24 Hafenmanöver (3 Berichte)

Bericht 1 (mit Klick zu Bericht 2 & zu Bericht 3)

Falsch gedacht, dies ist ein Bericht über die Trainingskurse „Hafenmanöver 2024“ in Lemmer/NL. Aber, und deswegen die Überschrift, es könnten auch vierundzwanzig verschiedene Manöver im Hafen sein, über die berichtet wird. Die Meinungen, was davon wichtig ist und wieviele, sind durchaus kontrovers. Und sie sind revierabhängig. Die Zahlen schwanken zwischen „vier“ und „144 Seiten“ eines deutschsprachigen Fachbuches zu dem Thema.

Mit Vorspring an- und abgelegt im Zeitraffer

Zum ersten Mal bot der SHM in diesem Jahr nicht nur ein Übungswochenende an, sondern gleich zwei und jedes auch noch in zwei unterschiedlichen Längen. Der Zuspruch war entsprechend, die nötigen Vorbereitungen dazu waren aber exorbitant – Dank an die Organisatorin Beate T.!

Nach „besch…“ Wetter für die am Mittwoch (3. April) angereisten lernwütigen Saisonstart-Herbeisehnenden wurde es mit der Anreise der Besatzung des Ekkes-Bootes zwei Tage später schlagartig besser (natürlich gibt es hier einen ursächlichen Zusammenhang). Uns erwarteten durchweg vier Windstärken, in Böen auch sechs, in der Nacht auf Sonntag noch einiges mehr an Beaufort, und viel Sonne, verbunden mit für Anfang April äußerst angenehmen Temperaturen. Regen gab es auch, aber nur nachts sowie bei An- und Abreise.

Kabinenbelegung, Bootsübernahme, Einkauf, Sicherheitseinweisung und Abendesssen standen am Freitagabend auf dem Programm. Natürlich auch Anlegergetränke, denn andere hatten ja schon angelegt. „Waris“, eine 41er Bavaria, war uns schnell vertraut und ab nächstem Vormittag auch in Hafen und freiem Wasser. Samstagmorgen wurden wir uns schnell einig, dass nach Kennenlernen der Bootsbesonderheiten die Standardmanöver geübt werden sollten – eben unter verschärften Windbedingungen. Denn Anlegen bei 0 bis 2 Bft. kann ja jede/r, Ausnahmen bestätigen meist die Regel.

Also drehten wir so unsere Runden für Drehen-auf-dem-Teller, Aufstoppen, Rückwärts-fahren usw. bis kurz vor Mittag, um dann die ersten An- und Ableger (in der Box) zu üben. Mittagspause an Bord, oooch eine Viertelstunde Siesta in Windschatten und Sonne gehen doch noch, weiter üben: kleine Box, große Box, mit und gegen den Wind, auch Wind von seitwärts, vorwärts einparken und ebenso rückwärts. Mal vier Leute. Immer im Gespräch: die ominöse Mittelspring.

Der Feierabend war fix da, wir müde und nicht nur wegen der ungewohnten 23 Grad Lufttemperatur ebenso. Abendessen in der weltbesten Kibbeling-Bude in Lemmer-City (ich fühlte mich bei der Bewertung stark an den Bericht über den 23er Törn zu den Liparischen Inseln erinnert…), dann Anlegergetränke an Deck bis halb elf ohne Jacke, sehr angenehm, Besuch des einen oder anderen SHM-Bootes, danach grüßte Hypnos heftig und bald vermischten sich unterschiedlich intensive Schlafgeräusche mit heftigem Regengeprassel und Besuch vom Klabautermann in Form von schwankenden Booten und heulenden Wanten sowie Tampenschlägen an den Masten.

Wie üblich am Sonntag: sieben – acht – neun. Naja, es wurde dann doch später. Was aber nicht daran lag, dass wir uns uneinig gewesen wären, auf jeden Fall bei den Kaiserwetter-nahen Rahmenbedingungen mindestens einmal das Groß setzen zu wollen. Gesagt, getan. Raus aus dem Hafen, vor der großen Schleuse fix längsseits anlegen geübt mit und gegen Wind in Kanalrichtung. Mal vier Leute. Rückwärtsanlegen, wie im Mittelmeer verbreitet, bei gut 20 kn Wind plus Böen von querab waren dann selbst für Ekkes am Rande der Möglichkeiten. Wir anderen haben gern verzichtet.

Dann in die Schleuse nach kurzer Wartezeit. Noch eine Viertelstunde unter Motor, Groß etwas raus, Genua ebenfalls, am-Wind-Kurs, Maschine aus und zwei Stunden perfekt gesegelt. Mit so wenig Tuch völlig entspannt und mit geringer Krängung auch unspektakulär. Andere Segelboote zogen durchaus das eindrucksvollere Segeln mit Vollzeug vor bei Seitenneigungen, die in Böen von 30 Grad kaum entfernt waren; einem Boot ist das wohl nicht so gut bekommen: es bekam die Roll-Genua nicht rein, weil es teils im Wasser war und sich vermutlich am Anker vertüddelt hatte. Nach einiger Zeit hatte die Besatzung das Boot Gott-sei-Dank unter Kontrolle und fuhr unter Maschine mit flatterndem Vorsegel Richtung Anleger bzw. Windschatten.

Gerade hatten wir den Nachmittagsverlauf geplant, als ein Handy klingelte. Kalle K. war dran und fragte, ob wir Marcus B. für den Nachmittag „verleihen“ könnten, da er mit Kerstin W. allein an Bord geblieben war wegen früher Rückreise der Restcrew. Und zu zweit war es den beiden doch zu windig. Wir verabredeten uns für eine Stunde später auf der Binnenseite der großen Schleuse, die beiden aus Lemmer kommend und wir vom IJsselmeer. Leckerer Kaffeeduft umwehte Kalles Boot, begleitet von einem reichhaltigen Kekssortiment und einer Tüte „Osterkollektion“ eines bekannten Gümmibärchenherstellers. Netter Klönschnack, etwas Fachsimpelei und – schwupp – war eine weitere Stunde vorbei. Wir entschieden, dass es genug für beide Tage war und motorten zum Anleger zurück.

Nach dem Festmachen genossen wir eine weitere Stunde Sonne und Aussicht in das Schilfröhricht, gelegentlich unterbrochen von vorbei fahrenden Segel- und Motorbooten, und begleitet von: jawoll, Anlegergetränken und einer Nussauswahl. Dann wurde sich fix umgezogen und gepackt, Innenreinigung des Bootes entfällt bekanntermaßen. Ekkes nahm übrig gebliebene Lebensmittel mit auf sein Anschlussboot, da er für zehn Tage gebucht hatte. Noch eine kurze Verabschiedung der vor Ort bleibenden SHM-Mitglieder und nun ging es auch schon auf die dreistündige Rückfahrt, die dank der fortgeschrittenden Zeit ruhig und völlig stressfrei verlief.

Das war ein wirklich gelungener Saisonstart und bereitet heftige Vorfreude auf kommende Segelereignisse.

Text: Hans-Christoph T.
Fotos: Kerstin W. und andere Teilnehmer*innen

Manövertraining Lemmer 2024 (Bericht 2)

Ein tolles Paket

Auch diesmal hatten Beate und die Skipper ein tolles Paket geschnürt – Euch vielen Dank dafür! Themenabende zur Theorieauffrischung, variable Teilnahmezeiten und eine reibungslose Organisation haben die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg werden lassen. Nur diesen individuellen Zeitfenstern zwischen dem 5.4. und dem 14.4. ist es geschuldet, dass es kein gemeinsames Gruppenfoto gibt – man kann eben nicht alles haben.

Das Wetter bot Sonnenschein, Wolken, einen kurzen Regenschauer und viel Wind (WNW, 4-5, in Böen 6), und leicht unterkühlte Temperaturen.

Die 37er Bavarias von Enjoy Sailing waren für unsere Zwecke gut geeignet. Das „Boxen-Karussel“ des Vercharterers bot vom ersten Tag an ein variables Übungsgelände mit „Wind nach Wahl“. Enjoy Sailing führte parallel zu uns ebenfalls Manövertraining durch – so war das Hafenkino („So machen wir das aber nicht …“) abwechslungs- und lehrreich.

„Läuft!“ (Foto Christian V.)

Essen hält Crew und Schiff zusammen

Rührei zum Frühstück hatte sich bei uns an Bord schnell zum Standard entwickelt, die Restaurantbesuche in Lemmer und Medemblik führten die Crews, die ja sonst unabhängig voneinander operierten, zusammen. Das Chili con Carne von Richard stellte aber an Bord der „Annika“ alles in den Schatten – das muss hier auch erwähnt werden! Marmelade und Bier erwiesen sich als geeignete Tauschwährung und ein Anlegerbier Heck an Heck war ein starker Auftakt für einen gemütlichen Abend in Medemblik.

Übung macht Skipperin oder Skipper …

Der Manöverplan stand – und wurde doch den Bedingungen von Wetter und Hafensituation immer wieder angepasst:

  • Drehen auf dem Teller (Gibt es einen Radeffekt oder nicht oder nur ein bisschen?)
  • Rückwärts fahren (Da gibt es ja unterschiedliche „Schulen“: Vom „Ich seh‘ bugwärts nix, aber achteraus Blick bis zum Horizont“ bis zum „Ich schubber mir während des Rückwärtsfahrens den Rücken am Ruderrad“)
  • Gezieltes Aufstoppen (Kein „Puschelaufstoppen“! oder heißt es „Puschen ausstopfen“?)
  • Ein- und ausparken in enge Boxen mit sehr engem Fahrwasser (So lange man sich das enge Fahrwasser nicht mit anderen Schiffen teilen muss – safety first!)
  • Drehen an der luvwärtigen Achterleine (Gedreht wurde um diverse Poller – nur quietschen durfte nichts!)
  • Längseits anlegen über Achterleine und Vorspring (Als Einhandmanöver gerne genommen)
  • Boxentraining mit Rückwärts-Hosenträger bei Querwind und vorwärts mit Eindampfen in die Achterleine (Wind hatten wir reichlich, so dass auch die Hosenträger der Seglerhosen ordentlich beansprucht wurden)
  • Schleusenfahrten (Auch bei geringem Hub gilt abwärts: Leinen mitfieren)
  • Und last but not least Leinen werfen aus jeder Position (Das Werfen ist ja nicht das Problem – treffen muss man …)
Brückentag!

Ein solches Programm erzeugt natürlich auch Reibung: Gequietscht hat meines Wissens nach niemand, aber die kritischen Anmerkungen vom Skipper müssen auch verdaut werden. Und mancher wird gegrummelt haben „Hab ich doch gemacht … vielleicht nicht so … aber hat doch geklappt … fast …“. Schon die Bedienung des Gashebels hat bei uns an Bord die Frage ausgelöst, ob Werften die Dinger als letztes lästiges Übel behandeln und darum irgendwo, gerne auch in der Nähe der Bilge einbauen, wo noch etwas Platz ist. Auf manchen Schiffen brauchte es, sollte die Übersicht nicht verlorengehen, schon einen sehr laaaangen Arm. Die Leinenführung bot immer wieder Anlass für intensive Diskussionen und Fachsimpeleien und die Wahl des richtigen Winkels zur Pier sollte uns alle mittelfristig für Billardmeisterschaften qualifizieren – aber ohne Abpraller.

Heck an Heck ! (Foto Christian V.)

Die letzte Herausforderung waren bei uns an Bord MoB-Manöver bei Windstärken zwischen 4 und 5, in Böen 6. Ein zufällig gesichteter, von irgendwem verlorener Kugelfender konnte im dritten Anlauf geborgen werden – ganz ohne vorbereitetes Auge im Tampen. Die zu Übungszwecken gewasserten Fenderpaare trieben so schnell, dass die besprochenen Manöver (Q-Wende, „Münchener“) auch mit Blick auf die (weitab) in Lee liegende „Steile Bank“ vor Lemmer ad hoc angepasst wurden – und die Geschwindigkeit des Schiffs im Moment der Bergung sich hartnäckig bei 2,5 Knoten einpendelte.

Es war ein großes Rad, das Beate da gedreht hat – Danke für die gründliche Organisation und die Flexibilität bei der Dauer der Manövertrainings! So hatten wir uns an Bord der „Annika“ von Mittwoch bis Sonntag eingebucht und damit genug Zeit, uns vielfältige Herausforderungen zu suchen. Wir waren uns einig: Nächstes Jahr gerne wieder genau so!

Holger H.

Hafenmanöver 12. – 14.04.2024 (Bericht 3)

In Gesprächen mit anderen Vereinsmitgliedern über das vielfältige Angebot Fahrtensegeln hörte ich immer wieder: „Das Training Hafenmanöver musst du unbedingt mal mitmachen, da lernst du richtig was“. Große Überredungskünste waren nicht nötig. Ich war sofort begeistert und habe mich gefreut, dass es mit der Anmeldung geklappt hat. Eine Veranstaltung, bei der der Umgang mit dem Schiff im Hafen im Fokus steht. Wer will schon Hauptdarsteller im Hafenkino sein?! Offensichtlich geht es vielen anderen Mitgliedern genauso, die Resonanz war groß. Verteilt über zwölf Tage, wurden insgesamt sieben Schiffe gechartert!

Nach der umfangreichen Theorie mit zwei Themenabenden und dem Workshop Leinenarbeit im März sowie einer Crewbesprechung via Zoom ging es für mich am 12.04.24 los in Richtung Lemmer. Für den Hinweg haben sich verschiedene Fahrgemeinschaften zusammengefunden; wir sind um 13:30 Uhr in Münster gestartet. Besten Dank nochmals an Richard H., der uns souverän ans Ziel gebracht hat! Nach gemütlicher Überlandfahrt sind wir am Freitagnachmittag bei leichtem Wind und angenehmen Temperaturen angekommen. So kann´s weiter gehen, haben wir uns gedacht. Und das ging es auch, der Wettergott hatte uns wohl gehört. Am gesamten Wochenende waren Sonnencreme und Sonnenbrille angesagt!

Die Übernahme des Schiffes hat wegen einer Vielzahl an kleinen und größeren Mängeln einige Zeit gedauert, es gab Vieles zu protokollieren. Unser Skipper Stefan hatte vom Vercharterer den Hinweis bekommen, dass unser Schiff Diesel bunkern müsste, tanken wäre bis 19:00 Uhr möglich. Die Uhren des Vercharterers gingen aber wohl anders: Um kurz vor Sieben haben wir an der Tankstelle festgemacht, wurden dann aber auf den nächsten Morgen vertröstet. So hatten wir zumindest schon das erste Ab- und Anlegemanöver absolviert. Nach dem Hick-Hack hatten wir uns eine erste Hopfenschorle redlich verdient. Der Freitag klang beim gemeinsamen Abendessen mit allen Crews im Restaurant aus.

Nach einem Frühstück an der frischen Luft stand am Samstag erst einmal Schiffsgewöhnung auf dem Programm: Vollkreis fahren, Aufstoppen, Radeffekt, Drehen auf dem Teller… Dann ging es richtig los: An- und Ablegen in der Box mit Wind von unterschiedlichen Seiten, vorwärts, rückwärts und eindrehen über die Achterspring. Nach der Mittagspause ging es mit längsseits anlegen weiter. Hierzu sind wir zur großen Schleuse gefahren, im Wartebereich war ausreichend Platz für uns. Auch hier wurden verschiedene Varianten mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen besprochen und direkt geübt. Alle hatten reichlich Praxiszeit, Stefan hat uns zusätzlich mit viel theoretischem Wissen versorgt. Am späten Nachmittag hatten wir genug, die Köpfe rauchten. Es ging zurück zum Hafen. Stefan hat sich als Smutje angeboten und uns ein leckeres Abendessen kredenzt. Nach dem Spülen saßen wir noch im Salon zusammen und haben über dit und dat geklönt.

Der Sonntag startete mit Vertiefung, alle durften nochmals an- und ablegen in der Box üben. Anschließend stand das Schleusen an. Zuerst durch die Prinses-Margrietsluis, dann sind wir ein Stück durchs Fahrwasser in Richtung Industriehafen motort und durch die Lemstersluis ins Stadtgebiet von Lemmer gefahren. Bei bestem Wetter war eine Menge Betrieb im Ort, wir wollten uns das Treiben in aller Ruhe bei einer Tasse Kaffee von Land aus ansehen. Nach kurzem Suchen haben wir eine Stelle zum Festmachen gefunden. Leo hat die SY „Vidare“ souverän angelegt. Auf dem Rückweg zum Hafen durften wir an einer Brücke nochmals, mehr oder weniger freiwillig, Aufstoppen und längsseits Festmachen üben. Inzwischen waren wir schon etwas spät dran. Zurück im Hafen haben wir fix unsere persönlichen Sachen zusammengepackt, noch schnell etwas gemeinsam gegessen und den restlichen Proviant aufgeteilt. Dann ging´s schon wieder in Richtung Heimat.

Es war ein tolles Wochenende. Wir hatten eine Menge Spaß und haben viel gelernt. Das Ganze gibt es auch noch zu einem wirklich günstigen Preis. Ich werde ganz bestimmt wieder teilnehmen! Zum Abschluss nochmals herzlichen Dank an Beate für die Organisation und an alle Skipper für die Geduld und die Bereitschaft, Wissen und Erfahrungsschatz zu teilen!

Thorsten N.

Super Crew, super Skipper, super Wetter 2023

So einfach könnte man unser Hafenmanöver Training in Lemmer/NL am Osterwochenende zusammenfassen.

Geplant war der Workshop zwei Wochen früher, doch eine Sturmwarnung machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Der Vercharterer Enjoy Sailing ließ kurzfristig eine Umbuchung aller sieben Boote (hauptsächlich Bavaria 37er) zu, und so wurden jetzt aus einem gemeinsamen Wochenende der 35 Teilnehmer vier individuelle neue Termine mit neuer Crewverteilung. Hier gilt vor allem Beate T. als Hauptorganisatorin und den Skippern ein großer Dank, die innerhalb von ein paar Tagen neue Termine aushandelten und die Boote und Crews neu zusammenstellten.

Zu den Vorbereitungen gehörten aber auch zwei Themenabende im Vereinshaus und ein kleiner Leinenworkshop in der Bootshalle. Konzipiert ist das Hafenmanövertraining eigentlich für SKS-Anwärter*innen oder -Absolvent*innen und angehende Hansa-Skipper*innen, um zum Start der Segelsaison das An- und Ablegen einer tonnenschweren Segelyacht unter Aufsicht eines erfahrenen Skippers zu üben und zu verfeinern.

Die Anreise meiner Crew im eigenen PKW am Karfreitag ging reibungslos vonstatten. Auch die Übernahme des Bootes gegen 17 Uhr war problemlos. Nach einer Sicherheitseinweisung durch unseren Skipper Ekkes konnten wir uns noch vor dem Abendbrot mit der NINA, einer noch durchaus gepflegten 16 Jahre alten Bavaria 37, mit dem Hafenbecken rund um Enjoy Sailing vertraut machen. Der Abend klang mit selbstgemachten Gulasch und wohltemperierten Getränken (unterstützt durch einen Heizlüfter) aus.

Am Samstag nach dem Frühstück und der Theoriebesprechung ging es endlich richtig zur Sache: alle „Pflichtübungen“ wurden abwechselnd durchexerziert; An- und Ablegen in allen Varianten in Boxen als auch seitlich am Steg mit unterschiedlichen Springleinen – etwas Wind und Sonne hatten wir auch. Anschließend ging es noch durch die Schleuse und kurz raus aufs IJsselmeer unter Segeln. Einfach nur schön.

Sonntag kam dann die Kür. Jeder durfte sich was wünschen. Und so übten wir das An- und Ablegen am Fingersteg und noch vieles mehr. Der krönende Abschluss war aber unsere Fahrt nach Lemmer hinein. Adrenalin pur für mich am Ruder unser altes Dickschiffes an der gut besuchten Uferpromenade neben einer auf Hochglanz polierten Edelyacht auf 20 Zentimeter genau rückwärts „einzuparken“. Wir hatten zwar ausreichend gefendert, wollten aber nicht dass den genauso herausgeputzten Edelyachtbesitzern der Prosecco aus der Hand oder ihr Pudel über Bord fällt.

Auch das Ausschwenken mit der Achterspring gefolgt vom Drehen auf dem Teller im sehr engem Kanal bei der Rückfahrt zum Vercharterer lief nach der ganzen Überei wie geschmiert und sorgte für wenig Aufregung oder Aufsehen unter den Schaulustigen. Kein freies Hafenkino der Hansa Crew.

Der Tag klang mit einer Nachbesprechung in unserer Heimatbox aus, besser und schöner hätte es nicht laufen können: Boot, Crew und Skipper sind heil geblieben und alle hatten eine lehrreiche und tolle Zeit.

Fritz

Leinenarbeit: SHM-Workshop 2023

Worum geht es? Suchmaschinen liefern hauptsächlich zwei Ergebnisse:

  • Wie führe ich meinen Hund optimal?
  • Wie bekomme ich mein Boot/Schiff am besten an die sprichwörtliche Leine gelegt?

Leinenarbeit ist weitgehend uninteressant für Jollensegler*innen, dafür aber um so wichtiger für Crews von Segelbooten z.B. auf SHM-Ausbildungs- und anderen -Fahrten.

Neulinge auf Dickschiffen (keine Suchmaschine bedienen!) stehen manchmal auf verlorenem Posten, nachdem der/die für das Manöver verantwortliche Rudergänger*in/Steuermann bzw. -frau die Crew zum An- und Ablegen einteilt hat. „Du, <Name>, gehst an die Backbord-Achterleine und wirfst sie an Land, wenn ich es sage.“, könnte die Anweisung lauten. Oder, befehlsmäßig knapp: „Zieh Leine!“, bei jemandem, der/die mit den Nuancen unserer Sprache weniger vertraut ist. Kein Wunder, wenn ein fragendes Gesicht auftaucht oder das Manöver anders abläuft, als geplant.

Exkurs für Nicht-Seeleute: mit „Dickschiff“ meinen wir Segelboote, auf denen Besatzungsmitglieder nicht nur segeln, sondern z.B. auch übernachten, essen und Freizeit verbringen können, also größere Segelwasserfahrzeuge als es Jollen, die wir vom Aasee her kennen, meist sind.

Gut an der oben genannten, ersten Aufgabe: eine konkrete Person bekommt eine definierte Aufgabe zugeteilt. Schon daran können An- und Ableger scheitern. Schlecht daran: Chefe hat sich nicht vorher über die Fähigkeiten und Kenntnisse des Besatzungsmitgliedes informiert oder gefragt, ob alles klar ist.

Leinenarbeit meint den Teil der Vorbereitung von An- und Ablegemanövern auf Dickschiffen, der mit Seilen, Festmachern, Tampen, Tauen bzw. Leinen zu tun hat.

Ideal: die Rudergängerin bzw. der Rudergänger teilt die Besatzung mit genauer Aufgabenbeschreibung ein. Und das mit reichlich Vorlaufzeit vor Manöverbeginn! (Wir unterstellen, die Crew ist in der Lage, die gewünschte Tätigkeit auszuführen.) Beauftragte Person geht an die zugeteilte Position, macht die Leine klar oder holt vorher eine geeignete an die vorgesehene Stelle und verklart sie. Dann wartet das Besatzungsmitglied auf die Ansage des/der Verantwortlichen, führt die Aufgabe mit Rückmeldung durch und verbleibt bis zum Manöverende an Ort und Stelle vorbehaltlich einer Neueinteilung durch die Schiffsführerin oder den Schiffsführer.

Zur Leinenarbeit gehören beispielsweise das saubere Aufschießen von Leinen als Wurfvorbereitung oder nach Manöverende, das Werfen von Tampen meist zu Helfenden an Land oder über Poller bzw. Dalben/Pfähle. Je nach Aufgabe muss der Wurf ein- oder beidhändig geschehen. Gern vergessen: lose Enden festhalten! Auch das Belegen an Ringen, Klampen oder Pollern gehört dazu, ebenso wie das Fieren und Holen von Tampen, was ungleich dem Festmachen/Belegen ist!

Festmacherleinen müssen von außen, unter der Reling hindurch an Bord befestigt werden, sonst ziehen die zahlreichen Tonnen Bootsgewicht die Reling platt – dumm gelaufen, sieht Sch… aus und wird teuer.

Sonderthemen sind Muringleinen, wie sie im Mittelmeer anzutreffen sind, und Fender an Bord. Ach so: keine Öse am Tampen … wie geht der Palstek???

Auch die Kenntnis des seemännischen Vokabulars gehört zur Leinenarbeit: Was ist der Unterschied zwischen fieren, (dicht-)holen und belegen, und daraus ergibt sich die unterschiedliche Bedeutung der Befehle „Leine fest“ und „Leine belegen“; was heißt hissen; die Leine ist das Ganze – der Tampen eines der beiden Leinenenden. Und so weiter.

Wir sehen: Tampen werfen kann jede*r. Aber so, dass sie am Ziel ankommen, schnell und genau, ist nicht einfach. Und nach einem Fehlversuch das schnelle Einholen des im Wasser treibenden, nassen Tampens, neues Aufschießen, erneuter Wurf, als Rechtshänder*in aus Platzmangel mit Links auch noch, Gegenwind, die sich drehende Schraube dräut … Je nach Routine und Gelassenheit der Rudergängerin oder des Rudergängers kann der Blutdruck schnell steigen und auch die Gesichtsfarbe stark verändern. Da ist es manchmal sinnvoll, das Manöver abzubrechen und in Ruhe neu anzugehen; aber das entscheidet der manöververantwortliche Mensch und nicht das leinenwerfende Crewmitglied.

Leinenarbeit ist also keine Sklavenarbeit für Dummies, sondern eine verantwortungsvolle Tätigkeit zur sicheren Bedienung von Dickschiffen. Auch, damit es keine Verletzung gibt (Festmacher mit Fuß im Kinken bekommt plötzlich Zug und schwupp ist der Fuß …) und damit das Manöver planmäßig, auch in akustischer Ruhe, durchgeführt und beendet werden kann („Da ist ein Knoten vor der Klampe. DAS SEIL KLEMMT!“ Und dann kleinlaut-hektisch-ratlos: „Ich krieg‘ den Knoten nicht los….“).

Spur der Bartok beim Manövertraining
So sollte keine Leine an Bord liegen, auch wenn es sich hier „nur“ um den Kurs bei einem Boje-über-Bord-Manöver handelt

Leinenarbeit ist sehr viel Teamarbeit, bei der miteinander Reden hilft. Auf geht’s. Da kann jedes Mitglied noch etwas lernen oder auffrischen. Der nächste Workshop kommt garantiert: e-Hanseat lesen bzw. SHM-Kalender beachten.

Hans-Christoph T.

Hafenmanöver-Flottillentraining 2022

Von Hosenträgern, Schokoladenseiten und Tellern

Die Mahlzeiten und die richtige Bekleidung spielen bei Flottillentörns und -trainings immer eine gewichtige Rolle. So auch vom 18. bis zum 20. März 2022 in Lemmer/NL. Aber dazu später mehr.

Vorbereitung

Nach der COVID-bedingten Unterbrechung im Vorjahr fanden sich wieder rund 25 Vereinsmitglieder mit sechs SHM-Skippern zum Training von Hafenmanövern ein.

Die perfekte Organisation durch Beate und die Skipper sowie obligatorische Themenabende zur Theorieauffrischung sollten die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg werden lassen. Unter 200 € pro Nase (inkl. Charter, Versicherung, Pkw-Spritkosten, Mahlzeiten, Organisation) und maximaler Lernerfolg versprachen ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Die Anreise erfolgte in Privatwagen bei strahlendem Sonnenschein, Wind (ENE, 4-5, in Böen 6), aber wenig frühlingshaften Temperaturen. Bis Sonntagmittag änderte sich am Wetter nichts grundsätzlich, bevor ein angekündigtes, aber überflüssiges Regenband durchzog und die letzten nimmersatten Besatzungen und alle Pkw-Belader einweichte.

Boote, Besatzungen und Bibbern

Die Boote wurden bei Enjoy Sailing gechartert. Es handelte sich um bestens ausgestattete 37er Bavarias, die wir in gutem Zustand vorfanden; es war ja auch der erste Einsatz der Boote in der beginnenden Saison.

Dank Bordheizungen und Heizlüftern wurden die Boote samt Besatzungen schnell warm; heißes Abendessen und das eine oder andere alkoholische Getränk führten flugs zu einer heimeligen Bordatmosphäre.

Nicht nur an Bord „meines“ Bootes Annika mit Ekkes als mit allen Wassern gewaschenem Skipper rückten die Alltagsgedanken, unterstützt durch bekannte Gesichter, großes Hallo und teils tiefgründige Gespräche über Gott und die Welt, schnell in den Hintergrund.

Nach einer kalten Nacht klingelten um 7 Uhr die Wecker. Fix aufgestanden, Katzenwäsche an Bord oder ausführlich in den Hafenanlagen, Heizlüfter für Wärme und Kondenswasserentsorgung an, Kaffee-/Teewasser aufgesetzt, üppiges Frühstück vorbereitet und eingenommen: die zwei Stunden bis zum Ablegen vergingen wie im Fluge. Schnell die mehrlagige, warme Kleidung samt Windschutz angezogen und die erste Manövervorsprechung konnte beginnen.

Üben, üben, üben

Die Annika lag quer zum Wind in einer Box, Heck zum Ufer. Ein Williger für den ersten Ableger fand sich schnell. Aber wie machen? Zig Möglichkeiten, ebenso viele Fettnäpfe, über 20 weitere übende Boote und fehlende Praxis… Nach einer halben Stunde überlegen ging es los – geschafft, wir waren raus und reihten uns zwischen den anderen Booten ein. Segel wurden aber nicht gesetzt.

Nun wurde fleißig geübt. „Essen“ und „Bekleidung“ kamen endlich auch ins Spiel, in Form von Manövern:

  • Drehen auf dem Teller
  • Rückwärts fahren
  • Gezieltes Aufstoppen
  • Längseits anlegen über Achterleine und Vorspring
  • Drehen an der luvwärtigen Achterleine
  • Boxentraining mit Rückwärts-Hosenträger bei Querwind und vorwärts mit eindampfen in die Achterleine
  • Ein- und ausparken in enge Boxen mit sehr engem Fahrwasser
  • Leinen werfen aus jeder Position
  • Fast alles mit und gegen den Wind bzw. mit Seitenwind
Einhand Anlegen mit EIndampfen in die Achterleine

Überhaupt Leinen: was alles bei der Leinenarbeit falsch gemacht werden kann, stellten wir bei fast jedem Manöver erneut fest. Die Meckerei „Unter der Reling durch!“ war nur eine von vielen…

Aus der Übungs-Gurkerei ergaben sich in den Routenaufzeichnungsprogrammen wunderschöne Wollknäuel. Apropos Wollknäuel: das Programm legte jede Besatzung natürlich selbst fest.

Für die vollständige Aufzeichnng auch zum Reinzoomen lohnt ein Klick auf das Bild

Wenig überraschend hörten die Rudergänger als Manöverchefs und die Besatzungen reichlich „Meckereien“ unserer Skipper: Wieder Ruder losgelassen. Mehr Gas, weniger Gas. Ruder rum. Nicht so… Nein, Leine anders. Bootshaken unklar. Leine schneller einholen. Und so weiter. Es stellte sich im Nachhinein die Frage, wer sich eigentlich von wem erholen müsse: wir vom Skipper oder anders herum?

Auch die Schokolade kam nicht zu kurz, nach dem Abendessen, aber vor allem während der Fahrt durch die Kanäle. Sahen wir doch vom Boot aus und anders als üblich die Schokoladenseiten der Häuser mit ihren Anlegern vor den Gärten und Panoramafenstern. Noch ein Satz zu LEMMER: die ersten OsterLÄMMER tobten völlig unbeeindruckt von uns neben den Kanälen im frischen Grün herum (Määh).

Sowohl die weniger Erfahrenen als auch die Routiniers unter uns lernten extrem viel in kurzer Zeit. Wir waren uns einig: Übung lässt ich nur durch Übung ersetzen, und daraus erwächst die nötige Erfahrung.

Fazit

Hut ab vor den Organisatoren! Der Autor hat bei der Vorbereitung der Backschaft mitbekommen, wie viel Zeit allein diese Teilaufgabe verschlang. Für wenig Geld haben wir viel gelernt bzw. aufgefrischt, ohne Standardprogrammabwicklung. Tolle Leute an Bord, klasse Stimmung, gutes Wetter. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell und Gott sei Dank gab es bis auf kleine Rempler keine Unfälle.

Das Hafenmanövertraining ist ein heißer Tipp für jeden aktiven SHM-Hanseaten! Wir sehen uns, spätestens beim nächsten Hafenmanövertrainung…

Text: Hans-Christoph T. (hc)
Fotos: div. Teilnehmer

Skippertraining Hafenmanöver

Am 13.4.2018 war es endlich soweit, mein (Klaus G.) erster Törn mit dem SHM sollte mich und meine Mitsegler auf die höheren Weihen des Skippers vorbereiten. Um es vorwegzunehmen, bis dahin ist es – zumindest für mich – noch ein gewisser Weg.
Beate hatte den Vorschlag für diesen Törn gemacht und damit begründet, dass die Praxis des An- und Ablegens im Regelfall bei der Ausbildung zum SKS zu kurz kommt und die meisten der erfolgreichen SKS-Neulinge nicht wirklich von sich behaupten können, in dieser Disziplin mit Bravour vor dem Hafenpublikum zu bestehen. Also am besten in der Vorsaison in leeren Häfen mal üben. Soweit die Theorie. „Skippertraining Hafenmanöver“ weiterlesen