Gerit und Lars

Eisbärenregatta Bremerhaven 2017

wenig Wind am 1. Tag

Am Wochenende habe ich an der Eisbärenregatta (4.—5.11.) in Bremerhaven teilgenommen. Es gab 34 Boote in A und in B gab es 37. Insgesamt hat der Wind viel gedreht, aber am Sonntag war ein bisschen mehr Wind.
And the Winner is ...Es war eine schöne und gute Regatta, weil alle so nett waren und die Veranstalter (der Club) alles gut organisiert hat und wir konnten alle viel Spaß haben. Am ersten Tag haben wir 3 Läufe gemacht. Der Kurs war sehr lang und ich konnte insgesamt den 2. punktgleich mit dem ersten Platz erreichen.
Am zweiten Tag hat Ole Schweckendiek vom Far East Team 3 erste Plätze gefahren und damit wäre er vor mir. Doch als ich und Josh Berktold (ETuF) gegen ihn protestieren wollten, weil Ole auf dem Vorwind Josh den Raum genommen hat und ich das gesehen habe (ich war Zeuge), hat die Wettfahrtleitung gesagt, dass Ole ein BFD hatte und dann hat es sich nicht mehr gelohnt zu protestieren. Damit war ich dann vor Ole und habe die Regatta dann gewonnen. (Max Stiff)

Rund Rügen 2017

Ein Bericht von der „Urfin“

DSC_5174Vom 22. bis zum 28. Juli umrundeten wir als vierteilige Flottille die Insel Rügen entgegen dem Uhrzeigersinn. Unsere vier Yachten trugen die ebenso wohlklingenden wie extravaganten Namen „Ougenweide“, „Madita“, „Woy Woy“ und „Urfin“. (Es gibt Gerüchte, dass Uwe Ochsenknecht beim Vercharterer für die Namen zuständig ist… 😉 ) Wir bestritten die Tour an Bord der 37,5-Fuß-Hanse „Urfin“, deren Name einem russischen Kinderbuch über einen Tischler entstammt – passend dazu zierte ein wild aussehender Nussknacker unser Großsegel. Unsere Crew war mit sechseinhalb Personen die teilnehmerstärkste.

Am Samstagvormittag trafen wir in Greifswald ein und übernahmen unser Schiff, das in den kommenden sechs Tagen unser Heim sein würde. Nach Formalitäten und Beladung konnte es am Nachmittag endlich losgehen; wir motorten frohen Mutes ostwärts durch den Fluss „Ryck“, durchquerten die historische Wiecker Klappbrücke und steuerten hinaus auf die Ostsee. War die Fahrt bis hierher noch geruhsam gewesen, wurde sie jetzt umso ungemütlicher – kräftiger Wind, kernige Wellen und aufkommender Regen verlangten nach Ölzeug und voller Konzentration. Da der Nachmittag schon weitgehend verstrichen war, sputeten wir uns, um unser Ziel Gager zu erreichen, wo wir dann auch als letzte ankamen. Nach einem Anlege-Geduldsspiel (Einfädeln der Vorleine in die Mooring-Öse bei seitlichem Wind) bereiteten wir ein schmackhaftes Abendessen und gingen früh in die Kojen – immerhin hatte der Tag anreisebedingt um zwei Uhr früh begonnen…

Eine Unwetterprognose ließ uns den Sonntagvormittag an Land verbringen; der Hügel im örtlichen Naturschutzgebiet wurde erklommen. Am Nachmittag fädelten wir die Vorleine wieder aus und setzten Kurs in Richung Sassnitz. Die Fahrt verlief bis kurz vor dem Ziel weitgehend ereignislos, doch dann zog von Westen eine kleine aber äußerst düstere Gewitterfront auf: Unter einer tiefgrauen Wolkenwalze trieb der Wind helle Wolkenfetzen im Kreis vor sich her – ein beeindruckendes Schauspiel! Glücklicherweise war die graue Wand so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war, und wir konnten in aller Ruhe im Hafen Sassnitz festmachen.

Für Dienstag waren massenhaft Wind und Regen angesagt, sodass ein ganzer Tag ausfallen würde. Also hieß es den Montag nutzen, um möglichst viel Strecke zu machen, und wir starteten noch vor dem Frühstück bei bestem Wetter zu einem langen Schlag. Das Frühstück wurde aufs Stilvollste nachgeholt: Die berühmten Kreidefelsen an Backbord, genossen wir den Morgen mit knusprigen Brötchen, selbstgemachter Marmelade und frischem Kaffee, während der Motor uns die Küste entlangschob.
Einen sonnigen Segeltag später trudelten wir am Nachmittag in Kloster auf Hiddensee ein. Der Hafen war bereits gut gefüllt, sodass für uns nur ein Päckchenplatz in der dritten Reihe übrig blieb; so bedeutete jeder Landgang das Überqueren der „Woy Woy“ sowie des Schiffs eines frischgebackenen Eigners, der darauf bestand, dass sein Neuerwerb ausschließlich barfuß oder auf Socken zu betreten sei. Angesichts der Dauerregens am folgenden Tag geriet dies zum umständlichen Prozedere, und am Dienstagabend besaß ich kein trockenes Paar Schuhe mehr.
Doch zunächst genossen wir den sonnigen Abend; ein Teil unserer Crew brach zum Strand auf, und wir folgten der Woy Woy-Crew zu Willis Fischkutter, wo es sehr gute Bismarckheringsbrötchen gab.
Doch Hiddensee hatte noch etwas zu bieten: Mücken! Die Plagegeister waren allgegenwärtig; allerdings ahnten wir nicht, dass das gegen Lubmin noch vergleichsweise harmlos war.

Der Dienstag hielt sich an die Prognose und beschied uns Dauerregen, sodass wir in Ölzeug den Leuchtturm besichtigten (ihn mangels Fernsicht aber nicht bestiegen) und ansonsten nicht viel taten. So mancher wird wohl froh gewesen sein, dass das Hafen-WLAN ganz brauchbar war. Obendrein statteten wir der „Woy Woy“ so manchen Besuch ab – weil es sich dort so nett plaudern ließ, aber auch aus Ehrfurcht vor den immensen Vorräten an allen denkbaren Gaumenfreuden, die dort gereicht wurden. Wer diese Crew in der Flottille hat, wird nicht verhungern! 🙂

Am Mittwoch hieß unser Ziel Stralsund. Wir folgten dem Fahrwasser bei gutem Wind südwärts und bereiteten uns schon auf das Einlaufen vor, als unser Motor nicht mehr ansprang! Dank tatkräftiger Hilfe der anderen Crews und dem seglerischen Können unserer Skipperin gelang das Anlegen unter Segel nahezu problemlos – einzig ein Fender löste sich und brach zu seiner eigenen Reise durch die Ostsee auf. (Wir wünschen ihm alles Gute!)
Kaum standen wir nach überwundenem Schreck an Land, schon zeigte sich der Hafenmeister und begrüßte uns mit einem Maß an Freundlichkeit, das andere Menschen nur an den Tag legen, wenn man ihnen den Autolack zerkratzt. Glücklicherweise verstand er früher oder später, dass wir einen Motorschaden hatten und nicht in der Lage waren, woanders hinzufahren. Als dann der Elektriker unser Anlasserproblem soweit behoben hatte, dass der Motor wieder ansprang, konnten wir uns auf den Weg in die Stadt machen. Die Altstadt von Stralsund ist sehenswert! Wir schauten uns ein wenig um und aßen dann gepflegt zu Abend, bevor wir zum Hafen zurückschlenderten und den Tag mit Plauderei an Deck ausklingen ließen.

Am Donnerstag trennte sich die Flottille, da der Großteil bereits nach Greifswald zurücksegelte, um am Freitag früh zur Heimreise aufzubrechen. Wir hingegen hatten mehr Zeit, da wir unseren Urlaub an der Ostsee noch fortsetzen würden, und steuerten Lubmin an, das bereits kurz vor der Nordspitze von Usedom liegt. Bei angenehmem Wetter und günstigem Wind segelten wir geruhsam südostwärts und erreichten schließlich den Lubminer Yachthafen, der so weit von der Ortschaft entfernt liegt, dass wir gar nicht erst erwogen, hinüberzulaufen. Stattdessen liefen wir zum Strand und steckten die Füße ins Wasser, allerdings näherte sich abermals ein Gewitter, und wir verbrachten den Rest des Abends unter Deck mit Kartenspielen und Mückenjagd – derartige Schwärme von Blutsaugern habe ich noch nicht erlebt! Trotz chemischer Gegenmittel waren wir alsbald hoffnungslos zerstochen; eine flüchtige Zählung ergab bei den Kindern jeweils rund zwei Dutzend Stiche.

DSC_5324Der Freitag zeigte sich weitgehend sonnig, während wir nach Greifswald zurücksegelten und wieder in den Fluss einbogen, der zum Yachthafen führte. Wir entluden die „Urfin“ und übergaben sie wieder dem Vercharterer. In den vergangenen sechs Tagen hatte sie uns klaglos um Rügen herumgebracht und nur einmal aufgemuckt, als der Startermotor stumm blieb. Ansonsten war sie gutmütig und gut zu segeln; einzig das riesenhafte Steuerrad erforderte so manchen Tanz, um drumherum zu kommen, und es fehlte an Kleiderhaken! 🙂

Wir danken den Organisatoren des Törns für eine gelungene Woche auf der Ostsee, und wir danken unseren Mitseglern Anne und Walter für einen harmonischen und lustigen Törn – das hat Spaß gemacht!

Linus, Julia, Lucas, Susann und Lars

Lasercup 2016

Laserlager 2016
Am letzten Oktoberwochenende 2016 war es wieder Zeit für den Lasercup des SHM. In diesem Jahr konnte der Hansa bei traumhaftem Spätherbstwetter insgesamt 63 Seglerinnen und Seglern aus ganz Deutschland – ein Segler ist sogar aus Italien angereist – begrüßen.
Mobile Camp SHM 2016 Lasercup
Selbst der Wind, der eigentlich auch Wochenende gehabt hätte, schaute am späten Vormittag vorbei. Nachdem die Wettfahrtleitung den Starterinnen und Startern in der Steuermannsbesprechung alle wichtigen Informationen zu den Wettfahrten mitgeteilt hatte, hieß es dann umziehen und ab auf’s Wasser!

Leider hatte sich der Wind vor dem ersten Start dann endgültig entschieden, den Weg durch den Zookanal zu nehmen, so dass der Startponton noch einmal „umgeparkt“ werden musste. Aufgrund der Größe des Feldes wurden die einzelnen Klassen dann getrennt gestartet. Den Anfang machten die Radialsegler – die größte Gruppe mit 30 Startern – gefolgt von den Standards (20 Starter) und den Nachwuchsseglern mit den 4.7 (13 Starter). Nach einem Fehlstart bei den Radialseglern klappte der zweite Startversuch dann reibungslos und die Felder setzten sich in Bewegung. Bei dieser Wettfahrt wurde in allen Klassen um jeden Platz gekämpft! Als hätten die Seglerinnen und Segler geahnt, dass es die einzige Wettfahrt an diesem Wochenende bleiben sollte.
Wenig "Wind"
Denn beim Countdown zur zweiten Wettfahrt zeigte der Aasee dann wieder sein typisches Gesicht – häufig drehende Winde, so dass hier keine fairen Wettbewerbsbedingungen mehr gegeben waren und die Wettfahrtleitung nach zwei Versuchen den Start endgültig abgebrochen hat. Im Anschluss wurde dann entschieden, dass am Samstag keine weiteren Wettfahrten mehr stattfinden werden. Also konnte dann der gemütliche Teil beginnen – für die jüngeren Starterinnen und Starter mit einem heißen Kakao für die Älteren mit einem Anlegeschluck …
Auch der Sonntag begrüßte die Aktiven mit schönstem Wetter und einer sehr sehr leichten Brise. Daher hieß es dann erst einmal abwarten… – beim gemeinsamen Mittagessen wurde dann die Entscheidung der Wettfahrtleitung bekannt gegeben, dass der Lasercup 2016 beendet sei. Bei der anschließenden Siegerehrung freuten sich die Hansasegler vor allem über den 2. Platz von Lean Hohenlöchter, den 4. Platz von Jan Niemann und den 6. Platz von Merle Wiebe in der Klasse 4.7 und den 6. Platz von Christopher Möhring in der Klasse Radial. Die Erstplatzierten durften sich außer über die Platzierung und einen Pokal noch über wertvolle Sachgeschenke freuen.
Und dieses Regattawochenende wäre natürlich ohne die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer, sei es in der Wettfahrtleitung oder an der Theke oder am Grill, nicht möglich gewesen. Ein ganz besonderer Dank gebührt dabei zum einen den beiden Cheforganisatoren Emese und Jörg Möhring, die immer freundlich und gut gelaunt für einen reibungslosen Ablauf sorgten und zum anderen den Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern Beermann, Bruns und Kraise, der Fahrschule Ulf Imort und dem Kosmetikstudio Raphaela Schmidt für ihre großzügige Unterstützung.
Je die bsten 3 in den 3 Klassen

Sven Gregor, 1. Platz, 4.7 Lean Hohenlöchter 2. Platz, 4.7 Lennart Feldhoff, 3. Platz, 4.7 Leonie Siepmann, 3. Platz, Radial Tim Conradi, 1. Platz, Radial Florence Permantier 2. Platz, Radial Jerome Peck, 3. Platz, Standard Gregory Lucas Keizers, 1. Platz,Standard Jens-H. Thiele, 2. Platz, Standard

Oben im Bild zu sehen die jeweils drei Besten der drei Laserklassen aus. Platzierung und Name: einfach drauf zeigen. Es gibt natürlich auch die Gesamtergebnisliste und eine Fotogalerie.

 

Absegeln 2016

Bodennebel


Am Morgen und Vormittag des 23.10. hätte mann zunächst meinen können, ohne GPS oder zumindest Kompass und Logge darf niemand beim diesjährigen Absegeln den ortssicheren Bootssteg verlassen, denn dichter Bodennebel verschleierte den ganzen Aasee.
Absegeln
Aber die Wettervorhersage sollte diesbezüglich recht behalten: nach und nach setzte sich die Sonne durch und um 14 Uhr ertönte wie vorgesehen das Startsignal zur diesjährigen Absegelregatta des SHM. Tapfer hielten die Mannschaften die Wettfahrt bei eher schwachem Wind und Temperaturen im einstelligen Bereich durch, vieleicht angetrieben von der Vorstellung danach im warmen „La Vela“ bei heißem Kaffee und leckerem Kuchen noch in anregenden Gesprächen das Segeljahr revue passieren zu lassen.

 

Amalfiküste und Golf von Neapel ’16

AnlegerDer Mittelmeertörn des SHM fand wie in all den letzten Jahren von einer Woche vor und der ersten Woche in den Herbstferien statt (01.10.-08.10.-15.10.2016).
In diesem Jahr wurden vier Yachten von 36 bis 45 Fuß länge besetzt: je eine Dufour 365 und Dufour 455 sowie zwei Sun Odyssey 439.
Ausgangshafen war Salerno, der partielle Crew­wechsel fand auf der Insel Procidia statt.
Wichtigstes kulturelles Ziel waren die Ausgrabungs­stätten von Pompeij. In beiden Wochen war Gelegenheit sie ausgehend von Sorrent mit der Circumvesuviana in heissem Ritt aufzusuchen.

Hier der Bericht von Matthias:

Flottille Hansa Amalfiküste und Golf von Neapel

Am 1. Oktober in aller Frühe um 4 Uhr machten sich 28 Seglerinnen und Segler vom SHM auf, die Weiten der Amalfi-Küste und des Golfs von Neapel zu erkunden. Dom/Kathedrale von AmalfiDie Anreise klappte trotz zweier unterschiedlicher Flug­routen reibungslos, und die beiden Reisegruppen trafen sich nach leichter Zitterpartie wegen des Gepäcks, das etwas lange auf sich warten ließ, vorm Flughafen Capodicino in Neapel. Der Bus wartete schon, und es konnten noch etwa zwei Stunden in Neapel verbracht werden, wo noch zwei weitere Reisende zur Gruppe hinzustießen.
Die Reise ging weiter bis die SHM-Segler in Salerno vier bemerkenswert gut ausgestattete Segelyachten übernehmen konnten. Am Sonntag sollte es losgehen, doch das Wetter war düster und es regnete in Strömen. Gewitter und Regen sollten uns in den Folge­wochen noch öfter begleiten. So verzögerte sich die Abfahrt, und man verständigte sich auf Amalfi als erstes Etappenziel.
Auf dem Wege dorthin führten einige verzweifelte Versuche, Marina Coppola/Amalfidie Segel zu setzen jedoch leider nicht dazu, dass der Wettergott auch nur einen Hauch Wind zur Verfügung stellte, und die Weiterfahrt konnte nur unter Motor erfolgen. Kurz vor Amalfi wurde die Flottille dann vom „Pirata di Porto“ geentert und Schiff für Schiff mit gekonnter Routine in den Hafen Coppola verbracht, wo die Schiffe zwar sicher, aber sehr unruhig bei knapper Wassertiefe an einem Schwimmsteg lagen.
Am nächsten Tag ging es mit genauso viel Wind weiter Richtung Capri, unterbrochen durch einen kurzen Stopp zum Schwimmen in der Bucht Seno di Ieranto nahe dem Punta Campanelle noch auf dem Festland der Halbinsel Sorrent kurz vor Capri.
Tags drauf ging es vom touristisch stark geprägten Capri weiter mit ein wenig mehr Wind, der aber auch nur kurze Segelversuche zuließ. Die Flottille erreichte Isola di Nisida, die sich nicht nur als geschlossen herausstellte sondern auch eine aufgegebene Industrieumgebung aufwies. Das Endlich ..hinderte den „Patrone di Porto“ jedoch nicht daran 200€ pro Schiff zu verlangen, ohne sanitäre Anlagen oder ähnliches. Nach einigem Verhandeln und etlichen Rück­sprachen des Hafe­nmeisters mit seinem Patrone verständigte man sich auf erträgliche 300€ für die gesamte Flottille.
Dann endlich kam der erste richtige Segeltag. Mit Wind um 3-4 Bft aus Richtung Neapel flog die Flotte nur so dahin Richtung Sorrento. Nachdem sich die Mira über Funk zu einer Regatta bekannte, gab es ein heißes Rennen um die Führung. Zunächst setzte sich die Passion in Führung, verschenkte aber deutlich Raum.
Hart, aber fair ...
Ein geschicktes Wendemanöver der Roberta brachte die Passion dann in eine Ausweichsituation, zu der diese jedoch erst durch ein deutliches Achtungsignal der Roberta ermuntert werden musste. Offenbar Segeln ...wollte der Kommodore der Passion mit seiner Crew das Manöver des letzten Augenblicks trainieren. Durch das Manöver setzte sich die Crew der Roberta deutlich in Führung und erreichte die Marina Grande von Sorrent als erste, vor der sie längere Zeit auf die anderen Schiffe wartete und den letzten Wind für Manöver ausnutzte.
Auch ermunterte der Kommodore andere Crew­mitglieder gerne zum fleißigen Funk­training, was jedoch bis Törnende nicht zu prüfungs­tauglichen Seefunk­gesprächen führte.
Ein anschließender Hafentag gab Gelegenheit zum Besuch von Pompeji, wo man sich unter anderem über die sexuellen Gepflogenheiten von damals interessierte. Ein gemeinsames Essen aller Crews schloss den Hafentag ab.
Abschlussessen - Crew der RobertaBei gutem Wind erreichte die Flottille am folgenden, intensiven Segeltag die idyllische, weniger touristenlastige Insel Procida, bei den Italienen auch gerne als „Heiratsinsel“ gebucht, was wir vor Ort auch sofort verstehen und bemerken konnten. Hier ging dann für einige Crewmitglieder die Reise und für andere die erste Woche zu Ende.

Die Nachfolger trafen am frühen Nachmittag ein und übernahmen ihre Kojen. Weiter ging es von dort rund Ischia zum kleinen Porto di Angelo, für einige trotz gutem Wind wieder nur mit Unter­wassergenua, für andere unter Vollzeug mit Bade­stopp in einer kleinen Bucht im Nordwesten von Ischia. BadestoppWir entschieden uns, noch eine Nacht auf der schönen Insel Ischia zu bleiben, jedoch in die Marina Porto di Ischia zu gehen.
Am folgenden Tag freute sich die Crew der Roberta auf einen tollen Segelwind, angekündigt nach Rückfrage per Funk von der Mira: 5-6 bft (oder doch Knoten?!) von dem jedoch nichts vorzufinden war, als die Roberta den Windschatten von Ischia auf dem Weg nach Sorrent verlassen hatte bis hin zur völligen Flaute. Später setzte dann jedoch noch toller Segelwind ein, der die Roberta mit max. 7.7kn nach Sorrent tragen sollte, abrupt gestoppt durch eine längere Starkwindboe, die zu leichteren Schäden führte, so dass die Reise in den Hafen nur unter Fock beendet werden konnte. Der Hafen wurde glücklich bei Einbruch der Dunkelheit erreicht.
Sorrent Hafen und Blick zum Vesuv Pompeij
Leichtere Reparaturen fanden dann am Folgetag statt und stellten die Einsatz­bereitschaft der Roberta wieder her. Von Sorrent aus gab es dann auch für die Crews der 2. Woche die Möglichkeit Pompeji oder Ziele, wie Positano, aufzusuchen.
Der ursprüngliche Plan für die letzten beiden Tage, zunächst Amalfi und dann den Ausgangs­hafen in Salerno anzulaufen, schien zunächst durch ungünstiges Wetter ins Wasser zu fallen, da Amalfi wetterbedingt keine Schiffe aufnehmen wollte. Also segelten wir los, mit dem Ziel, Salerno direkt anzulaufen.
Dies gestaltete sich schwieriger als gedacht, da bei der Umrundung der Enge zwischen Capri und dem Festland plötzlich heftige Winde auftraten, die alle Schiffe bis ins 3. Reff zwangen. Auch kamen die Winde für die Fort­setzung der Fahrt nach Salerno recht ungünstig, so dass ein Kreuzen unausweichlich war. Comodore
Der Wind beruhigte sich jedoch im Laufe des Tages, so dass gegen Ende wieder mit unter vollen Segeln gefahren werden konnte. Leider drehte der Wind dabei noch ungünstiger und ließ schließlich stark nach. Glücklicherweise öffnete sich der Hafen in Amalfi dann doch noch kurzfristig für die Hansa-Flotte, so dass vor Einbruch der Dunkelheit der sichere Hafen erreicht wurde. Auch hier wieder mit vollem Einparkservice!
Der Empfehlung des Hafenmeister-Piraten folgend, lief die Flotille am kommenden Morgen schon zwischen 8 und 9 Uhr aus, da schweres Wetter kommen sollte. Sie erreichte Salerno bereits gegen 11 Uhr nach kurzem Tank­stopp im Porto Touristico. Das Unwetter zog jedoch weit südlich an uns vorüber. Den Tag verbrachten wir mit Aufräumen, Schiffsübergabe und Stadtbummel bis wir uns um 19:30 Uhr zum gemeinsamen Flottillen-Abschluss-Essen ganz in der Nähe des Hafens trafen.

Die Heimreise am folgenden Tag verlief reibungslos und so erreichten wir gegen Mitternacht im kalten Münster den SC Hansa. Damit gingen dann leider zwei Wochen mit schönen, warmen, sonnigen, stürmischen, gewittrigen, flautigen und aufregenden (für den Kommodore motorlastigen) Tagen zu Ende.
Abschlussessen 2. Woche

Ein Sommer mit Colin Archer

Von Stephan Brunnert

Einleitung

Colin –wer? Außerhalb von Seglerkreisen ist der Name heute weitgehend unbekannt und selbst etliche Salzbuckel benennen heute bestenfalls noch einen Schiffstyp mit diesem Namen. Selbst diejenige, die wissen, dass hinter diesen zwei merkwürdigen Worten sich ein Schiffskonstrukteur verbirgt, können diesen häufig nicht zeitlich einordnen und wissen wenig über seine Arbeit selbst. Außerdem ist der doch schon lange tot! Also, wie kann man einen Seglerbericht so überschreiben.

Also hole ich mal aus. Segler sind ja bekanntlich nicht gleich Segler. Es gilt fein zu unterscheiden zwischen Regattaseglern, Hobby- und Weltumseglern, Traditions- und Rekordseglern, Segler die am liebsten an Ihren Schiffen herumschrauben und solchen die sich ständig die neusten Modelle zu Imagepflege zulegen. Eine gute Mischung aller dieser Eigenschaften vereinigt Ulli: Im Grunde ein Fahrtensegler aus Leidenschaft, möchte er mit einem möglichst traditionellen Schiff, das er unablässig, für den nie ausgelobten Preis „Das schönste Schiff im Hafen“ ertüchtigt, begehrte Trophäen einheimsen.

Das Boot

Sein Schiff die „Evangeline“, eine „Hans-Christian“ erbaut in Taiwan besitzt eine Reihe von Konstruktionsmerkmalen, die eben der besagte Colin Archer seinen Schiffen und Booten zumaß. Ein Spitzgatter mit angehängtem Ruderblatt, gedrungene Aufbauten die der See kaum Angriffsfläche bieten, bei einer kleinen hoch gelegenen Plicht. Während jedoch Colin Archer seine Entwürfe stets mit einem langen Kiel ausstatte, besitzt die „Hans-Christian“ lediglich einen 2/3 Kiel unter ihrem fülligen Rumpf mit S-Spanten. Kurz gesagt, seine „Evangeline“ gleicht mehr einem Rettungsboot als einer Rennziege.

Das Rennen

Dennoch juckte es ihm gewaltig, es auch einmal einen Regattagewinn zu versuchen, nachdem es ihm zu Ohren gekommen war, es gäbe ein „Colin Archer Memorial Race“. Von Lauwersoog nach Larvik! Warum ausgerechnet von dem friesischen Nest Lauwersoog, habe ich nie herausbekommen, aber Larvik ist die Geburtsstadt eben jenes Mannes. Dort landete die irische Familie Archer 1825 mit ihrem Schoner „Pomona“, nachdem die wirtschaftliche Situation in ihrem Heimatland immer schwieriger wurde, erwarben 1826 ein Haus mit dem Anwesen “ Tollerodden“ und betrieben den Holzhandel nach Übersee vom Erlös des Verkaufs ihres Schiffes. Colin kam also als Einwandererkind 1832 zur Welt. Dorthin sollte es also gehen!

Doch ohne Fleiß keinen Preis: Bis zum Start eben jener Regatta gab es eine Reihe von Arbeiten abzuarbeiten, deren aufgelisteter Umfang ungefähr dem eines Telefonbuchs einer Kleinstadt glich. Zwischen A wie Anker bis Z wie Zurröse gab es zahlreiche Positionen die Aufmerksamkeit und Einsatz verlangten. Strecktaue wurden ebenso verlangt wie Leckpfropfen neben jedem Seeventil oder der Wartungsnachweis für das Rettungsfloss. Haarklein war jeder Punkt abzuarbeiten, damit man nach der sachkundigen Inspektion durch die Rennleitung die begehrte Startflagge hissen konnte.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten bei leidenschaftlichen Seglern, dass sich die Perspektiven verschieben. Nicht dass der Blick aus dem Cockpit über die Weite der See oder die beengten Verhältnisse in der Kajüte daran einen Anteil trüge, es sind mehr die Wertigkeiten im täglichen Leben. Es bleibt für Landratten unvorstellbar, dass kleine Ausbeulungen auf dem Rumpf Skippern schlaflose Nächte bereiten, während eine Beule im Kotflügel der Familienkutsche achselzuckend hingenommen wird. Ein winziger Harken aus der Seilverspannung der Reling erhält sofort ein Klebeverband, während ein loses Brett an heimatlichen Schuppen wochenlang eines neuen Nagels entbehrt. Entsprechend penibel sichert Ulli jeden Schäckel gewissenhaft mit einem Kabelbinder und jedes neues Kabel am Kartentisch wird akkurat vermerkt. Ebenso sorgfältig wurde der Aufgabenzettel der Rennleitung abgearbeitet.

Die Abnahme

Dennoch, am Tage der Abnahme, begegnete er seinem Meister. Unbarmherzig und völlig ohne Zeitdruck ließ der Prüfer sich Punkt für Punkt jedes Detail der Liste vorführen, überprüfte jede Seenotrakete auf die Haltbarkeit sowie das Rettungsfloß auf Wartungspapiere und Prüfstempel. Aber erst nachdem Ulli eine Woche später auch noch die fehlende 25 W Ersatzglühlampe für die Dreifarbenlaterne aus Deutschland mitbrachte, rückte der den ersehnten Startwimpel heraus. Dennoch blieb die Freude gedämpft. „Ne schwarze Flagge! Also, die erste Startgruppe, in der alle langsamen Boote versammelt sind.“ Der rasche Blick über den überfüllten Binnenhafen von Lauwersoog, in dem es vor modernen Kurzkielern und Rennziegen nur so wimmelte, hatten ihm schnell klar werden lassen, dass er von allen teilnehmenden Booten, mit seinem stäbigen Langkieler wahrscheinlich das langsamste überhaupt besaß. Das heißt bei 123 Teilnehmern, dass er in der Startphase 122 Boote vorbeilassen musste, jeweils unter voller Beachtung der Vorfahrtsregeln.

 

Der Start

So kam es wie es kommen musste. Nach einem nervenraubenden Transfer aller Teilnehmer durch eine winzige Schleuse in den Außenhafen von Lauwersoog fiel am Samstag in der Frühe endlich der langersehnte Startschuss – sehr theatralisch abgefeuert aus einer Panzerkanone auf dem Deich. Bereits 5 min vorher, waren die Motoren der Boote auszuschalten und gleichzeitig begann natürlich ein wilder Tanz um die beste Startposition. Kai-Uwe, unserer Dritter im Bunde, lotste uns als gewiefter Regattasegler in eine günstige Luvposition, die uns auf Backbordbug einen taktisch klugen ersten Schlag in zweiter Position vor dem Feld ermöglichte.

Doch bereits bei der ersten Wende war es vorbei. Die wendigen Kurzkieler drehten auf dem Teller und stoben davon zum nächsten Dreh, während Kai-Uwe und ich mühselig die 120iger Genua über das Babystag winschten. Wind und Strom gegen uns. Bis die schwere „Evangeline“ Fahrt aufgenommen hatte, hatte die auflaufende Flut das Schiff schon versetzt, so dass der erhoffte Gewinn an Höhe schnell zusammenschmolz. Stellenweise war das Fahrwasser kaum 200 m breit, was endlose Wenden mit zusätzlichen Mühen bedeutete.

Schwitzend arbeiteten wir uns zäh Stück für Stück vor, während die Yachten an uns vorbeischossen und wir uns nach wenigen Stunden allein im Fahrwasser sahen, während die Segel der anderen Teilnehmer dem Horizont zustrebten. Gleichzeitig trank sowohl Kai-Uwe als auch ich literweise Mineralwasser, ohne dass einer von uns das Bedürfnis hatte, das Örtchen im Vorpiek aufzusuchen. Endlich nach mehr als 6 quälend langen Stunden standen wir an der Anlauftonne des Fahrwassers, um endlich bei 6 Beaufort Kurs auf die Küste Norwegens anzulegen: „Alle Lappen eintrimmen – Kurs 32°!“

Colin Archer

Wann Colin Archer zur See ging und aus welchen Gründen er Norwegen verließ habe ich nicht so recht heraus bekommen. Er muss ein junger Mann gewesen sein. Während seiner Schulzeit war er besonders durch seine mathematische Begabung aufgefallen. Danach hatte er eine Zimmermannslehre erfolgreich beendet. Möglicherweise war es Abenteuerlust oder der Wunsch schnell reich zu werden, der ihn auf die Goldfelder Kaliforniens lockte. Welchen Gewinn er dabei erzielte, konnte ich ebenfalls nicht erfahren, jedenfalls führte ihn der Weg weiter nach Hawaii als Arbeiter auf einer Kaffeeplantage. In den folgenden Jahren investierte er zusammen mit einem Bruder sein Geld in eine Schafsfarm in Australien, die ihm in nur 10 Jahren soviel Geld einbrachte, dass er als Privatier unabhängig von den Einkünften der Familie in Norwegen leben konnte. Bereits Ende der 60-iger Jahre des 19.Jh. erreichte er wieder Larvik, heiratet Karen Sophie Wiborg und hatte mit ihr in den folgenden Jahren 5 Kinder. Jedoch war Müßiggang nie sein Fall. Er engagiert sich bis zu seinem Lebensende in der Lokalpolitik, kümmert sich um die Verschönerung Larviks, wird Bürgermeister und lokaler Bankdirektor, sowie als engagierter Cellist Leiter des Musikvereins. Zudem war er Gründungsmitglied des Norwegischen Königlichen Yachtclubs.

Die Nordsee

Die Nordsee war rau, aber nicht unbedingt stürmisch. Der Wind blies kontinuierlich mit 6 bis 7 Bft. aus West bis Nordwest, so dass wir kaum nachtrimmen brauchten. Die „Evangeline“ hob und senkte sich bei 2 m Wellenhöhe mit der Regelmäßigkeit eines Uhrenpendels, während wir stetig nach Norden zogen. Für uns drei Mann als Besatzung bedeutete dies vor allem, dass jeder 3 Stunden wachfrei, 3 Stunden Bereitschaft und 3 Stunden Rudergehen musste. Damit kam sowohl die Körperpflege als auch der Schlaf immer etwas kurz. Jedenfalls stimmte die Verpflegung. Die Kaffeemug wurde stets gefüllt, warme Malzeiten von der Bereitschaft pünktlich gereicht und Zwischensnacks waren reichlich vorhanden. Andere leben schlechter.

Angesichts der Weite des Wassers ringsherum, ist es Landbewohnern nur schwer zu vermitteln, dass es auf der Nordsee auch außerhalb der dicht befahrenen Schifffahrtsrouten eine Menge Verkehr gibt. Schwierig wird es nachts, gilt es doch allein an der Lichterführung der kreuzenden Schiffe die Vorfahrtsregelung Kurs und Geschwindigkeit abzuschätzen, ständig begleitet von der Unsicherheit, wird „Evangeline“ mit ihrem winzigen Dreifarbenlaternchen im Top auch wirklich gesehen?

Dann im Morgengrauen, an der dänischen Nordküste von Jütland taucht unvermittelt Besuch auf. Eine Schule von Schweinswalen gibt der Yacht Geleit. Neugierig schauen die ranken Schwimmer ins Cockpit, tauchen ab und preschen unter den Rumpf hindurch nur um wenige Augenblicke wieder am Heck aufzutauchen. Der Versuch diese Augenblicke mit der Kamera festzuhalten, misslang – zu schnell tauchen die Begleiter auf und ab, um dann, irritiert durch das Blitzlicht, davonzueilen.

Das Skagerrak

Wenig später wird’s ungemütlich. Steile Wellenberge mit achterlichtem Wind lassen keinen rechten Appetit aufkommen. Das Skagerrak empfängt uns an der norwegischen Küste nicht sehr freundlich. Während die Nordsee stark von den Gezeiten geprägt wird, erhalten dass Skagerrak und das Kattegatt durch den Wasseraustausch mit der Ostsee zusätzliche Strömungen. Wir waren gewarnt worden: “ Geht erst mit der Strömung die Jütländische Künste entlang und macht dann den Schlag nach Norden. Vor der Norwegischen Küste kommt euch das Wasser der Ostsee entgegen und Wind gegen Strom ….“ Jedoch der Skipper versprach sich vom direkten Weg Vorteile und baute auf die Seefestigkeit der Crew und der Festigkeit von „Evangeline“.

Im Ziel

Er sollte recht behalten: Obwohl wir mit Sicherheit als letzte das Seegatt von Lauwersoog verlassen hatten, trafen wir an der Ziellinie aufzahlreiche Mitbewerber. Die gesamte Zeit waren sie unsichtbar hinter der Kimm verblieben und hatten uns bestenfalls mit ihren winzigen, grauen Segeldreiecken ihre ferne Anwesenheit signalisiert. Hier nun, erschienen sie uns während der kurzen aber tiefschwarzen Nachtstunden vor dem Oslofjord erneut und kämpften verbissen um den schnellsten Zieldurchgang. Trotz der Stäbigkeit unserer „Hans-Christian“ konnten wir stolz sein: Die guten Seeeigenschaften der „Evangeline“ sowie die Beharrlichkeit unseres Skippers hatten uns einen respektablen 7. Platz in unserer Gruppe aus 16 Booten eingebracht.

Da der Hafen von Larvik winzig ist, war jener des Ortsteils Stavern als Endpunkt angegeben worden. Eigentlich unproblematisch in der Einfahrt, flößten dem Skipper die steil aufragenden dicht am Fahrwasser befindlichen Klippen Respekt ein. Langsam und unter Motor tuckerten wir in ein Hafenbecken in dem ein Gutteil der Regattaflotte bereits in Vierer- oder Fünferpäckchen eng vertäut aufeinander hockten. Todmüde wurden schnell an einem passenden Nachbarn die Klampen belegt, um sich dann – endlich –stundenlang in die Koje zu hauen.

War das Wetter der Reise stets windig und trübe gewesen, so erschien der Himmel nach der Ankunft in einem tiefen Blau und die falunroten Häuser mit ihren weißen Giebeln glänzten im Sonnenlicht. Der Hafen ist während der Saison sicher kein Highlight, obwohl er hübsch und zentrumsnah zu Stavern gelegen ist. Für norwegisches – maritimes Ambiente sorgt zudem ein weitläufiges Werftgelände aus dem 18.Jh. mit barockem Torportal und Festungsgraben. Allein die Anzahl der Toiletten und Duschen, schlimme „Öre“- Gräber, wiesen auf eine schwache Besucherfrequenz hin. Und nun hatten drei Toiletten und vier Duschen dem Ansturm der Crews von 123 Yachten standzuhalten. Ich zweifle, dass der Hafenmeister tatsächlich auf seine Kosten kam, denn anstatt Geld in den Automaten zu werfen, reichten die erleichterten Nutzer die Klinke jeweils an den bedrängten Nachfolger weiter.

Alkohol ist in Norwegen ein besonderes Thema, aber angesichts des Ansturms der holländischen Yachten, deren versteckten Bilgen sicher mit Sprit gefüllt worden waren, kapitulierte der Zoll und so wurde jeder Skipper lediglich vom Hafenmeister gebeten, Zollgut anzumelden. Klar, dass der übliche Proviant nicht darunter fiel und so gaben sich in den nächsten Tagen alle Teilnehmer Mühe die vorhandenen Mehrmengen auf das erlaubte Einfuhrmaß zu reduzieren. Nächtliche Feiern mit Grillgelagen begleitet von Gesang und Akrobatikstückchen taten ihr übriges.

Intermezzo

„Was dem Einen sein Ziel ist, ist dem Anderen sein Start“ ist eine bekannte Regel bei der Yachtüberführung. Ulli und Kai-Uwe wollten nebst Familien die Umgegend erkunden, während ich das nachgereiste Familienauto nach Schweden bringen sollte. Eine tolle Gelegenheit neben Larvik auch noch das nahe Oslo aufzusuchen. Immerhin besaßen beide Orte Museen mit Zeugnissen des Wirkens von Colin Archer: Larvik das Wohnhaus Lilleodden, den besterhaltenen Spitzgatter aus Archers Werft: die „Jaerbuen II“, sowie eine kleine Abeilung im Heimatmuseum mit persönlichen Nachlässen, und Oslo mit der „Fram“ eines der berühmtesten Forschungsschiffe überhaupt.

Larvik
Obwohl man es dem Ort nicht ansieht, gehört Larvik, dank seiner zahlreichen Ortsteile, heute zu den größeren Gemeinden in Norwegen. Es besitzt mit einem Bahnhof, einem Flughafen sowie einer Fährverbindung nach Dänemark recht gute Verkehrsanbindungen. Der historische Ortskern dagegen ist recht klein und lässt sich sicher in einer Stunde bequem umrunden. In diesen Ortskern, nahe am Wasser findet man neben anderen Häusern der Familie Archer auch das ehemalige Wohnhaus von Colin, ein hübscher, gelb gestrichener Holzbau mit einer ornamentierten Verlattung des Dachgeschosses. Die besondere Wertschätzung für ihren früheren Bürgermeister erkennt man vor allem daran, dass es die Bürger des Ortes zuließen, dass dieser in seinem Garten beerdigt werden konnte. Ansonsten verweist wenig auf diesen bekannten Sohn der Stadt. Selbst im Heimatmuseum, einem Bau aus dem frühen 19.Jh., begegnet man zuerst einem Anderen berühmten Sohn des Ortes: Thor Heyerdahl. Ein Spielgerät vor dem Museum erinnert grob an die „Kon Tiki“. Einen Steinwurf entfernt liegt jedoch in dem winzigen Hafen die Yacht „Jaerbuen II“, sicher, von einer Deck überspannenden, Persenig geschützt. Leider darf man das Boot weder besichtigen noch betreten. Dennoch weist sie auch vom Steg aus betrachtet alle typischen Gestaltungsmerkmale auf, die diesen Bootstyp so berühmt machten. Besondere Erwähnung muss das Cockpit finden. Der Steuermann stand in einem recht kleinen nahezu quadratischen Loch bis zu Brust im Deck und konnte von dort aus die lange Pinne mit einem Eisenstift im hinteren Querbalken der Umrandung arretieren. Bis auf den winzigen Niedergang, der teilweise in das Deck einbezogen ist, sowie die kleinen Aufbauten erscheint das Deck weitgehend leer zu sein, ein Merkmal, welches heute auf Sportbooten in der Regel stets zu finden ist.

Das Museum selbst zeigt in seiner Gestaltung noch weitgehend die Merkmale der Heimatmuseen der 50-iger und 60-iger Jahre. Teilweise verwinkelt und abgenutzt, verstaubt und ohne Linie in der Didaktik. Das Erdgeschoss, weitgehend leer geräumt, ist ganz Thor Heyerdahl gewittmet, ohne jedoch auch nur ein aussagekräftiges Exponat aus seinem Leben. Dafür gibt es großformatige Fototapeten mit Südseeansichten und Holzmodelle von „Graubner“. Das Obergeschoss wurde wohl in den 60-igern bestückt und zeigt neben allgemeinen Seefahrtreliquien einige hölzerne Halbmodelle aus der Werft Archers sowie neben seinem Zeichengerät vor allem Modelle aus dem Bastelladen, Fotokopien und Reproduktionen. Es ist ernüchternd und enttäuschend. Schade, da bleibt Potenzial ungenutzt!

Als ich das Museum verlasse, spielt sich draußen auf dem Wasser ein grandioses Schauspiel ab: Alle Regattayachten, die den langen Weg über das Meer auf sich genommen hatten, patrolieren, zwar mit Motor, dafür aber mit wehenden Fahnen in der Takellage an Archers Wirkungsstätte vorbei. Erstaunlich, dass die Einwohner kaum Notiz davon nehmen. Ein Fotograph am Ufer interessiert sich so auch mehr für die gelungenen Sprünge eines Halbwüchsigen von dort aufgestellten Sprungturm ins Meer.

Oslo

Es gibt weit aufregendere Hauptstädte auf der Erde als ausgerechnet diese. Von der Gesamteinwohnerzahl kommt es gerade mal an Dortmund heran und seine Hauptstasse vom Hauptbahnhof zum dem klassizistischen Schloss am Ende ist in einer Stunde bequem durchwandert. Abwechslungsreiche Fassaden zwischen Moderne und Historismus säumen die Straße unterbrochen von kleinen Grünzonen, eine mit Schauspielhaus. Im Stadtbild gibt es auffallend viele Bronzeplastiken, welche jedoch recht ungepflegt Grünspan ansetzen. Interessant dagegen die neue Oper, ein Prunkbau am Ende des langen Fjordes, welcher durchaus das Potential hat sich zum Sinnbild für eine aufstrebende Stadt zu entwickeln. Ansonsten im Hafen unterhalb der Festungsanlagen neben riesigen Kreuzfahrtschiffen, einige Schoner mit historischem Flair, welche wohl vor allem, wie es die üppige Ausstattung mit Bänken und Biertheken zeigt, für Touristentouren genutzt werden. Doch nicht das Stadtflair hatte mich hierher gezogen, sondern vor allem einige weltberühmte Attraktionen wie die Wikingerschiffe und vor allem – die „Fram“, jenes Meisterstück Colin Archers mit der Nansen die Arktis durchquere und welche Amundsen den Weg zur Antarktis ermöglichte.

Die „Fram“

Ermutigt durch die Grönland Expedition 1889, suchte Fridtjof Nansen nach einem Weg, seine Theorie einer Meeresströmung von Ost nach West unter dem Pol hindurch zu beweisen. Da Colin Archer der berühmteste norwegische Bootskonstrukteur war, schickte ihm Nansen einige Skizzen, mit Hinweisen auf Möglichkeiten, wie ein Boot dem Eisdruck in der Polarregion standhalten könne. Seine Frage bestand darin, ob es möglich sei, ein derartiges Schiff zu bauen. Nach anfänglichem Zögern, Archer hatte bis dahin in seiner relativ kleinen Werft vor allem Rettungsboote und Lotsenschiffe gebaut, willigte er 1891 ein, ein Schiff von über 30 m zu bauen Archer hatte erkannt, dass ein Rumpf mit den üblichen steilen Bordwänden selbst bei einer Ausführung in Stahl niemals ausreichend widerstandsfähig und gleichzeitig elastisch genug wäre dem Eisdruck stand zu halten. So ließ der das Schiff hauptsächlich aus 30 Jahre abgelagerter Italienischer Eiche erbauen. Die Beplankung bestand aus drei Lagen. Der Rumpf erhielt stark gewölbte Seiten mit einem Abstand von fünfzig Zentimetern zwischen den Spanten, welche zusätzliche Streben zwischen Decksbeplankung und den Bordwänden erhielt. Die Dicke letzterer variierte zwischen 70 und 80 cm.

Allein die Festigkeit des Schiffes reichte dem Konstrukteur nicht aus, galt es doch neben der Schwimmfähigkeit auch die Manövrierfähigkeit zu erhalten. Der Druck des Eises erfolgt durch Schollenbildung nicht gleichmäßig sondern er kann auch sehr punktuell auftreten. Um diese Belastungen vom Ruderblatt und der Schraube fernzuhalten, konnten beide in oben offenen Schächte in den Rumpf gezogen werden. Durch das Einfüllen von warmem Wasser in die Schächte war man so in der Lage zur Rückgewinnung von Vortrieb und Manövrierfähigkeit beide von Eisresten zu befreien.

Innovativ wie diese Vorrichtung war auch die Art der Energiegewinnung. Am Ende des 19. Jh. besaßen bereits eine Reihe von Segelschiffen neben der Beseglung eine Dampfmaschine. Allerdings war dieser Antrieb bei einem klassischen Dreimaster von nur 33 m Länge etwas ungewöhnlich. Dass es sich bei der Dampfmaschine um einen Hilfsmotor handelte wird jedoch dadurch schnell deutlich, dass man im Bedarfsfall den Schornstein erst auf dem Deck zwischen Hauptmast und Besan errichten musste. Allerdings konnte an gleicher Stelle auch ein kleines Windkraftwerk errichtet werden, welches alternativ zur Dampfmaschine mittels Transmissionen den Bordgenerator betreiben konnte.

Alles in allem stellt die „Fram“ auch ein geräumiges Schiff dar. Jeder an Bord besaß eine eigene Kajüte, meist kaum mehr als 3 qm mit einem winzigen Tisch und einer schmalen Koje. Deren Beleuchtung erfolgte, neben einer Petroleumlampe, sofern Tageslicht vorhanden war, über Prismen in der Decke. Alle Unterkünfte gruppierten sich um einen größeren Salon mit einem bequemen Sofa großem Tisch und Ofen. Selbstverständlich wurde darüber hinaus eine Pantry mit Einbauherd vorgehalten. Dennoch bleib auch viel Platz für die Maschine und die Ausrüstung.

Die erste Reise der „Fram“

Nansen hatte auf seiner Grönlandreise beobachtet, dass es eine Meeresströmung geben musste, die imstande ist, ein Schiff von Sibirien durch den Arktischen Ozean mitzunehmen. Als Beweis für seine Theorie wollte er’s ich mit einem Schiff einfrieren lassen und mit dem Packeis am Nordpol vorbei driften, um dann auf der anderen Seite der Eisregion erneut ins freie Wasser zu gelangen. Am 24.06.1893 begann er seine Reise, umrundete das Nordkap und fuhr entlang der Sibirischen Küste um sich dann im September 1893 einfrieren zu lassen. Wie Archer es vorausberechnet hatte, wurde das Schiff nicht von den Eismassen zerdrückt sondern auf das Eis herausgedrückt. Am 14. Mai 1895, also eineinhalb Jahre später, ereichte er einen weit nördlichen Punkt, so dass er sich entschied mit einem seiner Begleiter Frederick Johansen zum Pol aufzubrechen. Er erreichte immerhin einen Punkt in der Höhe von 86°13,6`Nord, um dann mit seinem Begleiter auf der Franz Josef Insel zu überwintern. Im folgenden

Sommer erreichte er vor der „Fram“ Norwegen. Sein Schiff bestand die Reise mit dem Eis unbeschadet und erreichte seinen Ausgangspunkt am 20.08.1896 unter dem Kommando von O. Sverdrup. Nansen hatte so seine Theorie bewiesen und zahlreiche Erkenntnisse über die Polarregion mitgebracht, von der man bis dahin glaubte, es wäre ein relativ flaches Gewässer mit zahlreichen Inseln. So hatte die „Fram“, zu deutsch „vorwärts“ ihrem Namen alle Ehre gemacht.

Das „Fram“-Museum

Das Museum selbst erwies sich als Enttäuschung. Eingerichtet im Stil der 70-iger Jahre, mit überholter Museumsdidaktik und eingezwängt unter einer Zeltdacharchitektur, trampeln jährlich rund 300.000 Touristen durch ihre Decks, die von wackeren Handwerkern mit viel Chemie vor dem Zerfall bewahrt werden. An die Authentizität der Ausstattung mag man glauben, jedenfalls ist diese durch den Einbau von großformatigen Fenstern im Salonbereich deutlich geschmälert. Im Schauraum des Museums gammeln Nansens Kajaks an der Decke herum, während seine Ausrüstung, völlig unzureichend beschrieben, in schlechten Vitrinen vor sich hin schlummert. Kurz: Ein imponierendes Schiff mit einer fantastischen Vergangenheit – aber schlecht präsentiert.

Kopenhagen

Trotz der anerkannt guten Seeeigenschaften ist der Colin Archer heute eigentlich ein ungebräuchlicher Yachttyp, da die Rümpfe aufgrund der durchgehenden Kiele unwendig und ihre breite S-Spantenform nur ein geringes Geschwindigkeitspotential aufweist. Dennoch hat der Yachttyp durchaus seinen Freundeskreis. So baute der Stockholmer Colin Archer Club in den 70-ger Jahren des letzten Jahrhunderts fünf Repliken von historischen „Redningskoetjen“. Eine der Nachbauten, die „Aglaia“ ex „Orion“ erwartete mich in Koppenhagen zur Weiterfahrt nach Deutschland. Sven brauchte für den Rückweg nach Deutschland eine Ablösung für die Stammbesatzung, die mit einer fremden Crew das Boot nach Dänemark gebracht hatte. Für mich dauerte zwar so der Rückweg etwas länger, allerdings so hoffte ich, meine Studien bezüglich der spezifischen Segeleigenschaften sowie neue im Hinblick auf Chartercrews weiter vorantreiben zu können.

Die „Aglaia“

Die Ankunft in Kopenhagen fiel eindeutig auf dem regnerischsten Tag der gesamten Reise. War es am Morgen in Strömstadt noch sonnig, so hatte sich auf dem Weg nach Malmö der Himmel mehr und mehr zugezogen und auf der Fahrt über den Sund begann es zu regnen. Unterwegs versuchte ich per Handy von Sven heraus zu bekommen, wo das Schiff genau festgemacht hatte. Endlich kam eine Viertelstunde vor Ankunft in Kopenhagen die erlösende Nachricht: „Die Aglaia liegt im Nyham – direkt an der Ausfahrt in den Sund!“ Endlich war die Ungewissheit vorbei!!! Tatsächlich ist der Nyham nicht ein junger Hafen. Vielmehr ist es eher ein Museumshafen unweit vom Zentrum mit Vergnügungskneipen an den Quais. Trotzdem in einer fremden Stadt irrt man bekanntlich erst einmal herum. Ohne einheimische Währung in der Tasche fühlte ich mich sehr verloren. Also, erst mal Norwegen-Kronen gegen Dänen-Kronen eingetauscht und dann ordentlich gegessen. Danach konnte ich mich wieder alles auf alles einlassen.

Die Crew auf dem Schiff beäugte mich erst mal misstrauisch! „Mm – Du bist also von der neuen Stammcrew. Na ja- ist ja noch da!“ Der feierte gerade seinen Dreißigsten und war dementsprechend nur eingeschränkt ansprechbar. Na ja, also erst mal Koje belegen, und dann die Ankunft der neuen Chartergäste abwarten und u.a. zwei Mädels von Bahnhof abholen. „Der Skipper“, wurde mir gesagt, „würde erst am nächsten Tag eintreffen.“

Die neue Crew

Nach einer umfassenden Einweisung durch die alte Stammbesatzung am nächsten Morgen, galt es nun erst mal sich mit allen Mitreisenden bekannt zu machen: Skipper Frank, erwies sich als ruhiger Zeitgenosse, der umsichtig planend das Schiff zu führen wusste, ohne dass sein Lieblingsbuch in der Ecke bleiben musste. Stress durch lange Nachtschläge liebte er überhaupt nicht. Eher versuchte er die Crew zum Frühstück mit einem Gebräu namens „Porige“ in Schwung zu bringen. Als typisch englisches Breakfast sah dem Haferschleim ähnlich und begeisterte daher außer dem stets hungrigen Tewis niemanden so richtig.

Tewis erwies sich nach überstandener Jubiläumsfeier als ein fröhlicher und kenntnisreicher Bootsbauer mit reichem Anekdotenschatz, der, bedingt durch seine längere Anwesenheit an Bord, jede Macke der Aglaia und jeden Winkel an Bord kannte. Kurzum er erwies sich als eine unentbehrliche Hilfe für die Stammmannschaft und ein stimmungsvoller Entertainer für die Charterer. Arndt und Tim, Vater und sein 20-zig jähriger Sohn, hatten sich gemeinsam den Törn begeben, eine Konstellation die bekanntlich durchaus Konflikt bergen kann. Doch einigten sich beide schnell auf eine Rollenverteilung. Tim glänzte durch Anwesenheit an der Pinne, während Vater Arndt engagiert die Segel trimmte. Beide teilten sich die Achterkajüte, während es sich im Vorschiff unser weibliches Kleeblatt bestehend aus Marina, Birte und Svenja gemütlich machten. Erstere, offensichtlich eine langjährige Bekannte von Arndt und Frank hatte sich erst kurz vor der Abfahrt zur Teilnahme entschieden. Ausgestattet mit einem Segelschein, hatte sie anscheinend für sich beschlossen, die Tour hauptsächlich zur Entspannung zu nutzen, in der Sonne zu baden, zu lesen und mehr spaßeshalber die Pinne zu führen. Svenja und Birte hatten sich dagegen, bar jeder Segelerfahrung, auf ein echtes Abenteuer eingelassen. Etwas schüchtern und gut ausgestattet mit Mittelchen gegen die Seekrankheit harrten sie auf die Ereignisse.   Nach der klaren Einteilung der Aufgaben, konnte ich mich zufrieden in die Navi-Ecke zurückziehen, um von dort aus die Ereignisse zu dokumentieren und dem Hobby der Astronavigation zu frönen, was bei meinen Mitseglern im heutigen GPS-Zeitalter ohnehin eher Kopfschütteln hervorrief.

1.Seetag

Nachdem Tim und Arndt am Abend zuvor Ihren Ergeiz bekundet hatten, Bornholm zu erreichen, hatte ich mich aus alter Regattagewohnheit morgens um 7:00 Uhr aus der der Penntüte gequält, um nach gewohnter Weise die Mannschaft zu aktivieren. Was eignet sich dazu besser auf einem Traditionssegler als ein ordentlicher aufmunternder Shantychor im CD-Player? Der Erfolg war durchschlagend, aber die Kommentare, die ich danach erhielt, vernichtend! Der freundlichste stammte von Arndt, der fest feststellte, dass er, obschon auf einem Schiff, welches unter österreichischer Flagge segelt, nicht morgens schon die Österreichische Nationalhymne serviert zu bekommen brauche. Dabei hatte ich nur auf eine hauchdünn angestaubte Aufzeichnung des Hamburger Polizeichors zurückgegriffen. Na ja, ich begrub danach sofort das Ziel Bornholm und schwor mir, mich forthin erst nach dem Pfeifen des Kaffeewassers aus der Koje zu begeben.

Bereits (!) um 11.00 Uhr war das Boot auslaufbereit und nachdem sich jeder in seine Kluft und Schwimmweste gezwängt hatte, konnten wir tatsächlich Kopenhagen hinter uns lassen. Zunächst per Motor und später dann unter Groß und Fock ging es auf die Schwedische Küste zu. Hinter uns klarte der Himmel auf, während sich über Schweden graue Schleier sammelten. „Toll“, dachte ich, „so `nen Colin Archer muss ja einiges wegstecken können“ und hielt lauernd mein Schwerwetterölzeug bereit. Aber, was ist ein Boot ohne Mannschaft. Skipper Frank, sein Häufchen betrachtend, beschloss: Wir fahren zurück nach Dänemark, Kurs auf Hundinge. Die gekoppelte Ankunftszeit lag bei 19.00 Uhr. Die Aussicht auf warme Duschen und ein geregeltes Abendbrot lockte. Na schön, dann eben in Sichtweite von Kopenhagen zurück nach Dänemark! Wenigstens brauchte ich kein Geld zu wechseln.

2. Seetag

Der morgendliche Wetterbericht für die Nord- und Ostsee sagt für das Skagerrak und Kattegatt steigende Windgeschwindigkeiten und rauere Seeverhältnisse voraus. Wir merken davon nichts. Der Hafen von Hundinge bietet einen stillen Anblick und die Aglaia liegt gut am Kopf des Steges vertäut. Tewis unser Bootsbauer und wie ich ein Teil der Stammcrew steckt müde den Kopf aus seiner Penntüte mit der er auf Deck geschlafen hatte, als ich mich zur Dusche mit Morgentoilette aufmache. Es ist längst acht und erst langsam erwacht die Crew. Klar mit dieser Einstellung kommt man nicht nach Bornholm.

Danach erst mal ein ausgiebiges Frühstück. Ich mache noch mal schnell den Rundgang, schaue ob alle Schäkel in Reichweite gesichert sind und prüfe den Sitz der Festmacher. Alles klar! Wasser noch ausreichend? Drei Tage Kopenhagen, ein Seetag und acht Leute an Bord. Gewohnt vom Rhythmus der „Evangeline“ und dem Sicherheitsdenken Ullis beschließe ich schnell noch mal nachzutanken. Danach erklärt mir Tewis, die Aglaia hätte sehr große Tanks und es wäre eher ein Problem zum Jahresende die Dinger zu entleeren. Aber da war’s schon zu spät und der Vorrat war ergänzt.

Die Überfahrt nach Skandör in Schweden – eine Kleinigkeit. Hatten gestern manche noch mit krauser Nase nach Osten geblickt, so war heute eher Kaffeesegeln unter Vollzeug angesagt. Während ich mich nach dem Segelsetzen unten in die Navi-Ecke verkroch, um den Kurs abzustecken und nur zum „Besteck nehmen“ und Kurskontrolle auf Deck erschien, hatten sich unsere Charterer ins Cockpit verzogen und lösten sich mit der Pinnenführung ab. Na ja – sollten sie von mir aus reihum Steuermann spielen.

Die Einfahrt nach Skandör ist eigentlich nicht schwierig. Eine keine Untiefe gilt es backbords zum umfahren, um dann hart steuerbord in den Hafen einzulaufen. Dieser war aber offensichtlich gut besucht und so war es Frank sehr recht, als der Hafenmeister ihn anwies mit unseren schlecht zu drehenden Boot knapp hinter der Einfahrt liegen zu bleiben. Der Wind, so die Vorhersage, würde weiter nach Süden drehen und so hatten wir auch kaum den Schwell zu befürchten. Zudem war der Platz kostenfrei. Also bitte……

3. Seetag

Während sich in unserem Norden jenseits der Inseln Starkwind und hohe Seen zusammenbrauten, schien über der Halbinsel Skandör die Sonne. Schlappwind war zumindest für den Vormittag vorausgesagt und am Nachmittag sollte es dann ganz mau werden. Immerhin reichte es um 10:00 Uhr noch, dass wir unter Vollzeug bei drei Knoten uns aus dem Hafen gen Süden schleppten. Der Seegang, wenn man ihn so überhaupt bezeichnen möchte, lag erinnerte eher an das Schwappen in einer Badewanne und der Horizont schien mit dem Himmel zu verschmelzen. Erfreulich, dass wenigstens einige andere Traditionssegler unter allen Lappen, nahezu parallel zu uns mithielten. Aber diese hatten wohl entweder eine Privatbriese für sich in Anspruch genommen oder sie nutzten den Motor, jedenfalls waren sie bald außer Sicht und so dümpelten wir müde auf das Verkehrstrennungsgebiet zu, bis Tewis vorschlug, man könne doch die Untiefentonne voraus „signieren“.

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Vorhabens hätte sich bei dem mauen Wind durchaus in die Länge ziehen können, doch Tewis entledigte vor allen Augen seiner Plünnen und, bewaffnet mit einem Edding, sprang er im Adamskostüm in die Fluten. Frank als Skipper gab noch letzte Anweisungen, ihm und Tewis unter Motor zu Hilfe zu eilen, falls einer von ihnen längere Zeit außer Sicht geriete, und sprang dann hinterher, in voller Mannesschönheit, jedoch adrett mit Bermudashorts bekleidet.

Die Tonne ist vom Wasser aus betrachtet ziemlich hoch, und keinem von den Beiden gelang es, sie auch nur halbwegs zu erklimmen. Selbst die „Signatur“ war schon ein Kunststück, da der Blechkörper dicht von glitschigen Algenbärten bedeckt war. Nach einigen Runden einigten sich beide schließlich auf einen Platz, jedoch fiel der Beweis des Badegangs so zierlich aus, dass er vom Schiff keineswegs sichtbar war. Immerhin bleibt zu hoffen, dass der nächste Tonnenleger bei der Wartung seine Freude an dieser Art von „Verzierung“ haben wird.

Nach dieser Kurzweil ging’s nun unter Motor weiter. Im warmen Nachmittaglicht eines Juliabend schaukelten wir geruhsam an Mön vorbei, um beim letzten Abendlicht den Blick auf die Kreidefelsen zu werfen. Dort hatte sich ein niederländischer Traditionssegler bereits eingefunden. Vor Anker hatte er wohl schon seinen „Sun-Downer“ im Glas und erwartete dieser den neuen Tag, garantiert mit strahlend roten Klippen in der Früh. Mit etwas Wehmut im Herzen sah ich ihn in der Dämmerung versinken, die Crew strebte jedoch weiter ins nahe Klintholm, wo wir im Dunklen an einer Freien Stelle im Fischerhafen die Leinen an stählernen Ringen belegten.

4. Seetag

Tewis hatte die Gegend schon während seiner Reise in Richtung Kopenhagen erkundet. In Klintholms Hafen sind einige Duschen defekt. Also steckte ich, nach der Eingabe des heimlich zusteckten Öffnungscode an der Tür, artig meine letzte 5 Öremünze in den zweiten Duschautomaten von rechts. Eigenartiger Weise erfüllte sich die Prophezeiung! Mit einem blechernen Klack verließ der „Öresund-Taler“ nach dem Duschen den Automaten, bereit dem nächsten Crewmitglied auf gleiche Weise Dienst zu leisten.

Der Deutschlandfunk meldete auffrischenden Wind in der Ostsee um Rügen und für den nächsten Tag gab es sogar eine „Gale-warning“. Also bitte, nach dem geisttötenden Motören konnte es ja noch lustig werden. An Bord hatte sich längst eine Softi-Stimmung breit gemacht, nachdem Tim ständig in einem T-Shirt mit den Großbuchstaben „Frauenversteher“ herumlief. Genutzt hat es ihm nichts. Birte und Svenja hocken überwiegend etwas scheu beisammen und Martina zeigte eher Interesse am schwulen Tewis. Frank erkundigte sich noch mal sehr genau nach den Wetterprognosen und ließ mich nach den Angaben des Wetterdienstes eine europäische Wetterkarte zeichnen. Also gut, – voraussichtlich mehr Wind und Seegang für den nächsten Tag, genau dann, wenn wir den Schlag über die offene See machen müssten. Doch heute erst mal nach Gedser, das beliebte Sprungbrett in der Ostsee auf dem Weg nach Süden.

Unterwegs in der Hjlm Bugt wird noch diskutiert, ob man einen „kleinen“ Umweg westlich um Falster einlegen solle. Ein Notruf einer Yacht, die im nahen engen Fahrwasser auf Grund sitzt, beendet schnell die Diskussion, da jeder anerkennen muss, dass lediglich 30 cm Wasser unter dem Kiel doch ein gewisses Wagnis darstellt. Also, Kurs um 210° und unter Klüver, Fock und Groß schaukelt die Aglaia gemütlich gen Süden. Da größere Korrekturen bei der Positionsbestimmung und Kursbeschickung nicht mehr anliegen, genieße ich das geruhsame Geschuckel für einen ausgiebigen Mittagsschlaf unter Deck, während sich unsere Charterer geschwätzig die Pinne in die Hand geben und der Skipper genüsslich hinter seiner Lektüre versackt.

Kurz vor dem Kap heißt es mal wieder „All Hands“. Die Segel werden nach und nach geborgen, da Gedser ein vielbefahrener Fährhafen mit großen Pötten nach Deutschland darstellt. Das Fahrwasser unter Segeln zu queren, um dann im engen Fahrwasser zwischen dem Rödsand und dem Festland den Yachthafen zu erreichen, ist doch reichlich gefährlich. Im letzten Tageslicht laufen wir unter Motor in diesem, intensiv von Deutschen besuchten Hafen, ein und finden neben einem leidlich heruntergekommenen Pilotboat eine feste Bleibe.

Der Abschied von Dänemark liegt in der Luft! Waren doch alle Abende die Essen in der geräumigen Pantry an dem großen Klapptisch verlegt worden, so gab es diesmal die Nudeln von Tellern direkt auf dem Deck. Arndt, als erfahrener Familienvater brachte erneut in rührender Weise einen Riesentopf voller Nudeln zum Kochen und anschließend die knurrenden Mägen zum Verstummen. Damit erwachte in allen erneut die Abenteuerlust. Tewis hatte schon während der Malzeit anschaulich erklärt, dass Seenotfackeln hervorragend unter Wasser brennen und um diesen Beweis anzutreten, suchte er unter der abgelaufenen Munition etwas Passendes heraus und verschwand mit den Nixen zu nahen Badestrand. Tim, Frank und Arndt zogen sich nach der Backschaft ins Cockpit zurück, um bei Kerzenschein eine Runde Skat auszutragen, während ich die Landschaft und Hafenanlagen des Kaps erkundete.

5. Seetag

Am nächsten Morgen roch es nach Ostwind. Der Himmel strahlte stahlblau und im Yachthafen auf der Westseite des Kaps zitterten lediglich die Blätter in den Spitzen der Pappeln. Um uns, im Hafenbecken, war wenig zu spüren. Doch das änderte sich schnell, als wir in das Fahrwasser des Fährhafens an der Südspitze einliefen. Waren an den Vortagen noch freudig Besan und Topsegel gesetzt worden, so stand der Crew heute eher der Sinn zum Reff. Zudem wurden, je weiter wir nach Süden vordrangen, die Wellen höher und unsere Mädels immer stiller. Tapfer kauten sie ihre mitgebrachten Anti-Seekrankheit-Kaugummis und schauten beständig in die Ferne zum ruhigen Horizont. Immerhin blieb das Frühstück hinter den Zähnen.

Skipper Frank übergab gern nach dem Einsteuern des Gesamtkurses die Pinne an unsere Gäste. Reihum versuchten sie sich im Halten des Kurses, was bei dem Seegang jedem einiges an Kraft und Geschick abforderte. Als Navigator saß ich gemütlich in meinem Eck und überblickte die Angelegenheit, während Frank sich auf dem schrägen Deck zwischen Rettungsinsel und Reling zum Schmökern einklemmte. Von Zeit zu Zeit wurde die Position ermittelt der Kurs korrigiert. Nach meiner Einschätzung lag Tewis an der Spitze, der locker einen Autopiloten ersetzen könnte und dabei auch noch sein Seemannsgarn spann. Jedenfalls hatte er während der Tour die Lacher stets auf seiner Seite. Daneben war Arndt ebenfalls stets gut auf Kurs, aber Tewis hatte doch die größere Routine. Tim hatte dann schon mehr zu kämpfen und Marinas Steuerkünste verlangten doch mehrere Korrekturen.

Nur Frank wusste vom „Hören-Sagen“ von einer neuen Hafenanlage bei Boltenhagen. Die Karten der Aglaia verzeichneten lediglich vage Konturen neben der Aufschrift: „Im Bau“. Ansteuerungen gab es entsprechend überhaupt nicht und das Kap bei Boltenhagen war verdammt flach und steinig: – Also, Nervenkitzel bis zum Schluss verbunden mit einem intensiven Fernglasgebrauch. Erleichterung bei allen, als die Einfahrt gefunden war. Zudem zeigte sich, dass hinter der schützenden Mole weiter Manövrierraum blieb. Trotzdem war das Anlegen an Steuerbord bei kräftigem Wind von Backbord keine leichte Sache, die Frank jedoch souverän meisterte, während tatkräftige Segler benachbarter Boote, uns vom Steg aus unterstützten.

Der letzte Abend gehört stets dem Rückblick. Also blieb die Pantry kalt und Boltenhagen mit seiner Flaniermeile, seinen Kneipen und Restaurants wurde angepeilt. An einem gr0ßen Tisch eines Traditionsrestaurants konnte sich jeder nach seinen Vorlieben satt essen und trinken. Dazu spendierte der Navigator noch einen traditionellen Aquavit Linie. Entsprechend fröhlich ging es dann spät abends zurück an Bord. Immerhin waren unsere Mädels nach dem Wellenritt soweit wieder aufgetaut, dass sie unseren schwulen Tewis zu einem Besuch der Damendusche überredeten.

Rolling home

Sven, unser großer Häuptling und Koordinator an Land, hatte uns ja schon in Gedser telefonisch als Endhafen Lübeck genannt. Dort fand gerade die Travemünder Woche statt. Die ersten Vorboten empfingen uns bereits kurz nach der Ausfahrt aus dem Fahrwasser von Wismar. Ein langes Regattafeld kam von Westen heran, umrundete nach und nach die Ansteuerungstonne des Fahrwassers „Wismar“ und fuhr dann, mit geblähtem Spinnacker, uns voraus, zurück nach Travemünde. Schnell ging’s auf Vorwindkurs gen Heimathafen. Kurz kam uns noch der Nachbau der Hansekogge „Wismaria“ ins Blickfeld, bevor das markante Maritim-Hochhaus von Travemünde am Horizont erschien. Davor quirliger Segelverkehr neben riesigen Fährschiffen. Da kann man als Steuermann eines behäbigen Traditionsschiffs schnell die Nerven verlieren.

Arndt, Tim und Frank beschlossen angesichts des vorgerückten Nachmittags zur sicheren Abreise in die Heimat vom Bahnhof „Travemünde“ aus zu beginnen, während unsere Jüngsten sich bereiterklärten mit Tewis und mir die Trave beschaulich bis zum Holstenhafen hinauf zu motoren.

So endete eine lange Reise rund um die dänische Halbinsel. Mit rund 680 Seemeilen im Gepäck brachte mich die Bahn heim. Viele Eindrücke konnten hier nicht beschrieben werden. Mitgenommen habe ich zumindest einen interessanten Einblick in einen Teil des Lebens des umtriebigen Abenteurers, erfolgreichen Unternehmers, fröhlichen Bonvivants und genialen Schiffskonstrukteurs

Colin Archer.

Sonnenuntergang vor Mön

 

SEESTERNs Sommerreise 2008

Kopenhagen und Meer

Die Crew der SY SEESTERN war seit dem Jahr 2000 ein wenig verwöhnt. Wurden die angepeilten Ziele doch fast fahrplanmäßig erreicht: Ob Bornholm oder die Westschären, die friesischen Inseln oder London, die englische Südküste und die Kanalinseln oder der Limfjord mit einem Abstecher nach Schweden – in schöner Regelmäß;igkeit kam die SEESTERN in der zur Verfügung stehenden Zeit am Ziel an.
Diese schöne Serie fand 2007 ihr Ende: Schottland blieb für uns bei permanentem Westwind und insgesamt sehr instabilem Wetter unerreichbar. 2008 also ein neues Ziel: Kopenhagen. Da unsere Kinder durch den erreichten oder absehbaren Schul-abschluss absehbar für einige Zeit zum letzten Mal bei einem längeren Sommertörn dabei sein konnten, sollte diesmal alles klappen.

Mit vollen Segeln in den Urlaub – SY SEESTERN auf dem Weg in den Großen Belt.

Sonntag, 29. Juni 2008. Wir sind gestern am Ijsselmeer angekommen und heute nach Makkum gesegelt. Morgen soll es auf eine Insel gehen, vielleicht Terschelling, weil auf Vlieland noch umgebaut wird. Doch dann vermeldet der Wetterbericht spätestens zur Wochenmitte ein deutlich steigendes Gewitterrisiko; keine idealen Bedingungen also für eine längere Nachtfahrt. Kurz entschlossen entscheiden wir uns, die Insel nicht anzulaufen und am Montag gleich von Makkum aus zur Elbe zu starten. Vorbei an Harlingen und durch die Waddenzee, vorbei an Vlieland in das Stortemelk und dann immer nach Osten. Die Küstenverkehrszone entlang der west- und ostfriesischen Inseln ist uns von den Vorjahren her bestens bekannt.
Die Fahrt verläuft ruhig, ohne besondere Hektik. Der Wind ist mäßig, kommt aus achterlichen Richtungen. Terschelling und Ameland gleiten gewohnt langsam vorbei. In Höhe von Schiermonnikoog wird es langsam dunkel. Ein traumhafter Sonnen-untergang wird bewundert und fotografiert, dann lässt sich Oliver im Cockpit die leuchtenden Seezeichen erklären, staunt über den Sternenhimmel und schläft schließlich im Schlafsack und mit selbst konstruierter Gurtsicherung ein.

Maren hat sich derweil in die Kajüte verzogen, während Gudrun und ich die großen Ansteuerungstonnen „abarbeiten“. Gegen vier Uhr übernehme ich das Ruder in Höhe von Norderney.
Vier Stunden später kommt der Wind wieder, so dass nun auch der Motor, der seit dem späten Abend mit lief, schlafen gehen kann. Wirklich ein Glück mit dem Wetter: Die Sonne verdrängt rasch die Wolkendecke, und bei besten Bedingungen können wir an Wangerooge vorbei Richtung Elbe segeln. Nach dem Frühstück sind wir wieder zu viert – ein wenig müde zwar, aber glücklich über den gelungenen Urlaubsauftakt.
In der Elbmündung, als wir schon die erste Reede mit großen Frachtern passiert haben, erwischt uns dann doch noch der Gegenstrom, so dass wir Cuxhaven im Schneckentempo erreichen. Einerlei: Nach 184 Seemeilen am Stück haben wir den Sprung von Holland her geschafft und feiern das mit einem Gläschen Sekt.
Prompt verschlechtert sich das Wetter wie angekündigt, so dass wir nach einer ausgiebigen Ortserkundung und 30 Stunden Dauerregen erst drei Tage später in Richtung Brunsbüttel aufbrechen. Im Hafen dort hinter der Schleuse bewundern wir die hochhausähnlichen Frachter, die zum Greifen nahe in den Nord-Ostsee-Kanal einfahren. Ein sonniger Abend vergeht bei bester Laune und mit leckerem Bordessen, bevor am kommenden Morgen der Innenlieger des Fünfer-Päckchens schon um sechs Uhr ablegen will. Na gut, so frühstücken wir eben während der Kanalfahrt und profitieren vom frühen Start, weil wir in Kiel noch vor einem kräftigen Gewitterguss in Heikendorf festmachen können. Auch in der Kieler Förde genehmigen wir uns drei Tage Landerkundung: Laboe und die Innenstadt werden mit dem Fördedampfer angesteuert.

Yachthafen Brunsbüttel – die großen Pötte fahren auf Tuchfühlung vorbei.

Als der Wetterbericht von stabileren Verhältnissen berichtet, starten wir den Ostseeteil unseres Urlaubs in Richtung Marstal. Aber schon vor dem Leuchtturm, in Höhe von Laboe, ist es vorbei mit der Stabilität: Blitze und Donnergrollen verabschieden uns nach Dänemark. Dort zeigt sich weitgehend blauer Himmel mit frischem Wind – eine schöne Abwechslung nach den letzten Tagen. Doch als wir am nächsten Mittag alte Erinnerungen an den Svendborgsund auffrischen wollen, macht uns ein Dauerregen mit miesen Sichtverhältnissen leider einen Strich durch die Rechnung. Wir sehen kaum die Ufer mit der märchenhaften Spielzeuglandschaft, finden schließlich in Troense auch keinen Liegeplatz und legen deshalb am gegenüber liegenden Ufer der Insel Thuro bei einer Werft an. Hier verbringen wir einen netten Abend, können im Ort sogar ein wenig einkaufen.
Im Großen Belt steuern wir tags drauf Nyborg, die Produktionsstätte großer Heringsfabriken, an, bevor wir die Große Belt Brücke natürlich wieder bei Regen durchqueren, um anschließend bei achterlichem Wind kräftige Schauerböen abzuwettern. Kalundborg auf Seeland ist unser nächstes Ziel, und wir sind wirklich froh, als wir den Hafen nach eigentlich zu viel Wind endlich gefunden haben. Nette Nachbarn helfen beim Anlegen – bei sechs Beaufort von der Seite freut sich da wohl jeder.
Den kleinen, von der Petrochemie geprägten Ort verlassen wir schon am nächsten Morgen und laufen an der Nordspitze Seelands die Insel Sejero an. Verblüffend:

Mastengewirr in vollen Häfen – wie hier auf Sejero

Obwohl wir am Nachmittag nicht sonderlich spät ankommen, sind die Päckchen schon gut gefüllt. Wir finden einen freundlichen Motorbootfahrer, der uns auch gleich die Landstromverbindung anbietet. Riesige Fähren legen hier regelmäßig an, ansonsten ist es ein eher beschauliches Plätzchen. Odden Havn, unser nächstes Ziel, sorgt für einen ungewohnten Adrenalin-Ausstoß bei der ansonsten doch routinierten SEESTERN-Crew: Als wir nach einem problemlosen Segeltag die Segel bergen und in die Hafeneinfahrt einbiegen wollen, fährt das Schiff … geradeaus!
Nichts hatte zuvor auf ein Ruderproblem hingedeutet, aber nun ließ sich das Boot nur mit Mühe rückwärts auf der Stelle halten. Alles probieren blieb erfolglos. Oli und Maren organisierten die Telefonnummer des Hafenmeisters, erreichten ihn auch mit der Bitte, uns ein Motorboot zu schicken. Leider blieb die Antwort eher unbefrie-digend: „Kommt erst mal rein!“, meinte der nette ältere Mann. Doch das war schwierig.
Zum Glück kam eine kleine dänische Yacht, die bereit war, uns zu schleppen. Gudrun organisierte das Vorhaben auf dem Vorschiff, schließlich halfen noch zwei Jungs in einem Schlauchboot mit Außenborder, uns um die plötzlich so bedrohlichen Steine in der Einfahrt herum zu bugsieren. Bald lagen wir längsseits an einer Bremer Yacht und durften erst mal durchatmen. Oli öffnete die Kiste mit der vor einem Jahr eingebauten neuen hydraulischen Ruderanlage und stellte fest, dass sich die Ruderstange losgedreht hatte. Obwohl das Gewinde nicht mehr perfekt war, konnte er die Stange wieder einbauen, kontrollierte sie seitdem täglich und sicherte damit wieder die Manövrierbarkeit der Seestern. Wie gut, dass der Technik-Kurs seiner Gutenberg-Realschule sich mit Hydraulik befasst hatte, sonst wäre man sicher nicht so locker an die Reparatur gegangen.
Etwas vorsichtig verließen wir einen Tag später den Hafen, probierten das Ruder aus, erlebten aber bis zum Ende des Törns keinen Zwischenfall mehr. Gileleje hieß das letzte Ziel vor Kopenhagen – ein großer Fischerei- und Sporthafen auf der Nordseite von Seeland. Auch hier war nur ein Liegeplatz im Päckchen zu haben – Dänemark machte Urlaub. Bei mittlerweile schönem Wetter brachen wir von hier auf, passierten Helsingör mit dem berühmten Hamlet-Schloss, bewunderten eine schicke schwedische Holzyacht und nahmen dann im Sund flotte Fahrt auf. Halber Wind in zunehmender Stärke sorgte für satte acht Knoten auf dem GPS. Da kam Kopenhagen schnell näher.

Schloss Kronborg in Helsingör – die Heimat von Hamlet.

Als Hafen hatten wir uns gegen Langelinie und für den Swanemoellehavn ent-schieden. Die dort sicher verfügbare Box war uns wichtiger als die zentrale Lage, und wir sahen die zehnminütige S-Bahn-Fahrt in das Stadtzentrum schon als ersten Einblick in das Alltagsleben der dänischen Hauptstadt an. Kopenhagen mit seinen ausgedehnten Shopping-Meilen, mit der Porzellan-Manufaktur Royal Copenhagen, der Brauerei Karlsberg, den innerstädtischen Wasserwegen, die zu Opernhaus, Schloss Amalienborg, Schauspielhaus sowie zu den diversen Hafenabschnitten führen, – das alles haben wir drei Tage lang genossen. Auf einem antiken Flohmarkt erstanden wir ein Schälchen aus Meissener Porzellan zum Schnäppchenpreis. Und wir erfreuten uns am vielseitigen Leben auf den Straßen mit Künstlern, Gauklern und jederzeit vielen Zuschauern.

Vielseitiges Kopenhagen – der Eingang zum Tivoli.

Als besonderen Ausflug überquerten wir die noch nicht einmal zehn Jahre alte Sundbrücke mit der Bahn und sahen uns an einem Sonntag Malmö, das schwedische Gegenüber von Kopenhagen, an.
Dort beeindruckten uns zahllose Brunnen und Plastiken, die das Stadtbild prägen. Besonders gefallen hat uns ein innerstädtischer Park mit seinem ganz natürlichen Flair. Hier hat die Natur ihren Platz mitten in der Großstadt behalten – eine Oase der Ruhe, gerade recht, um zwischen der Arbeit einmal auszuspannen.
Mit der Bahn dauert die Verbindung über die rund 50 hohe Sundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö nur eine gute halbe Stunde. Von oben sehen die Segler im windgekräuselten Sund wie Spielzeugboote aus. Ein gewaltiger Windpark und ein Industriegebiet auf der schwedischen Seite runden den Eindruck ab.

Nyhavn – pulsierendes Leben und eine der Flaniermeilen von Kopenhagen.

Erst am Dienstag verlässt die SEESTERN Kopenhagen. In einiger Entfernung geht es am maritimen Stadtzentrum vorbei – ein Großsegler läuft gerade ein. Unser erstes Ziel auf der Rückreise ist Rödvig, ein Fischereihafen südlich der Fakse Bucht. Nach einem netten SMS-Kontakt mit Freunden aus dem Kegelclub, die hier mit dem Wohnwagen Urlaub machen, haben wir uns spontan zu einem Pfannekuchen-Abend in diesem Hafen verabredet. Zwischendurch ist der Wind auch mal mau, der Weg zieht sich, aber dann langt es doch noch rechtzeitig zu unserem Treffen. Wir liegen als fünftes Boot im Päckchen, was den Freunden eine erhebliche und ungewohnte Kletterei abverlangt. Es wird ein lustiger Abend!
Klintholm und Gedser sind die letzten Stationen vor dem Törnziel Warnemünde. Inzwischen hat sich brillantes Sommerwetter eingestellt, das wir nach dem Regen gerne genießen. In Klintholm braten wir Fisch und machen eine merkwürdige Entdeckung im Supermarkt. Hier werden Kartoffeln einzeln verkauft – für 6,95 DKR, drei Stück kosten dann 16,95 DKR – das sind runde 2,40 Euro! Merkwürdig auch für das Agrarland Dänemark, dass Zucchini und Gurken häufig aus holländischem Import stammen.
Der Weg nach Warnemünde wird ein hartes Stück Arbeit. Die ganze Nacht hat es durchgeblasen. Wir legen mit freundlicher Leinenhilfe des Nachbarn bei sechs Windstärken aus Ost ab, setzen im gerade leeren Fährhafen das gereffte Groß sowie ein nur sehr kleines Stück der Genua und düsen mit sechseinhalb Knoten Richtung Süden. Die Wellen sind lang und ausgeprägt, kommen von der Seite und lassen das Boot kräftig krängen. Die Gischt weht schon von den Kämmen. Zweimal werden alle im Cockpit heftig geduscht – so ist nun mal der Wassersport!

Möns Klint – die Kreidefelsen der Insel Mön.

Wir sind froh, als wir die Ansteuerunstonne von Warnemünde mit dem Tonnenstrich, den wir rechts liegen lassen, erreicht haben. Der neue Yachthafen Hohe Düne ist im Gegenlicht schwer auszumachen, da die Einfahrt stark verschränkt ist. Beim Näherkommen öffnet sich dann aber bald die Perspektive, und wir haben keine Schwierigkeiten mehr. Nach dem Tanken finden wir an Steg B einen guten Liegeplatz. Von hier aus lassen sich über die Mole hinweg die Fähren und großen Schiffe auf der Warnow hervorragend beobachten. Gerade abends ist dies ein bemerkens-wertes Schauspiel!
Hohe Düne ist eine Marina der Superlative, mit rund 15 Euro pro Nacht für ein Zehn-Meter-Boot aber nicht überteuert. Alle Versorgungseinrichtungen stehen zur Verfügung. Hotel und Kongresszentrum geben einen eindrucksvollen Rahmen, und das Personal beim Hafenmeister erweist sich als ebenso freundlich wie kompetent. Eine Barkasse bringt uns kostenlos über die Warnow zum Alten Strom.
Da drüben pulsiert wie eh und je das maritime Leben zwischen Fischbrötchen, Restaurants und Ausflugskuttern. Jeden Tag bietet ein Fischmarkt frische Leckereien aus dem Meer.
Wir bummeln ein wenig, nehmen ein Fischbrötchen und ein Bier, fahren dann wieder in die ganz eigene Welt der Hohen Düne zurück und kochen ein letztes Mal an Bord.

Pause am Alten Strom in Warnemünde  –  da schmeckt das Fischbrötchen!

Der Samstag vergeht mit Putzen und Packen, mit den üblichen Verrichtungen am Ende eines Törns. Die Ersatz-Gasflasche wird getauscht, das Wasser aufgefüllt und eine defekte Buglampe erneuert.
Als alles befriedigend gelöst ist, fallen wir zum „Captain’s dinner“ bei „Newport Fisch“ ein. Warnemünder Scholle bzw. ein delikater Fischteller schmecken uns bestens, und das hat schon Tradition bei der SEESTERN. Es war auch auf diesem Törn der einzige Restaurantbesuch, denn wir lieben Gudruns abwechslungsreiche und unkomplizierte Bordküche. Auch unser „Wintergarten“, die Kuchenbude, die für einen trockenen Übergang von der Achterkajüte in den Salon sorgt, hat sich für die Mahlzeiten wieder bestens bewährt.
Am letzten Tag des Törns aber lassen wir uns auswärts verwöhnen und verholen uns anschließend in eine Bar in der dritten Etage, von der aus wir sogar noch ein Feuerwerk gut beobachten können.
Am Sonntagmorgen steht um 10 Uhr pünktlich der bestellte Leihwagen vor der Marina, da die Anschlusscrew in diesem Jahr erst eine Woche später eintrifft. Das Gepäck für vier Personen mit diverser Ausrüstung in einem Kombi unterzubringen, fällt uns „Bulli“-verwöhnten Seglern schwer. Aber auch diese Aufgabe wird gemeistert. Um 22 Uhr sind wir nach einer eher längeren Fahrt wieder zu Hause in Münster und können sogar noch den Leihwagen abgeben.

Feuerwerk in Warnemünde – ein schöner Abschluss für den SEESTERN-Törn

Bei der ebenfalls schon traditionellen „Nach-Törn-Pizza“ resümieren wir zu Hause diese neueste Reise der SEESTERN-Crew: 640 Meilen, davon einen erheblichen Teil unter Segeln – vor allem, wenn man den „Pflicht-Motor-Teil“ im Nord-Ostsee-Kanal in Rechnung setzt – das kann sich sehen lassen. Kopenhagen war eine neue europäische Metropole, die wir von See aus „erobert“ haben – wie in den Vorjahren schon London, Göteborg und Southampton. Auch das hebt die Laune. Die problem-los verlaufene Nachtfahrt wird von den älteren mehr, von den Jüngeren eher weniger geschätzt. Allen jedoch hat das Bordleben gut gefallen – daran werden wir noch lange zurück denken, wenn wir wieder unseren Alltagsdingen nachgehen. Eine mehrwöchige Auszeit im Sommer unter Segeln, das ist und bleibt nun einmal ein tolles Urlaubsprogramm!

Wolfgang H

 

Adventskaffee 2007


Kommt der Weihnachtsmann eigentlich immer nur an Heiligabend und nur zu den Kindern? Diese Frage stellten sich jüngst die Mitglieder des Festausschusses des Segelclub Hansa. Annette und Angela nahmen Kontakt zu dem freundlichen alten Mann mit dem langen weißen Bart und der roten mit weißem Pelz besetzten Kutte auf und siehe da, er versprach, auch die zu einem gemütlichen Adventskaffee im Clubhaus des SHM versammelten Mitglieder am vergangenen Sonntagnachmittag zu besuchen.
An einer adventlich gedeckten Tafel freuten sich die Teilnehmer auf einen geselligen Nachmittag bei Kaffee, Glühwein, Kuchen und Plätzchen. Doch plötzlich wurden die Gespräche durch ein Rumpeln und Klopfen unterbrochen. Da stand doch tatsächlich der Weihnachtsmann in der Türe. Stumme Verwunderung machte sich breit. Hatte der gute Mann sich etwa verlaufen? Doch spätestens, als er sich an jedes einzelne Clubmitglied persönlich wandte und sich herausstellte, dass er offensichtlich über alle bestens Bescheid wusste, war klar, dass der Weihnachtsmann ganz bewusst zu den Mitgliedern des SHM gekommen war. Er erwähnte nicht nur die seglerischen Erfolge und den besonderen Einsatz für den Club sondern ermunterte die Anwesenden, sich auch im nächsten Jahr wieder in besonderer Weise für den Segelclub einzusetzen.
Bevor der Weihnachtsmann wieder ging, überreichte er noch allen, einer guten, alten Tradition folgend, sein Ebenbild aus Schokolade. „Das war wirklich eine gelungene Überraschung“, so der Kommentar einer begeisterten Seglerin.
Sehr zur Freude aller gaben zum Abschluss des Nachmittags noch Simon Wickel   und Lars Haalck mit ihren Klarinetten ein 20minütiges, adventliches Konzert. Dabei ließen die bekannte Lieder auch sonst eher raue Seebären zu stimmungsvollen Sängern werden.